Antidepressiva und SSRI

Die Gruppe der Antidepressiva

Der Pionier Arvid Carlsson

Der Pharmakologe Arvid Carlsson entdeckte vor 60 Jahren das Dopamin. Für die Erforschung der Signalübertragung im Nervensystem erhielt er dann im Jahr 2000 den Nobelpreis für Physiologie oder Medizin. Seine Forschungsarbeiten ermöglichten eine gezielte Behandlung der Parkinson-Erkrankung, klärten Zusammenhänge zwischen Botenstoffen im Gehirn und Gemütszuständen und führten zur Entwicklung moderner Antidepressiva.

Crashkurs Depression

Die Depression begleitet den Menschen von Anfang an. So glaubte man im Mittelalter, dass die Betroffenen vom Teufel besessen seien. Später steckte man die Kranken in die Zucht- und Tollhäuser, zusammen mit Arbeitslosen, Kriminellen und Prostituierten. Im 18. Jahrhundert begann dann die barbarische Behandlung, die der Folter glich. Durch die körperliche Erschütterung wollte man die seelische übertreffen und auf diese Weise die Seele heilen.1

Wieso wird man aber depressiv? Auf diese Frage gibt es keine einfachen Antworten. Ursachen sind die anfällige Persönlichkeit, das Elternhaus, die Erziehung und Erlebnisse, die eine Person in ihrem Leben sammelt, und nicht zuletzt die genetische Veranlagung. Das ist jedoch meist Ausdruck tiefster Ratlosigkeit: lässt sich ein psychisches Phänomen nicht erklären, schiebt man die Verantwortung auf die Gene ab. Denn es wäre dann doch zu erwarten, dass die Krankheit eindeutiger zu definieren wäre und einheitlichere Züge vorweisen könnte. Aber nicht nur die Ursachen, sondern auch die Verläufe sind vielfältig. Die Depression zeigt jedes Mal ein ganz anderes, höchst persönliches Gesicht. Das Hauptmerkmal, schon vor Jahrhunderten trefflich beschrieben, bleibt jedoch konstant: Die tiefe, schwere Hoffnungslosigkeit.

Die Depression gilt mittlerweile als Volkskrankheit. Bei den Beeinträchtigungen weltweit fand sie sich unter den ersten vier Erkrankungen 2. Bis 2020 soll die schwere psychische Krankheit sogar die zweitschwerste Erkrankung werden. 3. Sie trifft Frauen doppelt so häufig wie Männer. In der Schweiz wird jede(r) Fünfte einmal im Leben depressiv und jede(r) Zehnte durchleidet zeitlebens mehrere Depressionen. Bei zwanzig bis dreißig Prozent der Betroffenen kommt es zur Chronifizierung.

Die Depression ist ein Sammeltopf für verschiedene Störungen - man unterscheidet zwischen affektiven oder endogenen – quasi von innen kommenden – Störungen. Dann gibt es noch reaktive Depressionen – etwa, wenn jemand, der eine länger andauernde Belastung aushalten muss, darauf zu reagieren beginnt. Zunächst erträgt er immer weniger und wird dünnhäutig, dann finden sich zusätzlich körperliche Beschwerden ein. Das ist die Entwicklung einer klassisch verlaufenden Erschöpfungsdepression, die heute unter dem weitaus weniger stigmatisierenden Namen "Burnout" gehandelt wird. (Führende Experten wie Hegerl und Isabella Heuser, 58, Direktorin der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Charité Berlin, sehen Burnout als einen medizinisch sinnlosen Begriff an; ein behandlungswürdiger Burnout und eine Depression seien schließlich ein und dasselbe. Das Gefühl tiefer Erschöpftheit, wie es jetzt als typisch für die neue Modekrankheit gilt, gehörte schon immer zu den für die Diagnose einer Depression nötigen Krankheitszeichen 4.)

Die Depression ist charakterisiert durch Stimmungseinengung (Verlust der Fähigkeit zu Freude oder Trauer; Verlust der affektiven Resonanz, d. h. der Patient ist durch Zuspruch nicht aufhellbar) oder bei einer schweren Depression dem „Gefühl der Gefühllosigkeit“ bzw. dem Gefühl anhaltender innerer Leere. Schwer depressiv Erkrankte empfinden oft eine völlige Sinnlosigkeit ihres Lebens. Häufig führt dieser qualvolle Zustand zu latenter oder akuter Suizidalität.5 Man geht davon aus, dass rund die Hälfte der Menschen, die einen Suizid begehen, an einer Depression gelitten haben. 15 Prozent der Menschen mit schweren Depressionen nehmen sich das Leben. Bei der Depression handelt es sich daher um eine sehr ernste Erkrankung, die umfassender Therapie bedarf.67

Oft verwechseln die Leute eine Depression mit simpler Traurigkeit. Doch lässt sich jemand, der traurig ist, noch von seiner Trauer ablenken. Ein Besuch im Kino oder eine Einladung zum Essen lässt den Traurigen die Traurigkeit zumindest vorübergehend vergessen. Dies ist dem Depressiven unmöglich.

Es gilt die Faustregel, dass man zum Psychiater sollte, wenn mindestens eines oder gar mehrere Symptome wie niedergedrückte Stimmung, Antriebslosigkeit, Müdigkeit, Grübeln, Zukunftsängste, Interessenlosigkeit und Schlafstörungen über einen Zeitraum von zwei Wochen auftreten. 8

Gerade bei der Depression hält sich der Irrglaube, dass dann, wenn man nur genug Pillen einwirft, es schon wieder gut wird. Und meistens wird das Antidepressivum über den Tag verteilt als Cocktail serviert. Seropram und Aurorix als Antidepressiva, mit je einem unterschiedlichem Wirkmechanismus. Das Schilddrüsenhormon Eltroxin, welches die Wirkung von Antidepressiva verstärkt. Dazu am Besten noch das beruhigende Xanax dem ebenfalls eine gewisse antidepressive Wirkung nachgesagt wird. Abends verstärkt Lithium wiederum die Wirkung der Antidepressiva, zusammen mit Lamictal, das wie Lithium die Stimmung stabilisieren hilft, und Clopin eco, ein ziemlich starkes Beruhigungsmittel, das in niederer Dosierung dabei hilft, einzuschlafen.

Infos zu Antidepressiva

Nebenwirkungen und Folgen
Auf Föten

Nach der Einnahme von Antidepressiva (SSRI) in der Schwangerschaft kommt es bei den Neugeborenen gehäuft zu einer persistierenden pulmonalarteriellen Hypertonie. Wenn sich nach der Geburt die Lungengefäße nicht entfalten, bleibt der fetale Kreislauf erhalten. Diese persistierende pulmonalarterielle Hypertonie ist eine seltene angeborene Störung. Weitere Bedenken nach der Exposition mit SSRI während der Schwangerschaft betreffen ein neonatales Entzugssyndrom, das sich in einer erhöhten Reizbarkeit, Muskelhypertonie, Schreien und Ernährungsstörungen manifestieren kann9

Das Antidepressivum Citalopram in der Perinatalphase10 haben zudem in einer neuen tierexperimentellen Studie11 deutliche Spuren im Gehirn von Ratten hinterlassen. Bereits im Juli 2011 war eine Fall-Kontrollstudie zu dem Ergebnis gelangt, dass Kinder, deren Mütter während der Schwangerschaft mit SSRI-Antidepressiva behandelt wurden, ein zweifach erhöhtes Risiko auf eine Autismusspektrums-Störung (ASD12)13 haben. Die Verhaltensstörungen, an die Symptome der ASD erinnern, persistierten bis ins Erwachsenenalter der Tiere. Insbesondere bei den männlichen Tieren, was ebenfalls gut zum ASD passt, da autistische Störungen bei Knaben drei- bis viermal häufiger auftreten als bei Mädchen.
Vgl gleichnamiger Artikel bei Wikipedia (Stand April 2013)14

Das US-National Institute of Mental Health, sponsorte die Studie und die Resultate dürften den Druck auf die Arzneibehörde FDA verstärken, den Einsatz von SSRI in der Schwangerschaft einzuschränken. Bisher ging die Behörde davon aus, dass eine unbehandelte Depression der Mutter in der Schwangerschaft gravierendere Folgen für das Kind haben kann als SSRI. Einzelne SSRI waren in der Vergangenheit auch mit Fehlbildungen und einer persistierenden pulmonalen Hypertonie in Verbindung gebracht worden. Zudem leiden viele Neugeborenen in den ersten Lebenstagen unter einem neonatalen Abstinenz-Syndrom, also unter einem SSRI-Entzug.15

Auf das Herz

Eine neue große Studie hat ergeben, dass Betroffene, die mehr antidepressive Medikamente einnehmen, eine höhere Infarktrate aufweisen16.

Diabetes

Depressive Menschen haben ein um 30 Prozent erhöhtes Risiko für Diabetes Typ 2. Entscheidend sei weniger der Lebensstil der Depressiven als Antidepressiva, die zu Gewichtszunahme und zur verminderten Reaktion der Zellen im Körper auf Insulin (Insulinresistenz) führten17.

Grund für eine Depression infolge von Diabetes18 kann es sein, dass das Leben mit der Krankheit für viele Menschen eine ernstzunehmende Belastung, ein Stressfaktor ist. Menschen mit Diabetes haben ohnehin eine reduzierte Lebensqualität. In Deutschland haben sieben Millionen Menschen Diabetes. Weitere drei Millionen sind betroffen, wissen es aber nicht. 19.

Antidepressiva – „gefährliche Helfer“?

„Gefährliche Helfer“ so titelte einmal „Die Zeit“ ihren Artikel über die Antidepressiva. Die Nebenwirkungen sind in der Tat enorm. Häufig treten Schwindel und Müdigkeit, Kreislaufstörungen, Magen-Darm-Beschwerden, Störungen der Sexualität auf. Besonders erschreckt: auch die erhöhte Suizidgefährdung in der Anfangsphase der Behandlung. Die ohnehin labilen Menschen werden also einem erhöhten Druck ausgesetzt. Das ist nicht nur gefährlich, sondern auch absurd. Zuerst wird es viel schwerer bevor es (nur vielleicht und ohne Garantie) besser geht und der Patient sich davor nicht umgebracht hat?20

Etwa vier Millionen Menschen in Deutschland leiden an einer Depression, also an einer potenziell tödlichen Krankheit: Die meisten der jährlich etwa 10.000 verübten Suizide fallen auf das Konto der Depression. Trotzdem wird die Krankheit immer noch tabuisiert. 21

Stigmatisierung
Noch heute begleitet die Depression, wie auch andere psychische Krankheiten, ein anstößiger Ruf. Deshalb fürchten die Erkrankten immer noch, offen darüber zu sprechen, und verleugnen lieber ihre Probleme.
So erinnerte sich Helmut Schmidt in einem Interview für „Die Zeit“, wie sich Willy Brandt nach den gewonnenen Wahlen 1972 ins Krankenhaus zurückzog22 und ihn und Wehner darum bat, „die neue Regierung zusammenzustellen“. Selbst war Brandt dazu in diesem Moment nicht in der Lage. Er litt an wiederkehrende Depressionen. Die Öffentlichkeit erfuhr damals nichts davon. Seine Krankheit wurde lange verheimlicht. Nach Jahrzehnten schien sich in dieser Hinsicht nichts geändert zu haben.
Die Depression von dem Fußballer Robert Enke23 wurde erst nach seinem Suizid bekannt. Doch sorgte sein Tod für Aufruhr. Nach einem kurzen Moment der Reue und vielen Versicherungen, es in Zukunft besser zu machen, ist es wieder, wie es davor war. Die Angst vor der Stigmatisierung bleibt erhalten.24
Verordnungshäufigkeit

Weltweit gehören Antidepressiva mittlerweile zu den fünf am häufigsten verkauften Medikamentengruppen. Ein Riesenerfolg für die Pharmaindustrie – auch in Deutschland.25

2012 wurden 1,3 Milliarden Tagesdosen an Antidepressiva verordnet. Die Psychiatrie hat sich durch die neuen Präparate in eine Art Chemiebaukasten verwandelt. Viele Psychiater geben heutzutage für den Abend ein eher schlafanstoßendes Antidepressivum und für den Morgen ein Aktivierendes. Vor allem der Glaube an die Pillenwirkung hilft. 26
Etwa acht Prozent aller Europäer schluckten 2010 Medikamente gegen Depressionen 27. Obwohl es den Europäern gemessen an Wohlstand und Sicherheit nie besser als heute ging, müssen so viele Menschen mit Chemie nachhelfen, um glücklich zu sein28
Um ein in sich ruhender Mensch zu werden, muss man aktiv sein Glück suchen und dieses Glück auch leben. Zudem bedarf es auch der Tiefen, um besondere Momente des Lebens wertschätzen zu können. Der deutschen Gesellschaft mangelt es insbesondere an solchen Regenerationsphasen. Wohlstand hat auch nichts mit Wohlbefinden zu tun, sondern mit der inneren Zufriedenheit, die einen ausgeglichenen, glücklichen Menschen ausmacht. Positive Menschen sind automatisch gesünde, weil die Wahrnehmung der Vorstellung folgt.. So wacht derjenige auch gelassener auf, der mit guten Gedanken schlafen geht. Jeder Mensch hat ein Ventil und einen kleinen wolkenfreien Raum, sich an schöne Augenblicke zu erinnern, egal wie schlecht es ihm geht.29

Laut Arzneimittelreport 2011 werden in Deutschland im Vergleich zu vor 15 Jahren dreimal mehr Antidepressiva verschrieben. Die gesetzlichen Krankenkassen berichten, dass jährlich etwa acht Prozent der erwerbstätigen Versicherten eine behandlungsbedürftige Depression haben. Die Weltgesundheitsorganisation WHO schätzt, dass jeder Vierte im Laufe seines Lebens mindestens einmal depressiv wird.30

Die deutschen Ärzte verschrieben 2011 doppelt so viele Antidepressiva wie noch zehn Jahren zuvor. Die meisten Patienten wissen dabei nicht um die erheblichen Risiken und Nebenwirkungen der Psychopharmaka. Antidepressiva können etwa Aggressionen auslösen oder verstärken und das Suizid-Risiko erhöhen 31

Die Techniker Krankenkasse (TK) verzeichnete 2010 gegenüber 2006 einen Anstieg von 44 Prozent bei den mit Antidepressiva behandelten Hochschülern32. Mittlerweile bekommen so fünf Prozent aller Studentinnen und drei Prozent ihrer männlichen Kommilitonen Medikamente gegen Depressionen. Steigen die Antidepressiva-Verordnungen weiter, bekommen spätestens im Jahr 2046 alle Vorlesungsteilnehmer ein Antidepressiva-Rezept. Schuld an der Entwicklung soll die sogenannte Bologna-Reform zur Schaffung eines einheitlichen europäischen Hochschulsystems sein, da die meisten Studenten dem wachsenden Druck durch die Umstellung auf Bachelor und Master nicht gewachsen sind. Laut Statistik erhielt jeder der 135.000 eigenständig bei der TK versicherten Studenten im Jahr 2010 Medikamente für 65 Tage. Dies sind zwar ein Zehntel weniger als ihre Altersgenossen im Berufsleben bekamen, doch lag der Anteil an Psychopharmaka bei den Hochschülern um sechs Prozent höher.33

Compliance

Viele der mit Depression belasteten Menschen wollen ihre Medikamente wegen der Nebenwirkungen nicht mehr einnehmen. Oft setzen sie die Medikamente eigenmächtig ab, sobald sie sich etwas besser fühlen. Dies ist jedoch die Rückfahrkarte in die eben durchlebte Hölle. Dazu kommen Symptome, die nach plötzlichem Absetzen der Antidepressiva auftreten, wie innere Unruhe und Spannung, Reizbarkeit, Angstzustände, Appetitverlust. Die Medikamente müssen deshalb mit langsam reduzierten Dosierungen behutsam ausgeschlichen werden.
Meistens werden Antidepressiva mindestens sechs Monate, oft jedoch über Jahre eingenommen.34

Wann auf Antidepressiva verzichten?

Auf Psychopharmaka zu verzichten, sei vor allem dann angezeigt, wenn Betroffene bei sich beobachten, dass Nebenwirkungen chronisch werden. Als Frühwarnzeichen für solche Erkrankungen nannte Lehmann etwa Potenz- und Regelstörung, Übergewicht und Muskelstörungen, die Zucken und Zittern hervorrufen. Wer sich zum Absetzen von Neuroleptika (bei psychiatrischen und neurologischen Krankheiten verordnet), Antidepressiva und Tranquilizern (Beruhigungsmittel) entschließe, sollte sich in jedem Fall vorab genau informieren und eine qualifizierte Fachkraft suchen.35

Drehtüreffekt

Auch der Drehtüreffekt spielt bei den Antidepressiva eine Rolle: Die Klinik entlässt die Patienten zu früh und diese fallen binnen kurzem zurück in die Depression. Diesen Teufelskreis verschärft zudem noch eine oft mangelnde ambulante Versorgung: Die Patienten bekommen zwar weiterhin Medikamente verordnet, doch fehlt es an der professionellen Begleitung im Umgang mit der Erkrankung.

Wirksamkeit

Entgegen der Anpreisungen seitens der Industrie sind die Antidepressiva jedoch keine Wunderheilmittel. Jede fünfte Person spricht gar nicht auf die Glückspillen an, jede dritte nur ungenügend. Eine signifikanten Besserung stellen wir nur bei Schwerstdepressiven fest. Ansonsten wurde mit umfangreichen Placebostudien aufgezeigt, dass Antidepressiva in vier von fünf Fällen nicht besser als Placebos wirken 36

Placebos wirken stärker und sehr viel komplexer als bisher angenommen. Mit Hilfe von Bild gebenden Verfahren konnten Wissenschaftler zum Beispiel nachweisen, dass Antidepressiva und wirkstofffreie Pillen im Gehirn ähnliche Effekte auslösen, allerdings in unterschiedlichen Regionen37

Placebos wirken selbst dann, wenn Patienten davon wissen. Bei Depressionen wirkten Scheinmedikamente etwa ebenso gut wie Psychopharmaka, nämlich jeweils in einem Drittel der Fälle. Die nun erwiesenen Placebo-Effekte wirken auch auch bei Schlafstörungen, Migräne oder Spannungskopfschmerzen.38

Mehr als die Hälfte der Ärzte hat ihren Patienten schon Scheinmedikamente verschrieben, so das Ergebnis einer Studie der Bundesärztekammer. Die Placebos halfen auch bei 59 Prozent der Patienten mit Magengeschwüren. In einem Experiment fügte ein italienischer Arzt den Probanden Schmerzen zu. Danach injizierte er ihnen ein Schmerzmittel. Dabei handelte es sich in Wirklichkeit um eine harmlose Kochsalzlösung. Schon nach wenigen Minuten setzte der Placebo-Effekt ein. Die Probanden berichteten vom Nachlassen des Schmerzes. Schon der Anblick der Spritze senkte die Anzahl der Stresshormone und die Patienten entspannten sich.39

Das Äußere der Pille spielt dabei eine Rolle. Je größer die wirkungslose Tablette dimensioniert ist, desto besser hilft sie. Auch der Preis ist entscheidend. Teure Medikamente scheinen Schmerzen stärker zu lindern als günstige Placebo-Produkte. Kapseln übertreffen Tabletten im Heileffekt und Spritzen zeitigten die besten Ergebnisse. Den größten Placebo-Effekt bewirkten jedoch Scheinoperationen.
In Texas behandelte ein Arzt 180 Patienten mit leichter Knie-Arthrose, zwei von Dreien operierte er tatsächlich am Knie, bei 60 Patienten dagegen machte er nur einen oberflächlichen Hautschnitt und ließ sie in dem Glauben, sie seien ebenfalls operiert worden. Fast alle Patienten gaben sich nach zwei Jahren zufrieden mit den Ergebnissen der Operationen. 40

Die Briten veröffentlichen eine weitere Studie, in der 80 Frauen mit Darmproblemen in zwei Gruppen aufgeteilt wurden. Die eine Gruppe erhielt ein Präparat, das ihnen unverblümt als wirkungslos vorgestellt wurde. Die zweite Gruppe erhielt gar kein Medikament, erhielt aber ebenfalls eine medizinische Überwachung. In der Placebo-Gruppe sanken die Beschwerden um 30 Prozent, in der zweiten Gruppe nur um 15 Prozent. 41

In Zukunft werden Placebos wohl viel öfter „verschrieben“ werden, da sie stärker und sehr viel komplexer als bisher angenommen wirken, meint die Bundesärztekammer. Die Zuckerpillen entfalten nämlich nicht nur eine Wirkung, sie haben auch keine Nebenwirkungen und sparen zudem viel Geld ein. 42

Alternativen zu Antidepressiva

Der Präventivmediziner Michael Spitzbart aus Bad Aibling ( „Arzt für Gesunde“) meint: „Mit Dopamin im Blut haben Sie keine Angst vor der Arbeit, sondern die Arbeit hat Angst vor Ihnen“, oder „Die acht essenziellen Eiweiße müssen sie essen, deshalb heißen sie essenziell“, sind typisch Spitzbart. Seine Methode basiert auf einer einfachen Ernährungsumstellung und mehr Bewegung, um den Hormonhaushalt eines jeden Patienten auszugleichen. Medikamentübertünschen nur die Symptome übertünchen behandeln aber nicht die Ursachen43.

Der Psychiater Michael Freudenberg, Oberarzt am Ameos-Klinikum in Neustadt, gesteht heute offen seine Depression ein. Er meint, dass nur zehn Prozent der Patienten optimal behandelt werden. Dabei könnte den meisten Patienten geholfen werden, wenn man besser mit der Krankheit umgehen würde. Wenn Patienten nicht ein halbes Jahr warten müssten, bevor endlich ihre Psychotherapie beginnt und die Pharmaindustrie neue und spannende Ansätze der Hirnforschung in neue Medikamente verwandeln würde. Aber lieber setzt man weiterhin auf die mittlerweile veralteten, aber profitträchtigen Antidepressiva. Auch sei es nötig, dass Psychiater und Psychologen zusammenarbeiten, anstatt ihre Konflikte auf dem Rücken der Patienten auszutragen.44

Eine Studie45 zeigt, dass Sport selbst gegen schwere Depressionen genauso effektiv hilft wie eine medikamentöse Behandlung. Eine mäßige wie auch intensive tägliche körperliche Betätigung hilft demnach genauso viel wie ein zweites Medikament gegen Depression. Das zweite Medikament kommt dann zum Einsatz, wenn die Anfangsbehandlung keine Besserung gebracht hat. Viele Leute würden daher Sport bevorzugen, vor allem weil Bewegung nachweislich Gesundheit und Wohlbefinden fördert. 46

Die kognitive Verhaltenstherapie ist bei Burnout die erfolgversprechendste47) bei Burnout am erfolgreichsten ist.. Burnout-Patienten wenden Musiktherapie, Physiotherapie, Stressmanagement oder kognitive Verhaltenstherapie an und kommen dabei nicht immer zum Erfolg. Hier könnte der Rosenwurz48 als wirksames pflanzliches Mittel ins Spiel kommen. Das Medikament wirkt sich günstig auf die Aufmerksamkeit, die Lebensqualität sowie auf Erschöpfungs- und Depressionssymptome aus. Weitreichende Veränderungen am Arbeitsplatz wie verminderte Arbeitsbelastung, vergrößerte Entscheidungsspielräume oder ein verbessertes Arbeitsklima zeitigten jedoch die besten Ergebnisse.
Vgl gleichnamiger Artikel bei Wikipedia (Stand April 2013)49

SSRI

SSRI sind die am häufigsten eingesetzten Antidepressiva. Die Wirkung der SSRI auf das depressive Syndrom ist abhängig von der Schwere der Erkrankung. So ist bei leichtgradigen Depressionen häufig keine statistisch nachweisbare Überlegenheit gegenüber der Gabe von Scheinmedikamenten (Placebo) festzustellen. Bei schwerer ausgeprägten Depressionen hingegen sprechen etwa 50–75 Prozent der Patienten auf ein SSRI an, während etwa 25–33 Prozent der Patienten auf Placebo ansprechen.50

Und dennoch hat mit der neuen Generation von Antidepressiva, die selektiven Serotonoin-Wiederaufnahme-Hemmer (SSRI), deren prominentester Vertreter Prozac ist, eine nicht nachvollziehbare Medikalisierung der Gesellschaft eingesetzt. In den USA, wo dieser Prozess am weitesten fortgeschritten ist, nimmt laut mittlerweile jede zehnte Person über sechs Jahren Antidepressiva 51. Die Antidepressiva verkaufen sich bereits häufiger als cholesterinsenkende Medikamente. Die Zahl der Menschen mit psychischen Erkrankungen wird jedoch trotz des explosiven Einsatzes von Medikamenten nicht kleiner, sondern steigt im Gegenteil stark an. Weshalb wird die Zahl psychisch Kranker dann nicht kleiner, sondern steigt im Gegenteil stark an? In Fachkreisen mehren sich die Zweifel daran, dass psychische Erkrankungen auf ein gestörtes chemisches Gleichgewicht im Gehirn zurückgeführt werden können, das mit Antidepressiva ausbalanciert werden soll, 52

Prominente SSRI sind Fluoxetin, Fluvoxamin, Paroxetin, Sertralin, Citalopram und Escitalopram. Bei Escitalopram handelt es sich um eine nach Wegfall des Patentschutzes auf den Markt gebrachte Variante des Citaloprams, die lediglich anstelle des Racemats das therapeutisch wirksame Enantiomer enthält.

Von den Hauptsubstanzen ist in Deutschland einzig Escitalopram nicht generisch erhältlich; der Patentschutz des dänischen Herstellers Lundbeck für das Medikament Cipralex besteht noch bis 1. Juni 2014. Eine definierte Tagesdosis Escitalopram kostet etwa das Drei- bis Vierfache im Vergleich zu Citalopram.53 Die Aussage des Herstellers, das Enantiomer wirke stärker und schneller als das Racemat, ließ sich in Studien nicht belegen54 55.

Wie wirken SSRI?
Das im Gehirn zirkulierende Serotonin beeinflusst so gut wie alle Gehirnfunktionen, wie beispielsweise den Schlaf, die Wahrnehmung, das Schmerzempfinden oder den Appetit. SSRI hemmen die Wiederaufnahme von Serotonin, welches sich im synaptischen Spalt befindet und sorgen dafür, dass der Wiederaufnahme-Weg förmlich blockiert ist und dass das Serotonin länger in der “Umlaufbahn” verbleibt. Dies kann dann zu einem stimmungsaufhellenden und angsthemmenden Effekt führen. Mehr Serotonin entspricht also mehr Unbeschwertheit. Dieses "Mehr" hat wiederum seine Tücken - bei kranken Menschen ist lediglich eine Anreicherung auf Normallevel das Ziel. Ein Zuviel an Serotonin hat ähnliche, wenn nicht gar noch gravierendere Folgen als eine zu geringere Konzentration: Enorme Anspannungszustände, Halluzinationen und im schlimmsten Fall das sogenannte Serotonin-Syndrom (mit lebensbedrohlichen Zuständen). An diesem Hebel setzen übrigens auch Drogen wie LSD an. Sie bringen das Gehirn gehörig durcheinander (mehr Serotonin, mehr Adrenalin et cetera) und erzeugen so (für kurze Zeit) vermeintlich positive, antreibende Effekte. Der Fall danach zurück in die Realität fällt dann jedoch zumeist überraschend heftig aus.
Erst nach mehreren Wochen entfalten SSRI ihre volle Wirkung und verbessern die Stimmung. Der Antrieb wird schneller wieder hergestellt. Die Antidepressiva werden dabei erst nach zwei bis vier Wochen positiv wirksam - die Nebenwirkungen treten jedoch schon in den ersten Tagen nach der Einnahme auf. Bei besonders schweren Depressionen mit starker Unruhe, Suizidgedanken oder wahnhaften Symptomen kommt es zumeist zur anfänglichen Zusatzverordnung von angstlösenden Medikamente wie Benzodiazepine. Diese zeitigen schon nach einigen Stunden eine enorme Entlastung, haben jedoch keine antidepressive Wirkung. Da viele der Medikamente gegen Depressionen zuerst antriebssteigernd und dann erst stimmungsaufhellend wirken, gewinnen die suizidal veranlagte Menschen mit einer Depression auch die Kraft zurück, einen Suizid zu begehen. Bei akuter Suizidalität ist es deshalb dringend geboten, eine stationäre Therapie einzuleiten56.

Die Theorie der Botenstoffe könnte sich jedoch als falsch erweisen.

Seit Jahrzehnten beruht die pharmakologische Intervention bei leichten und schweren Depressionen auf einer sehr einfachen Rechnung. Steht nämlich dem Gehirn mehr eines Botenstoffs57 wie Serotonin, Noradrenalin oder Dopamin zur Verfügung, dann hellt sich die Stimmung des Patienten auch auf. Viele moderne Antidepressiva beruhen auf diesem Prinzip der Steigerung des Neurotransmitterhaushalts. Diese Theorie ist jedoch zumindest ungenügend entwickelt, vielleicht sogar gänzlich falsch. Denn nicht alle Depressiven leiden an einem Mangel an Serotonin. Auch führt die künstliche Absenkung des Botenstoffs nicht zu Depression und verschlimmert auch nicht die Symptome.58
Dennoch arbeitet man sich trotzdem seit Jahren schon an pharmazeutischen Breitbandmitteln ab, die den Abbau gleich mehrerer Neurotransmitter blockeiren. So verhindert das oft verschriebene Venlafaxin den Abbau von Noradrenalin und Dopamin, während das bekannte Fluoxetin ("Prozac") nur den Serotoninhaushalt beeinflusst. 2010 gab der Hersteller GlaxoSmithKline sich zuversichtlich59, einen neuen und potenten Botenstoff-Wiederaufnahmehemmer in der Pipeline60 zu haben, der gleich drei Neurotransmitter61 angeht, nämlich Serotonin, Dopamin und Noradrenalin. 2011 erschien dann eine Studie62 zu dem neuen Kandidaten in der die behandelten Patienten langsamer gesundeten als mit Placebo. Die Substanz mit dem Forschungsnahmen GSK372475 war jedoch nicht völlig wirkungslos - führte sie doch zu diversen Nebenwirkungen.
Das Gehirn ist nicht nur kompliziert, es ist komplex. Trotzdem streichen einige Pharma-Konzerne die finanziellen Mittel für die nötige Grundlagenforschung und weisen auf Untersuchungen63 hin, die bewiesen haben wollen, dass Grundlagenforschung nicht zur vermehrten Entwicklung neuer Arzneimittel führt.64

Viele Forscher vermuten inzwischen, dass Serotonin nur indirekt mit der Depression zu tun hat. Die irische Medikamenten-Aufsichtsbehörde untersagte schon 2003 einem Pharmahersteller, in Informationsbroschüren zu behaupten, das Antidepressivum korrigiere ein chemisches Ungleichgewicht im Gehirn.65

Womöglich überschätzten auch die Ärzte die Wirksamkeit von Antidepressiva, heißt es im Arzneiverordnungs-Report von 2008, in dem die in Deutschland am häufigsten verkauften Medikamente unter die Lupe genommen werden. Bei leichten Depressionen konnte bisher nicht eindeutig belegt werden, dass sie entscheidend besser wirken als Placebos. Sport war in einigen Studien ähnlich effektiv, ebenso wie spezielle Massagen.66

Die Leitlinien zur Behandlung der Depression empfehlen deshalb keine Medikamente bei leichten Fällen der Depression. Manche deutschen Forscher befürworten jedoch den Einsatz bei »unterschwelligen« Depressionen, also bei Menschen, die weniger als die zur Diagnose einer leichten Depression geforderten vier Symptome67 haben.68

Prozac - Ein Ausflug in die britische Geschichte:69

Mitte der 1980er Jahre brachte die Pharmaindustrie eine neue Klasse der Antidepressiva auf den Markt. Die sogenannten Selektiven Serotonin–Wiederaufnahme–Hemmer (SSRI) lösten die zuvor verschriebenen trizyklischen Antidepressiva ab. SSRI beeinflussen den Hirnstoffwechsel des „Glücksbotenstoffs“ Serotonin, wirken aber auch auf andere Transmittersubstanzen wie Dopamin und Noradrenalin. Ebenso wie die Neuroleptika greifen sie in den Hirnstoffwechsel ein, indem sie den Spiegel des Serotonins steigern.
SSRI kam besonders gegen sogenannte Depressionen und Hyperaktivität zum Einsatz. Die massiven Werbekampagnen der Pharmaindustrie erzeugten in den 1990er Jahren eine regelrechte Begeisterung für die angeblich unproblematischen „happy pills“. Die Ärzte lobten besonders die geringeren Nebenwirkungen als bei den trizyklischen Antidepressiva und waren sehr darüber sind erleichtert, dass mit Prozac kein Freitod möglich ist. Die neue Generation der Antidepressiva soll gleichzeitig mehrere Transmittersubstanzen ansprechen und so depressive und neurotische Symptome noch zielgenauer bekämpfen.
Fluoxetin ist ein gegen Depressionen eingesetzter Arzneistoff (Antidepressivum), der zur Klasse der Selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) gehört. 1975 wurde dem Pharmakonzern Lilly ein Patent für Fluoxetin erteilt. Es war nach Zimelidin der zweite Arzneistoff der Antidepressiva-Generation der SSRI und sorgte in den ersten Jahren nach seiner Markteinführung (USA 1988 unter dem Handelsnamen Prozac / Deutschland 1990 als Fluctin) für große Aufmerksamkeit.
Die Pharmaindustrie schrieb mit den SSRI auch eine beispiellose Erfolgsgeschichte: So steigerte sich zwischen 1997 und 2001 die Zahl der Verschreibungen in Großbritannien von 6,5 Millionen auf 13,3 Millionen. Diese Verkaufszahlen erlauben den Rückschluss auf gewaltige Profite. Schon 1991 gaben die Briten 15 Millionen Pfund für Antidepressiva aus. Acht Jahre später bezahlten sie dafür schon 395 Millionen. Ein Drittel dieser Medikamente sind SSRI, von diesen wiederum fällt die Hälfte auf Prozac. Der Prozac–Hype schlug in den frühen 1990ern am weitesten aus. Ein Bestseller-Ratgeberbuch verkündete gar: „Sie haben sich eine großartige Zeit ausgesucht, um unglücklich zu sein!“ Prozac galt als eierlegende Wollmichsau: Es wirkte gegen Depressionen, gegen Zwangshandlungen, Übergewicht, mangelnde Konzentration, Eß- und Schlafstörungen und ein niedriges Selbstbewusstsein. Es galt als Allheilmittel. Die Hersteller behaupteten außerdem, dass die SSRI keine Entzugserscheinungen auslösen.

Es sind aber nicht nur die suggestiven Werbekampagnen der Pharmaindustrie, die die Briten in die weit geöffneten Arme von Prozac und Seroxat treiben. Rein statistisch betrachtet arbeiten die Briten arbeiten unter den Europäern am längsten.Trotz ersten Anzeichen einer Rezession versuchen viele, an ihrem gewohnten Lebensstandard festzuhalten. Diesen können sie nur durch Mehrarbeit und Verschuldung finanziere. Immer mehr Schüler greifen während ihrer Abschlussprüfungen zu Prozac. Viele Briten können es sich gar nicht mehr vorstellen, ohne Therapie oder Stimmungsaufheller ihren Alltag zu meistern. Die in England stetig wachsende Zahl der Beratungsangebote kommt der Nachfrage längst nicht nach. Graham Archard, der stellvertretender Vorsitzender des Royal College of General Practitioners, einer akademischen Vereinigung der Hausärzte, beschreibt die Problematik, die sich für die Mediziner ergibt:: „Wir stehen da vor einem Dilemma: weil Plätze für Psychotherapien knapp sind, haben wir oft keine andere Wahl, als in leichten bis mittelschweren Fällen Antidepressiva zu verschreiben.“

Beflügelt von den Heilsversprechen der Pharmahersteller, das Leiden an sich aus der ansonsten trostlos bleibenden Welt zu schaffen, verbreiteten sich vereinfachende Vorstellungen über die biologischen Grundlagen seelischer Krankheiten. Eine Art moderner Säftelehre entwickelte sich, die statt dem Ineinander von Körper, Geist und Seele den manipulierbaren Stoffwechsel zum Prinzip erhob. Depressionen sind demnach Folge einer Unterversorgung mit Serotonin. Früher sprach man von einem Persönlichkeitsmerkmal oder der Reaktion auf bestimmte Lebensumstände. Heute gilt es als Krankheit. Aus Schüchternheit wurde eine “Sozialphobie”. Das reicht aus als Indikation für die nachfolgende Medikation.

Die Möglichkeit therapeutischer Interventionen bei Persönlichkeitsstörungen und die prophylaktischen Maßnahmen bei Risikopersonen unter Berücksichtigung ihrer Persönlichkeit sind so gut wie nicht erforscht70. Dabei sollte die Stärkung der protektiven Faktoren doch eine wichtige Rolle spielen.

Die Depressionen gelten zwar als behandelbar, aber in der Regel auch als unheilbar. Nur für einen kleiner Anteil der Patienten bleibt die durchlittene Depression eine einzelne Episode. Viel öfter verlaufen sie aber chronisch.

Den Biologismus71 vertritt man nur noch hinter vorgehaltener Hand. Die Selbsthilfeorganisationen, Politiker und Psychiater in England sind sich einig, dass die Depression mit allen, auch gesprächstherapeutischen, Mitteln bekämpft werden muss. Aber was ist es eigentlich genau, wogegen da gekämpft wird? Der Begriff der Depression hat sich seit den 1980er Jahren stark verändert. Früher das Symptom eines inneren Konflikts scheint die Depression immer mehr als behandlungsbedürftige Hemmung gehandelt zu werden. Dabei nimmt es nicht Wunder, dass die Diagnose Depression seit den 1980er Jahren explosionsartig zugenommen hat. Die britische Gesellschaft forderte da von ihren Mitgliedern Empathie und Offenheit, vor allem aber Flexibilität und Leistungsorientierung ein. Die, die handlungsunfähig, erschöpft und zweifelnd waren, wurden sich selbst zum Problem. Jeder fünfte Brite durchleidet irgendwann in seinem Leben eine klinische Depression 72. Als Symptome einer Depression gelten dabei “Langsam arbeiten, vermehrt Fehler machen, mangelnde Konzentration, nicht zur Arbeit kommen, Streit mit Kollegen” 73. Das britische Gesundheitsministerium schätzt den volkswirtschaftlichen Schaden durch seelische Krankheiten auf über acht Milliarden Pfund. Einberechnet sind nicht nur die Kosten der Behandlung, sondern auch Posten wie “versäumten Arbeitstage” und “Arbeitslosigkeit”.

Prozac spielt heute im britischen Alltag dieselbe Rolle wie das Valium in den 1950er und 1960er Jahren - es avancierte zur Alltagsdroge. Die Konsumenten finden sich in allen gesellschaftlichen Klassen und geographischen Regionen. Arbeitslose Schotten möchten auf ihr Prozac eben so wenig verzichten wie die erfolgreichen Geschäftsfrauen aus London City. Es gibt viele Witze über Prozac, Die Prominenten bekennen sich dazu und die Konsumenten sind ziemlich frei vom Stigma der Geisteskrankheit.
Doch folgt auch diese anfängliche Erfolgsgeschichte einem bekannten Muster in der Geschichte der Psychopharmaka: Auf die anfängliche Euphorie folgt unweigerlich die große Ernüchterung. Es begann mit einer Serie von Skandalen rund um das SSRI Seroxat. Die Pillen werden von der amerikanischen Firma Glaxo–Smith–Kline (GSK) hergestellt, dem Hauptkonkurrenten des Prozac-Herstelles Eli Lilly. GSK versuchte, neue Märkte zu erschließen und den Seroxat–Umsatz, der sich auf einer Milliarde Pfund belief, zu verdoppeln. Dazu sollten gezielt Käufer beworben wurden, die “nicht im klinischen Sinne depressiv sind”, erklärt Professor David Healy 74. Der Konzern spielte dabei die möglichen Langzeitnebenwirkungen herunter. Diese sickerten aber nach und nach durch an die Öffentlichkeit. So konnte eine Verböserung von Depressionen durch und die Abhängigkeit von SSRI nicht ausgeschlossen werden. Viele Kommentatoren und Selbsthilfeorganisationen wie Mind kreideten an, dass Pharmakonzerne überhaupt einen solchen Einfluss auf Forschung und Zulassung ausüben können wie GSK.

Die happy pills
Die"selektiven Serotoninwiederaufnahmehemmer sind zu Modedrogen gegen Schwermut, Traurigsein und Ängste aller Art geworden. Die grünen und weißen Prozac-Kapseln (in Deutschland unter anderem als Fluctin auf dem Markt) erhöhen die Menge des Serotonins an den Nervenendigungen. Zwar gehört zu den Nebenwirkungen unter anderem die sexuelle Unlust und - in seltenen Fällen - offenbar ein erhöhtes Risiko für Gewalt und Suizid. Doch viele Menschen, die SSRI konsumieren, finden, dass die Substanz sie klarer mache im Kopf, sie selbstbewusster und extrovertierter auftreten ließe. Die happy pills waren demnach die Wegbereiter einer "kosmetischen Psychiatrie" 75 Gesunde Menschen, die gar nicht krank waren, schluckten willig Prozac, "um sich besser als gut" zu fühlen.

Es entwickelte sich eine florierende Gesundheitsindustrie des Seelenglücks. Dabei genügt oft schon eine überzeugende Inszenierung, um einer Seuche zum Ausbruch zu verhelfen.76

Die Geschichte des Knock

Kennen Sie Dr. Knock? Noch nicht? Immerhin wurde das von Jules Romain 1923 veröffentlichte Theaterstück 1996 unter der Regie von Dominik Graf neuverfilmt und der Film fuhr dann auch prompt den renommierten Adolf-Grimme-Preis ein. Also ist es wirklich an der Zeit, sich intensiver mit dieser fiktiven Figur auseinanderzusetzen, die geradezu symptomatisch für unsere Zeit

Eine online-Recherche bringt uns erst einmal zum Medizin-Nobelpreis für ein „Knock-out“-Mausmodell oder zu „knock out-Tropfen“, aber nicht auf Anhieb zu dem sprichwörtlichen Dr. Knock, dem Protagonisten eines in Deutschland kaum rezeptierten Theaterstückes von Jules Romains77 „Knock- oder der Triumph der Medizin“
Vgl gleichnamiger Artikel bei Wikipedia (Stand April 2013)78 von 1923 . Darin wird demonstriert , wie gesunde Menschen zu dankbaren und vor allem cash zahlenden Patienten gemacht werden. Das beschriebene Vorgehen ist in unserem heutigen Gesundheitssystem so selbstverständlich und wird so wenig angezweifelt, dass das Stück eher wie ein amüsantes Märchen aus einer fernen Zeit angesehen wird als wie eine bittere Lektion.

Der deutsche Knock

Die Handlung des Films ist auf die Schnelle erzählt: Knock übernimmt eine Praxis im bayerischen Bergdorf Mariengrün. Die Bewohner des Orts sind kerngesund und sehen auch keinen Grund, einen Arzt aufzusuchen. Gemäß seiner Auffassung „Gesunde Menschen sind nur Kranke, die von ihrem wahren Zustand nichts wissen“ sorgt Knock dann mit dubiosen Tricks auf infame Weise für eine gut gehende Praxis. So nutzt er etwa den Umgang der männlichen Bevölkerung mit der Dorfschlampe aus, um den Herren der Schöpfung eine Geschlechtskrankheit anzudichten. Knocks Aktionen tragen schon bald Früchte und schon bald trägt die ganze Dorfbevölkerung ihre „kranken“ Körper zu Knock. Allein eine Tierärztin misstraut ihm und versucht, auf eigene Faust die Vergangenheit des Hochstaplers zu klären. Am Ende verunglückt sie und Knock rettet sie auf heroische Weise, unter großer Anteilnahme des Dorfes, dem er durch die nun florierende Gesundheitsindustrie einen traumhaften Aufschwung verschafft hat: er will nämlich eine große Klinik bauen..... die Medizin triumphiert.

Der echte Knock

Knock geht aber anders! Die deutsche Verfilmung gibt zwar viel Raum für Diskussionen ob der Parallelen zu unserer Zeit, doch hat der Film leider überhaupt nichts zu tun mit dem Ur-Knock und seiner bitteren Ironie am Ende. Merkwürdigerweise ist diese Fehlinterpretation des Kerns des Theaterstücks den Kritikern nicht aufgefallen. Vielleicht lag das ja daran, dass das Früherkennungsdogma79 und das Erfassungsdenken80 der kurativen Medizin81 trotz aller kritischen Stimmen und objektiven Hinterfragungen, wie etwa durch Metaanalysen, inzwischen gänzlich selbstverständlich geworden und verinnerlicht worden ist.
Oder lag es spaßeshalber gefragt, daran, dass die Pharmaindustrie den Film eventuell gesponsert hat, dass der echte Kern der Geschichte in der deutschen Fassung verlorenging? Dort triumphiert nämlich am Ende die „wirkliche“ Medizin:

Das 1923 in der Comédie des Champs-Elysées in Paris uraufgeführte Original von „Knock- oder der Triumph der Medizin“ erzählt nämlich eine ganz andere Geschichte als der Film von Graf:
Ein in einer französischen Kleinstadt ordinierender Arzt, Dr. Parpalaid verkauft seine Praxis an einen jüngeren Kollegen, eben jenen Dr. Knock. Dr. Knock muss von seinem Vorgänger erfahren, dass hierzulande kein rechtes Auskommen ist: die Bevölkerung fühlt sich gesund, bewältigt Krankheiten, Seuchen, Geburt und Tod ohne Arzt, Dauerpatienten,„Chroniker“, sind hier unbekannt. Nach Angaben von Knocks Vorgänger soll auch niemand krank werden, und wenn er krank wird, so kuriert er sich daheim mit Lindenblütentee. Die Rechnungen für gelegentliche Konsultationen werden nur einmal jährlich bezahlt und der Zahltermin ist soeben verstrichen. Knock fühlt sich natürlich übers Ohr gehauen und versucht nun, mit allen Mitteln, das Beste aus seiner Situation zu machen: Er den Ausrufer des Ortes kommen und ihn die Nachricht verbreiten, dass Knock die Praxis neu eröffnet habe und ab sofort montags kostenlose Sprechzeiten anbiete. Bei einem Besuch des Dorfschullehrers schüchtert Knock diesen ein mit Informationen zu den gesundheitlichen Gefahren durch falsche Lebensweise, Krankheitserreger etc. Der Lehrer wird sofort in ein neues „aufgeklärtes“ Gesundheitskonzept eingebunden. Der darbende Apotheker wird geködert mit den zu erwartenden Umsätzen eines neuen Gesundheitsdenkens, die ein glänzendes Geschäft versprechen. Alles läuft wie geplant und der Erfolg bleibt nicht aus: die kostenlose Sprechstunde quillt rasch über. Die eigentlich geizige, aber dennoch neugierige Bevölkerung lässt sich beeindrucken und zu kostspieligen Behandlungen überreden. Die ganze Stadt ist in Bälde chronisch krank und das örtliche Hotel wird zu einem Ausweichkrankenhaus, in dem die aus allen Ecken und Enden herbeiströmenden Patienten stationär behandelt werden. Nach einem Vierteljahr kommt der zwischenzeitlich verreiste Parpalaid zurück und stellt erstaunt fest, wie sich das Gesundheitsbewusstsein der Bevölkerung geändert hat - er hat zu seiner Zeit eine brachliegende Goldgrube aufgegeben. Die Ankunft des alten Arztes wird von der Bevölkerung mit Angst und Schrecken gesehen, weil keiner ein Interesse daran hat, ihn und die alten gesunden Zeiten zurückzuwünschen: die moderne Medizin hat nämlich triumphierend ihren Einzug gehalten! Der Dreiakter endet so, dass Knock seinen Vorgänger schließlich auch davon überzeugt, dass er krank sei, ins Bett gehöre und behandelt werden müsse....

Im Mittelpunkt der Komödie steht also ein ehrgeiziger Mediziner, der - weniger als Fachmann denn als geschickter Menschenkenner - sich auf dem Land niederlässt, eine robuste und durch und durch gesunde Bevölkerung in Dauerpatienten verwandelt und so den Segnungen moderner Medizin allgemeine Geltung verschafft. Der große Diagnostiker und Heiler Dr. Knock führt in diesem französischen Lustspiel aus dem Jahr 1923 vor, wie ein unbekannter, aber geschäftstüchtiger Arzt sich zum Großverdiener und Guru entwickelt.

Mit Wortgefechten, Überredungsmanövern und "Seelenmassagen" parodiert das Theaterstück die Praktiken eines Berufsstands der, umgeben von der Aura einer oftmals angemaßten und hohlen Würde, seit Molière immer wieder die Satiriker unter den Komödienschreibern herausforderte. Knock demonstriert in ironischer Zuspitzung die erfolgreiche Anwendung suggestivpsychologischen Methoden moderner Werbung nicht zuletzt kombiniert mit der Beeinflussung der Patienten durch einen pseudowissenschaftlichen, geheimnisvoll-beschwörenden Fachjargon. Das derart erzeugte Gefühl des Krankseins gibt dem Leben der "Kunden" erst einen Sinn - durch die sorgfältige Beschäftigung mit den eingebildeten Leiden.

Die Methode entwickelt Knock schließlich so weit, dass die ganze Ortschaft ohne seine Pillen, Wässerchen und Salben nicht mehr auskommen zu können glaubt. Die Leute überrennen die Arztpraxis und sogar der alte Dorfarzt verfällt den geschickten Verführungskünsten seines Nachfolgers, dessen Doktortitel und medizinische Kenntnisse sehr im Dunkeln liegen.

Wie die Medizin funktioniert
«Knock« ordnet sich ein in einer französischen literarischen Tradition von Ärztesatiren, die bereits im Mittelalter mit dem Versgedicht Le Vilain Mire82 einsetzt und sich über den „Arzt wider willen“83 und Molières „Eingebildeten Kranken“ 84 fortsetzt. Thematisiert wird dabei vor allem die den Laien beeindruckende Sprache der Ärzte, ihre Pedanterie, aber vor allem auch ihr Unwissen und Unvermögen.
Aber der Knock beinhaltet mehr, er ist ein Modell, wie Medizin funktionieren kann und funktioniert. In Frankreich ist Dr. Knock in Medizinerkreisen ganz selbstverständlich präsent und wird oft zitiert. Der Schauspieler Louis Jouvet, der in zwei erfolgreichen Verfilmungen die Hauptrolle des Knock innehatte, wird wohl auf ewig mit dieser Rolle identifiziert bleiben. Eine deutsche Fassung dieser Verfilmung, zuletzt von 1951, ist leider nicht im Handel zu finden. Folglich ist auch die Rezeption in Deutschland seitens der Ärzte recht spärlich.
Der Kern des Knock
Der Kritikpunkt des Stückes kann gar nicht mehr verstanden werden, weil das Modell „Knock“ längst Alltag geworden ist. Zuerst wird der Patient weitgehend kostenfrei in die Praxis gelockt, zum Beispiel durch das Angebot von Vorsorgen, damit ist der „niedrigschwellige“ Eingang in eine lebenslange Patientenkarriere schon vorgegeben, Heute wird sie ja zum Teil sogar vorgeschrieben durch die verpflichtenden Vorsorgeuntersuchungen bei Kindern. Zudem hat der Einzelne, der um den hohen Krankenversicherungsbeitrag im Pflichtversicherungssystem ja nicht herum kommt, selbstverständlich ein gesundes Interesse daran, für sein Geld auch Gegenleistungen zu erhalten: Die Unkosten müssen ja irgendwie wieder „eingespielt“ werden. Nach Durchlauf durch die entsprechenden Untersuchungen, ergeben sich stets auch Möglichkeiten einer intensiveren Weiterbehandlung: - im Rahmen einer regelmäßigen, möglichst quartalsmäßigen Kontrolluntersuchung oder als „individuelle Gesundheitsleistung“, oder im „kollegialen“ Verschiebebahnhof einer gegenseitigen Hin- und Herüberweiserei. Das alte Bonmot „Ein gesunder Patient ist nur noch nicht genau genug untersucht“ – schildert trefflichst diesen Sachverhalt.
Das große Heilungshindernis unseres Gesundheitssystems

Gesundheit an sich ist rein formal in deutschen Landen unzulässig, weil ein Patient, auch wenn er ohne Beschwerden den Arzt zu einer Vorsorge aufsucht, immer eine Abrechnungsdiagnose85 erhalten muss, und zwar eine „kurative“ Diagnose, also einen Krankheitsnamen, weil ohne „kurative“ Diagnose keine weiteren „Leistungen“, nicht einmal die Ordinationsziffer86, abrechenbar sind. Werden also verschiedene Ärzte aus verschiedenn Fachgebieten aufgesucht, dann wird aus jedem der Fachgebiete eine „kurative“ Diagnose erstellt. Die Diagnose allein reicht bei weitem nicht aus. Eine Dauerdiagnose muss her, die nicht nur den Ansatz einer „Chronikerziffer“ und damit ein erweitertes Budget rechtfertigt, sondern auch noch der Einschleusung in ein oder mehrere DMP’s:87. Es geht also nicht um die Behandlung kranker Menschen, sondern um die Verwaltung von Krankheiten. Zentral ist das Geld - es geht um große Mengen und vor allem extrabudgetäre Gelder. Denn je mehr Chroniker eine Kasse für sich nachweisen kann, umso mehr Geld erhält sie aus dem Risikostrukturausgleich. Deshalb schwärmen Krankenkassenvertreter in die Praxen aus, um gemeinsam mit dem Praxisteam zu überlegen, ob nicht doch ein bislang unbenannter „Chroniker“ in der Patientenkartei übernommen werden kann. Alle verdienen ggleichermassen daran: der Patient, der Arzt, die Kassen. Die Krankenkassen schreiben aus diesem Grunde die oft ahnungslosen Patienten mit den entsprechenden abgerechneten Diagnosen an, um den Patienten zu fragen, ob er nicht an den Segnungen des DMP-Programmes teilhaben möchte. Falls der Hausarzt dies ablehnt, empfehlen sie dann auch gleich einen einschreibewilligen Kollegen

Knock und IGeL

Praxisbezug ergibt sich auch aus der Tatsache dass der „kostenlose“ Zugang zum Gesundheitssystem seit der „Freigabe“ individueller Gesundheitsleistungen zum wilden Ausufern des Knockismus, führte. Man bedenke nur die Anamneseerhebungen Neugeborener und was hier, häufig gegen Bares, an unsinnigen oder in ihrer Tragweite gar nicht zu ermessenden Untersuchungen angeboten und genutzt werden. Es ist schon erstaunlich, dass es tatsächlich noch Mütter gibt, die die Zeit der Schwangerschaft einigermaßen gesund und in der Beziehung zu ihrem Kind ungestört überlebt haben. 85 Jahren lang feiert der progrediente Verlauf schon seinen Fortbestand und es wäre in der Tat an der Zeit, sich auf ein „Gesund sein wollen und dürfen“ zurückzubesinnen. Gesundheit ist schließlich kein Selbstzweck, sondern die unverzichtbare Grundlage zur Verwirklichung der höheren Ziele unseres Daseins. Das Gesundheitssystem wäre gut beraten, sich nicht nur mit den „multi-usern“, die es missbrauchen, sondern „nonusern“ (das ist etwa jeder Zehnte) und deren Gesundheitszustand zu beschäftigen. In der Kinderheilkunde darf es die Nichtnutzer, die Verweigerer, in Deutschland schon nicht mehr geben, denn das von allen Fraktionen gleichermaßen gewollte Kinderschutzgesetz verlangt eine hundertprozentige Teilnahme an den Vorsorgeuntersuchungen. Die möglichen Sanktionen schließen einen Sorgerechtsentzug mit ein, da die Nichtteilnahme einer Kindeswohlgefährdung gleich gesetzt wird. Seitdem ist unsere Gesellschaft endgültig durchmedikalisiert oder – geknockt.

Jean-Martin Charcot und die Hysterie

Das erfolgreiche Prinzip demonstrierte schon der französische Neurologe Jean-Martin Charcot (1825 bis 1893). Er betrieb die Medizin wie eine Art von Hypnotiseur auf seiner Bühne, dem Pariser Krankenhaus Salpêtrière: Ganz offensichtlichhatte er die Eigenart an sich, Frauen nach Belieben in hysterische Anfälle zu treiben, bis sie ohnmächtig zusammensanken. Ärzte aus ganz Europa besuchten seine Vorführungen. Die reisserische Presse tat das Übrige und schon breitete sich die Hysterie wie ein Virus unter Europas Frauen aus. Charcots Ableben bereitete dann dem Spuk ein Ende. Die Hysterie hat jedoch bis heute überlebt (als "Konversionsstörung"), doch gibt es kaum mehr entsprechende Diagnosen.

George Beard und die Neurasthenie
1869 publizierte der Elektrotherapeut George Beard aus New York in einer führenden Wochenschrift die Abhandlung über die "Neurasthenie oder nervöse Erschöpfung". In der mangelnden Nervenkraft machte er das typische Merkmal des Leidens aus "Nach meiner Ansicht wird das Zentralnervensystem entphosphort, oder es büßt möglicherweise etwas von seinen festen Bestandteilen ein." In Folge ergeben sich dann Müdigkeit, Verstopfung, unruhiger Schlaf und rheumatische Schmerzen. Die neu erfundene Krankheit zeigte sich dann auch äußerst ansteckend. Von den USA breitete sie sich rasch aus nach Europa und avancierte dort um 1900 zur neuen Modekrankheit.
Der Burnout

Im Burnout hat die Neurasthenie nun einen Nachfolger gefunden, der perfekt in die heutige Zeit mit ihren Umbrüchen in der Arbeitswelt passt. "Ständige Erreichbarkeit über E-Mail oder Handy auch außerhalb der Dienstzeit oder im Urlaub führt zur ,Entgrenzung' der Arbeit", formuliert es Jürgen Hölzinger von der Ärztekammer Berlin "Konkurrenz, Leistungsdruck und drohender Arbeitsplatzverlust sorgen für eine neue Art von Selbstausbeutung." Eine solche Propaganda formte im deutschsprachigen Raum die Meinung, der Burnout sei eine eigene Krankheit, eine Erkrankung der Leistungsträger; jener also, die sich für ihre Firma aufopfern. Werner Kissling, ein Münchner Psychiater wiederum therapierte schon Hunderte von Managern und Führungskräften, die sich erschöpft fühlten. Keiner der Patienten spricht dabei von einer Depression; aber den Burnout tragen die meisten wie ein stolzes Abzeichen vor sich her.88

Dies alles schadet jedoch mehr als es hilft. Die Depression bleibt nämlich in ihrem Stigma gefangen. Und dies, weil eine Depression nicht mehr Depression genannt wird, sondern im Volksmund als Burnout kursiert. 80 Prozent der Menschen, die sich als Opfer eines Burnouts sehen und einen erfahrenen Hausarzt oder Psychotherapeuten aufsuchen, bekommen auch wirklich die Diagnose "Depression" gestellt.89

Wirksamkeit von SSRI

Die bislang größte randomisierte klinische Studie zum Einsatz von SSRI bei Demenzpatienten, veröffentlicht in der medizinischen Fachzeitschrift Lancet ((2011; doi: 10.1016/S0140- 6736(11)60830-1)), ermittelte, dass Sertralin und Mirtazapin, die beiden am häufigsten angewendeten Mittel, nicht besser wirken als Placebo. Die Studie90 schließt jedoch nicht aus, dass andere SSRI wirksam wären, der Beleg steht jedoch aus. Psychosoziale Interventionen wurden dringend empfohlen.91

Nebenwirkungen von SSRI
auf die Spermien

Anbieter von Serotonin-Wiederaufnahme-Inhibitoren (SSRI) müssen künftig in den Beipackzetteln ihrer Medikamente auf reversible Beeinträchtigungen der Spermienqualität hinweisen. Betroffen sind Medikamente mit den Wirkstoffen Citalopram, Escitalopram, Fluoxetin, Fluvoxamin, Paroxetin und Sertralin 92

auf das Herz

Nach der amerikanischen FDA hat auch das deutsche Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) vor gesundheitlichen Risiken durch die Antidepressiva Citalopram bzw. Escitalopram wegen kardialen Risiken gewarnt.93 Es besteht nämlich die Gefahr einer Torsade de pointes (TdP94 und diese kann sich zu einem lebensbedrohlichen Kammerflimmern 95entwickeln.

SSRI und die Neuroleptika-Debatte

In der Nervenmedizin tobt schon seit Jahren ein erbitterter und auch kontroverser Diskurs genannt die Neuroleptika-Debatte über die SSRI - eine Medikamentengruppe der Antidepressiva, die modern, ausgesprochen umsatzstark und vermutlich nahezu wirkungslos ist. Die Wirkstoffe der sogenannten selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI, Selective Serotonin Reuptake Inhibitor) sollen dafür sorgen, dass der Botenstoff Serotonin im Gehirn möglichst lange seine Wirkung entfaltet - und damit die Depression lindert.

Genauso sprunghaft wie die Verkaufszahlen wachsen auch die Zweifel daran, dass die Pillen tatsächlich irgendetwas herbeiführen - außer Nebenwirkungen. Man ist sich nicht einmal ganz sicher, ob der Botenstoff Serotonin überhaupt verantwortlich ist für die Entstehung von Depressionen 96. Manche Depressiven haben sogar einen höheren Serotonin-Spiegel als Gesunde. Was ein normaler Wert ist, ist unbekannt. Und dann dauert es in der Regel mehrere Wochen, bis die SSRI bei Patienten Wirkung zeigen, obwohl die Wiederaufnahme-Hemmung schon nach den ersten Tabletten einsetzt.

Trotz aller Einwände verordnen die Ärzte - und vor allem die amerikanischen Mediziner - weiterhin fleißig diese Medikamente.
Schon im Januar 2008 ergab die Analyse97 der Daten von mehr als 12.000 Patienten, dass SSRI kaum wirksamer als Scheinmedikamente sind. Der britische Wissenschaftler Irving Kirsch von der Universität in Hull publizierte im selben Jahr die Ergebnisse seiner Meta-Analyse 98 über 47 Zulassungsstudien für verschiedene SSRI. Unter anderem verwendete er dabei auch bislang unveröffentlichte Papiere aus den Archiven der amerikanischen Arzneimittelbehörde FDA. Die Analyse ergab, dass bei leichten Depressionen alle untersuchten SSRI in der Wirkung eines Scheinmedikaments nicht überstiegen. Und selbst in schweren Fällen von Depression ergab sich nur ein sehr schwacher Effekt, der weitaus geringer ausfiel als allgemein angenommen wurde.

Eli Lilly, GlaxoSmithKline, Wyeth und Pfizer sind weltweit die größten Hersteller von SSRI's. 2004 standen sie schon am Pranger, weil Daten zum Vorschein kamen, die keine messbare Wirksamkeit belegten, dafür aber einen Zusammenhang zwischen dem modernen, angeblich nebenwirkungsarmen Paxil-Wirkstoff Paroxetin und einem erhöhten Selbstmordrisiko bei Kindern und Jugendlichen. Es handelte sich also mehr oder weniger um lebensgefährliche Placebos. Die Hersteller erhielten daraufhin lediglich eine Rüge und wurden verpflichtet, Warnhinweise auf den Medikamentenpackungen anzubringen. Es kam zu keinem Umsatzeinbruch für die Wirkstoffgruppe, da die Warnungen zwar zu mehr Vorsicht, aber nicht zum Verzicht auf die beliebten Glückspillen geführt haben.

Die Studien bewirkten keine grundsätzlichen Änderungen, weil Antidepressiva ganz offensichtlich ein unbändiges Bedürfnis nach Hilfe stillen. Allein der Wirkstoff Fluoxetin (bekannt als Prozac oder Fluctin) wurde bereits 2008 weltweit von 45 Millionen Menschen eingenommen. Die Nebenwirkungen reichen von Übelkeit über Durchfall bis hin zu sexuellen Funktionsstörungen. Und nicht nur in den Vereinigten Staaten, wo Prozac am häufigsten verordnet wird und fünf Prozent aller Verschreibungen Kinder betreffen, nimmt die Einnahme von Antidepressiva unaufhaltsam zu: Auch in Deutschland erreichte die Zahl verschriebener Tagesdosen laut Arzneimittelreport allein für Fluoxetin schon 2009 die Marke von einer halben Million mit steigender Tendenz.

Dieser Verschreibungspraxis trägt auch der Umstand bei, dass Antidepressiva in Deutschland nicht vom Spezialisten, sondern auch vom Hausarzt verordnet werden können – deren Fachkenntnis wiederum bisweilen nicht dazu ausreicht, eine Depression von einer schwierigen Lebensphase zu unterscheiden. Dazu braucht man das Gespräch, also Zeit. Zeit ist jedoch gleichbedeutend mit Geld in einer Arztpraxis. Und wer als Arzt dem betrogenen Ehemann oder dem vereinsamten Single nicht mehr zuhören kann oder will, der kann immer noch auf die Schnelle ein Rezept ausstellen. Nur ein Drittel aller Verschreibungen von Antidepressiva ging 2009 auf das Konto echter Nervenärzte.
Der US-amerikanische Wissenschaftsjournalist Robert Whitaker formulierte dazu die These: Wenn immer mehr Patienten bereits aufgrund geringfügiger Beschwerden mit Antidepressiva behandelt werden, führt das längerfristig aufgrund biochemischer Veränderungen im Gehirn dazu, dass die Medikamente letztlich depressionsfördernd wirken. Prozac wurde 1987 bei der Markteinführung als Glückspille angepriesen und zur Steigerung der Leistung empfohlen. Dabei erreicht man mit Antidepressiva im besten Falle einen normalen Stimmungszustand. Es ist verheerend, nur mit der biologischen Brille auf depressive Erkrankungen zu blicken. Auch die moderne Leistungsgesellschaft trägt ihr Scherflein bei zu dem Fiasko. Der Mensch wird depressiv, weil er die Illusion ertragen muss, dass immer alles möglich sein soll.

Die Rolle von Stress

Ständiger Stress99 stört immer mehr das empfindliche Gefüge im Menschen. Der Spiegel von Stresshormonen im Körper erhöht sich und die Aktivität bestimmter Gene im Gehirn verändert sich. Deshalb verkümmern Nervenzellen, oder es werden keine neuen gebildet. Der Stoffwechsel in bestimmten Arealen verstirbt und das Gehirn stumpft ab. Dies alles ist eine ganz natürliche Reaktion des Menschen. Die veränderte Plastizität des Gehirns resultiert darin, dass die Nervenzellen nicht mehr richtig miteinander sprechen können. Somit lässt das Gedächtnis lässt nach, die Neugier erlischt und der betroffene Mensch gleitet ab in die Schwermut. Im Kernspin wird es ersichtlich, dass der für das planende Denken zuständige präfrontale Kortex bei Menschen mit Depression geschrumpft ist und gleichzeitig die Nervenzellen kleiner geworden sind. Viele Gliazellen100, aus denen das wichtige Stützgewebe der Nervenzellen besteht, fehlen.

Dann ist da noch der für das Lernen bedeutsame Hippocampus101, der bei Menschen mit Depressionen kleiner ausfällt als bei ihren gesunden Mitmenschen. Normalerweise entstehen in diesem Teil des Gehirns täglich mehrere Tausend neuer Nervenzellen, die der Mensch benötigt, um neue Eindrücke im Gedächtnis abzuspeichern. Die Stresshormone bringen aber beim Depressiven die Produktion neuer Nervenzellen zum Erliegen.

Und das alles drückt sich dann im Verhalten des Erkrankten aus: Beim Lesen vergessen sie zum Beispiel augenblicklich das eben Gelesene. oder ihnen erscheinen selbst einfachste Kreuzworträtsel als unlösbar, was sie wiederum verzweifeln lässt.102

Laut Barmer GEK machen depressive Störungen mit knapp 40 Prozent den Löwenanteil der psychischen Krankheiten aus, Mehr Deutsche als je zuvor lassen sich im Krankenhaus auf Depression behandeln - in zehn Jahren steig die Zahl um 117 Prozent. 103

Die Ursache des dramatischen Anstiegs an Fallzahlen liegt noch im Dunkeln. Wahrscheinlich sind es aber die Früchte der wachsenden Anforderungen im Job. Das wahre Ausmaß von Stress am Arbeitsplatz lässt sich kaum messen und über die Jahre vergleichen, doch weisen die Ergebnisse einer Langzeitstudie der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (Baua) in Dortmund in die Richtung, dass die Einführung von E-Mail und BlackBerry, die ständige Erreichbarkeit sowie die seit Jahren steigende Arbeitsverdichtung den Menschen sehr aufs Gemüt geschlagen haben. Die Leute von der Baua befragen alle fünf Jahre je 20 000 erwerbstätige Bundesbürger zu ihrem Arbeitsplatz und zu ihren gesundheitlichen Beschwerden. Die Arbeitnehmer im Befragungszeitraum 2005/06 fühlten sich wesentlich gestresster als fünf Jahre zuvor. Waren es vorher nur 4,6, die sich im Job "eher überfordert" fühlten, dann waren es 2005 schon 17,4 Prozent. Jeder zweite Befragte gab an, ständig bei der Arbeit ständig gestört und unterbrochen zu werden. Das Multitasking ("verschiedenartige Arbeiten gleichzeitig erledigen") steig von 42 Prozent auf 59 Prozent. Doch wächst nicht nur der Leidensdruck, sondern auch die Bereitschaft, in dieser Sache seinen Arzt ins Vertrauen zu ziehen. Psychiater Mathias Berger, Direktor der Abteilung für Psychiatrie und Psychotherapie des Universitätsklinikums Freiburg, sieht es als Bild eines Eisbergs. Die kleine sichtbare Spitze des Eisbergs machten dabei die diagnostizierte Patienten aus, während der unüberschaubare Rest sich aus unerkannten Patienten mit depressiven Störungen zusammensetzt. Gegenwärtig sinke das Wasser. Es kommt also mehr ans Tageslicht, was auch gut ist.104

Alain Ehrenberg105 hat in seinem Buch "Das erschöpfte Selbst"106 ausführlich beschrieben, wie die neoliberale107 Ideologie, die parallel zum Aufstieg von Prozac und Co. übermächtig geworden ist, die Menschen krank und immer kränker macht. Immer mehr Menschen zerbrechen an der Arbeit und an den psychischen Anforderungen, die man an sie stellt.108

Die Informationsflut

Quantität ist nicht unbedingt ein Zeichen für Qualität. Ganz im Gegenteil.109 . 90 Prozent des weltweiten Datenbestandes mit Stand vom März 2012 kamen allein 20110 und 2011 zusammen. 110. Die Marktforscher schätzen zudem, dass sich alle 18 Monate das globale Datenvolumen verdoppelt111. Konfrontiert mit dem überall kursierenden Datenmüll stoßen die Menschen In der modernen, digitalisierten, Gesellschaft immer häufiger an ihre Grenzen, wenn sie sich von allen Seiten mit Informationen überschütten lassen. Man spricht dabei vom Information overload.

Neben der Menge der anfallenden Informationen nimmt auch die Zahl der Datenquellen zu. Social Networks, Sensoren oder mobile Endgeräte produzieren eine Vielzahl zusätzlicher Daten. Twitter erweitert allein schon den globalen Datenbestand pro Tag um mindestens acht Terabyte an Daten112 - mit steigender Tendenz. Die Unternehmen sind also gezwungen, sich schnell darauf einzustellen, zig-mal mehr Informationen zu verwalten, als sie es heute tun113. Der steigende Datenbestand wiederum erhöht in den Unternehmen auch die Zahl derer, die diese nutzen wollen – oder müssen - und zwar in Echtzeit. Schon heute werden im Durchschnitt zehn Stunden pro Woche allein für die Informationssuche investiert. Dabei wird nach wie vor viel Zeit damit verplempert, das Rad permanent neu zu erfinden. Denn eben die Informationen, die man sucht oder gerade neu verarbeitet, liegen erfahrungsgemäß bereits irgendwo im Unternehmen vor – und zwar in der Form, dass sie direkt verwendet werden könnten.114. 59 Prozent der Arbeitszeit entfallen auf das Suchen nach Informationen. Abhängig von der Branche beziehungsweise dem Entwicklungsprozess kann dieser Wert auch 70 Prozent betragen. In der Regel durchforsten die Suchenden verschiedene Datenquellen und Ablagesysteme: PLM-Systeme, SharePoint und Fileserver, unternehmensspezifische Anwendungen und Ablagespeicher, ERP-Systeme und sogar E-Mail-Systeme und -Archive.115. Die IDC-Analysten gehen davon aus, dass etwa 80 Prozent der in Firmen anfallenden Informationen sogenannte unstrukturierte Daten sind – darunter E-Mails, Dokumente, Präsentationen oder Videos.116

Die Fähigkeit des Gehirns, sich an neue Herausforderungen anzugleichen, ist zwar enorm. Ständig wachsen neue Informationsleitungen zwischen den Nervenzellen des Gehirns und werden nicht benötigte Datenautobahnen wieder abgebaut. So verfestigen sich neue Eindrücke und Informationen und vergessen wir nicht mehr benötigte Informationen. Das Gehirn optimiert im Feuergefecht der Neurotransmitter eine ständig wachsende Flut an neuen Daten.
Doch ist auch die explosionsartige Zunahme der Informationen, die in der modernen digitalen Gesellschaft anfallen, enorm. Emails, SMS, MMS, Pushmails, Multitasking, Suchmaschinen und so weiter fordern eine immer höhere Plastizität des menschlichen Gehirns des Anwenders.
Was passiert jedoch, wenn bildlich gesprochen die Festplatte voll und der Hauptprozessor übertaktet ist? Schließlich ist das Datenvolumen des menschlichen Gehirns begrenzt - man spricht von einer unvorstellbar großen Speicherkapazität von 3 Petabyte 117. 2002 hat die Berkeley-Universität ausgerechnet, dass der globale Datenbestand fünf Exabyte118 belegen würde. Dieser Bestand würde jährlich um 30 Prozent zulegen. Dies zeigt, dass das Gehirn mit einer schier unendlichen Datenmenge konfrontiert wird, auf die es nicht vorbereitet ist. Die Folge ist unweigerlich eine Überlastung durch Informationen119, also ein Information Overload120.121. Der Mensch versucht nun ganz gemäß seinem individuellen Perfektionismus , sich den Herausforderungen dieser neuen Realität zu stellen. Die Medien suggerieren dabei, dass 100 Prozent Leistung sehr wohl erreicht werden können. Aber nicht genug damit - der Mensch soll 120 Prozent erreichen. Und viele versuchen nun zwanghaft, dieser Doktrin zu folgen. Ausruhen und Entspannung - das Leeren des Cache des Gehirns, sind verpönt und tragen den Stempel der Unproduktivität.
Vilfredo Pareto122 proklamierte das sogenannte Paretoprinzip, 123. Diese Regel besagt, dass 80 Prozent der Ergebnisse in 20 Prozent der Gesamtzeit eines Projekts erreicht werden. Die verbleibenden 20 Prozent der Ergebnisse benötigen 80 Prozent der Gesamtzeit und verursachen die meiste Arbeit. Trotzdem sind wir versucht, auch die letzten 20 Prozent der Arbeit zu erreichen aus Angst vor Versagen und dem Ausbleiben von Lob seitens der Kollegen oder der Vorgesetzten. Dazu muss man jedoch die verbleibenden 80 Prozent Leistung investieren, was wiederum Ursache und Wirkung außer Kraft setzt.
Aus Sicht der Neurobiologie ist die Aktivität des neuronalen Systems der Knackpunkt des information overload. Unser Gehirn kann normalerweise über diverse zentralnervöse Anteile wie jedes gängige Computersystem auch einströmende Daten ausfiltern und Prozesse ausbremsen. Es verfügt dazu über erregende124 und hemmendeinhibitorisch Synapsen und zahllose Botenstoffe125, die den Fluss der anbrandenden Datenflut abändern. Über diesen basalen Verbindungen liegt eine Schicht komplexerer Hirnstrukturen, welche durch aufsteigende Nervenbahnen126 mit Impulsen versorgt werden. Der Neocortex127 ist dabei die beherrschende Instanz und gleichzeitig die entwicklungsgeschichtlich jüngste Ebene. Der Neocortex besteht aus verschiedenen Abschnitten und verwaltet die Informationen, die aus untergeordneten Bereichen des Hirns wie etwa dem Thalamus128 kommen. Das Limbische System ist ein Teil des Neocortex und verarbeitet Emotionen und steuert das Triebverhalten. Ihm kommen also sowohl rationale als auch emotionale Funktionen zu. Schon kleine Veränderungen ergeben in diesem hochsensiblen Gesamtsystem komplexe Störungen wie Manie, Ängste und Depression. Gleichzeitig auftretender Stress spielt dabei eine nicht zu unterschätzende Nebenrolle.129
Der Mensch hat die Möglichkeit, sich mittels Abwehr130. Sie werden der bewussten Problembewältigung bzw. Konfliktverarbeitung gegenübergestellt, die als Bewältigungsstrategie (englisch coping) bezeichnet wird. und Coping131 an die neue Wirklichkeit anzupassen. So bedient sich jeder Mensch bewusster wie unbewusster Mittel, um im komplexen Prozess der Bewertung der vielfältigen Daten unter Einbeziehung seiner momentanen Lebenslage (biologisch, psychisch, sozial) einen für ihn akzeptablen Weg zu finden, um die aktuelle Situation zu bewältigen.Der unbewusst vonstatten gehende Abwehrmechanismus kann zum Beispiel in einer Psychotherapie bewusst gemacht und damit reflektiert werden. Die Abwehr132 hat dabei erst einmal nichts pathologisches an sich, da es sich um eine elementare psychische Grundfunktion handelt, um miteinander im Konflikt stehende psychische Tendenzen ( Triebe, Wünsche, Motive und Werte ) derart zu verarbeiten, dass sich eine weniger konfliktträchtige mentale Verfassung bildet. Erst eine rigide, festgefahrene Abwehr, die eine realtätskonforme Auseinandersetzung mit der Umwelt verhindert bedarf der Problematisierung und der professionalen Behandlung. 133

Im Gegensatz zur Abwehr handelt es sich bei den Bewältigungsstrategien134 um bewusst ablaufende Prozesse, die man drei Kategorien zuordnen kann:

  • Handlung: aktive Vermeidung, Solidarisierung, Zuwendung, Zupacken
  • Kognition135: Akzeptieren, Aggravation136, Ablenkung, Humor, Ironie137
  • Emotion: Selbstbedauern, Selbstbeschuldigung, Resignation, Schuldzuweisung

Alle diese drei Kategorien beherbergen nun Strategien, die Siegmund Freud schon unter meist denselben Namen als Abwehrmechanismen verortet hat. Der einzige Unterschied besteht eigentlich nur darin, dass das Coping bewusster vonstatten geht als die Abwehr, wobei die Übergänge fließend gestaltet sind. Gerade bei emotionsgeladenen Maßnahmen kann man die Aufteilung schon nicht mehr verwenden.

Dass eine Überlastung mit Informationen im Laufe der Zeit krank macht, nimmt nicht Wunder. Die Theorie des Stress unterscheidet zwischen einem guten, positiven Stress (Eustress) und einem schlechten, ungünstigen Stress (Distress). Um zu überleben bedarf der Organismus eines grundsätzlich aktiven Stress- bzw. Erregungspotentials. Eustress folgt dem Gefühl von Motivation und Anregung und sorgt für eine gesteigerte Aufmerksamkeit und fördert die maximale Leistungsfähigkeit des Körpers, ohne ihm Schaden zuzufügen.
Stress wird als Distress empfunden, wenn er wiederholt auftritt und kein körperlicher Ausgleich stattfindet. Oder wenn sich ein Mensch überfordert fühlt. Dann interpretiert er die Reize von außen so, dass er keine Möglichkeit mehr sieht, die aktuelle Situation zu bewältigen. Er ist der Situation nicht mehr gewachsen und fühlt deshalb negativen Stress, Distress138.
So wird ein Manager am Tag in der Regel 190 mal gestört, weil neue Informationen seine Aufmerksamkeit erfordern. Der damit verbundene Dystress ist gewaltig. So kommt es, dass viele Manager an Angstzuständen leiden, an innerer Unruhe, an Entscheidungsschwäche und Störungen des Gedächtnisses.
Dieser Stress durch Informationen wirkt sich zunehmend negativ aus auf unser Leben und natürlich auch auf das berufliche Umfeld, in dem wir leben. Bewältigungsstrategien wiederum können dabei helfen, dem Distress Einhalt zu gebieten und wieder zu seinem inneren Gleichgewicht zu finden.139
Lynn Akin erweiterte das Modell und zeigte auf, dass der information overload nicht nur im Berufsleben, sondern schon in der frühen Adoleszenz thematisiert werden kann. 140. Die Informationsvielfalt in der Schule belastet also auch die Kinder enorm, so dass die Elern und die Pädagogen in der Verantwortung stehen, den Kindern neue Strategien im Umgang mit Informationen beizubringen. Dabei kommt es darauf an, zwischen wichtigen und unwichtigen Informationen zu unterscheiden, zu lernen, sich abzugrenzen, zu erkennen, dass twitter, facebook und schüler-VZ & Co alles andere als lebensnotwendig sind.
Zwar suggerieren die Medien, es sei der neue Mainstream, ständig zu kommunizieren und andere am eigenen Leben teilhaben zu lassen. Nichts geht mehr verloren, kein tweet141 und kein click142 wird umsonst gesendet. Jede auch noch so kleine Neuigkeit teilt uns facebook zeitgleich mit. So erstaunt es eigentlich nicht, dass wir inzwischen auf Schritt und Tritt Zeitgenossen begegnen, die der festen Überzeugung sind, dass sie in jeder erdenklichen Situation via Mobiltelefon texten, Emails abrufen, twittern oder telefonieren müssen.
Zunächst einmal ist es recht verführerisch, mitzuschwimmen und sich dem Sog hinzugeben, doch fällt es mit der Zeit zunehmend schwerer, die erhaltenen Informationen als wichtig oder unbedeutsam einzuordnen. Die betroffenen Menschen bilden sich zwar ein, dass sie durch die neue multimediale Kommunikation mit jeder sich ergebenden Situation fertig werden und ihren Gesprächspartnern ebenbürtig gegenübertreten können. Doch trügt dieser anfängliche Schein sehr, da uns immer mehr klar wird, dass das Gehirn inzwischen an seinen Grenzen der Belastbarkeit angelangt ist.143

Paradoxerweise stand den Menschen nie eine so große Fülle an Daten und Informationen zur Verfügung als heute und gleichzeitig fiel es nie so schwer, die richtige, gesuchte, relevante Information ausfindig zu machen. Eine kalifornische Studie ermittelte, dass jeder Amerikaner einem durchschnittlichen Bombardement von 34 Gigabyte Daten am Tag ausgesetzt ist. Es ergeben sich fast schon unweigerlich Verzögerungen, Stress, Depression und physische Erkrankungen, wie die Studien der letzten 40 Jahre aufdeckten. Zuviel Stress ist also genauso schädlich wie ein Zuwenig. 144
Intel errechnete jährliche Verluste in Höhe von 1 Mrd US-Dollar, durch reduzierte Effizienz wegen des Information Overloads.145

Beim Information-Overload wird das menschliche Gehirn immer mehr mit Datenmüll überfrachtet, was in Distress ausartet. Kennzeichnend sind dafür Attribute wie gestresst, überwältigt, selbstzweifelnd, unsicher, verletzlich und ängstlich. Je nach individueller Empfänglichkeit für Stress und der individuellen Ausstattung mit Abwehrmechanismen und Coping-Strategien können dabei psychische Filterfunktionen versagen. Dabei werden diese Prozesse auf der emotionalen Ebene durch die persönlichen Erfahrungen, wie mit der Situation zu verfahren ist, noch verstärkt. Die kognitive Ebene wird behindert durch Konzentrationsstörungen, Vergesslichkeit und Wortfindungsstörungen. Psychovegetativ vermerken wir einen gestörten Schlaf, den Verlust der Libido und Appetitlosigkeit. Der Mensch läuft Gefahr, in eine Depression zu verfallen und / oder Ängste aus dem Formenkreis der affektiven und Belastungsstörungen zu entwickeln. Der Burnout146 147 (Depression) stellt sich ein. 148

Eine Strategie, um der Informationsflut Herr zu werden, ist auf den ersten Blick das Multitasking149. Dieser Begriff aus der Computerwelt bezeichnet die Fähigkeit, eines Betriebssystems, anscheinend mehrere Aufgaben (Tasks) gleichzeitig (parallel) abzuarbeiten. Personen, die verschiedene Informationen oder Medien gleichzeitig bearbeiten, bezeichnen wir landläufig als Multitasker. Die Wissenschaft wies inzwischen nach, dass sich diese Strategie kontraproduktiv auswirkt. Die untersuchten Multitasker ließen sich nämlich durch störende Reize zusätzlich ablenken. In Folge benötigten sie mehr Zeit für die zu erledigenden Aufgaben als die Vergleichspersonen, die nicht mehrere Medien gleichzeitig konsumierten. In einer Versuchsreihe ohne Ablenkung und Störung lösten die beiden Gruppen ihre Aufgaben in der gleichen Zeit. Britische Hirnforscher vermuten inzwischen, dass sich Multitasking beim Menschen schleichend negative Auswirkungen auf das kognitive Denken hat.150. So wiesen sie einen sinkenden Intelligenzquotienten nach bei Arbeitnehmern, die ständig durch Mails und Telefonate von ihrer Aufgabenstellung abgelenkt werden. Clifford Nass von der Stanford University geht davon aus, dass sich Multitasker schwer damit tun, ihren Kopf wieder frei zu kriegen. Denn sie denken permanent darüber nach, was sie eben getan haben und was noch zu tun ist und verschlechtern damit ihre Denkleistungen. 151. Es ist sehr zweifelhaft, dass die Neuronen im menschlichen Gehirn multitaskingfähig sind. Eine neurophysiologische Entsprechung wäre dann gegeben, wenn mehrere Prozesse gleichzeitig und störungsfrei abliefen. Der entsprechende wissenschaftliche Nachweis konnte jedoch nicht erbracht werden. Somit fällt das Multitasking als erfolgreiche Bewältigungsstrategie des information overload unter den Tisch.
Information overload, information fatigue152 oder burn-out - alle drei Störungsbilder überschneiden sich, da die kausalen Zusammenhänge und die Folgen deckungsgleich sind. Allesamt werden sie in der Regel zu spät erkannt und behandelt. Aus arbeitsmedizinischer Sicht kann nur eine gezielte Prävention weiterhelfen. Es geht darum, Strategien zu finden und zu vermitteln, wie wir im (Arbeits-)Alltag lernen, zu fokussieren und zu entscheiden, welches Medium für die aktuell zu bearbeitende Aufgabe relevant ist Hilfreich sind hierbei das Eisenhower-Prinzip153 und die TRAF-Matrix154. Von herausragender Bedeutung sind aber klare Aufgabenstellungen und Fragestellungen. Diese helfen dem menschlichen Gehirn dabei, die richtigen Antworten zu finden. Das Gehirn kann wie eine Suchmaschine arbeiten, wenn es nur mit den richtigen Parametern versorgt wird. Nach einer klar definierten und angeforderten Frage findet unser Gehirn dann auch die richtige Antwort in der gigantischen Datenfülle, die uns umgibt. 155 156.

Die modernen Maschinengewehre hinter dem Firmentor
Es geht in erster Linie darum, die Menschen mit psychischen Problemlagen mit Medikamenten wieder arbeitsfähig zu machen. Der Patient soll wenigstens wieder schlafen und zur Ruhe kommen, damit er am nächsten Tag Leistung bringen kann. Freud nannte die Militärpsychiatter vom ersten Weltkrieg die „Maschinengewehre hinter der Front“157 Es ging um Disziplinierung und nicht um Heilung der Traumaisierten, die so schnell wie nur möglich wieder an die Front sollten, um nicht zuletzt die behandelnden Militärpsychiater gegen den Feind zu verteidigen. Die heutige Entwicklung zeigt große Ähnlichkeiten.

Wege aus der Depression

Zwischen Markt und Vernunft

Das Angebot der Pharmaindustrie klingt verlockend einfach: Die Pille soll es richten. Dafür wurden spezielle Psychopharmaka entwickelt: Antidepressiva. Sie sollen das Gehirn chemisch „reparieren“ und von Schwermut befreien. Dahinter steckt der alte und tief verwurzelte Glaube an das mechanische Bild der Welt und des Menschen. Als ob es Sigmund Freud nie gegeben hätte. Vielmehr aber als um Überzeugungen geht es hier um das Geschäft. Die Zukunft für die Pharmaindustrie sieht rosig aus. Die psychischen Krankheiten und darunter die Depressionen nehmen zu, wie das Interesse der Pharmaindustrie an diesen Krankheiten.
Der therapeutische Weg stellt einen ganz anderen alternativen Ansatz vor und bedarf viel mehr Aufmerksamkeit für den Menschen. Es ist wirklich die Frage, ob dies nun altmodisch sei oder im Gegenteil die Zukunftsmelodie?158

Alternative Wege

Wie lässt sich jedoch ein depressiver Mensch aus seinem psychischen Winterschlaf aufwecken? Antidepressiva sind dabei in der Tat brauchbar. Sie scheinen die Plastizität des Gehirns zu stärken und kurbeln offensichtlich das Wachstum neuer Nervenzellen an. Sie wirken nämlich erst nach drei bis sechs Wochen ein - das ist genau die Zeitspanne, in der im Hippocampus neue Nervenzellen heranwachsen. Doch bedarf es nicht immer pharmakologische Hilfe, um die Neurogenese (die Produktion neuer Nervenzellen) anzuschubsen. Selbst körperliche Bewegung kann da ausreichen. 159. Eine regelmäßige körperliche Ertüchtigung - mindestens dreimal wöchentlich je eine halbe Stunde - wirkt ebenso gut gegen eine mittelschwere Depression wie die auf dem Markt befindlichen Medikamente.160

Auch Meditation und kognitive Aktivität wirken wohltuend auf das Gehirn, weil sie dessen Plastizität stärken. Dieser Effekt diene auch der Vorbeugung 161162

Die Wiedereinführung von EKT

Doch gibt es auch Patienten, die weder auf Bewegung, Meditiation, Musiktherapie noch auf Pillen ansprechen wollen. Die Wissenschaft sieht darin wiederum eine Bresche, um die umstrittenen Elektrokrampftherapie (EKT) für schwer depressive Menschen einzuführen und hauchdünne Elektroden ins Gehirn der Patienten einzupflanzen. Die Nadeln sollen dann ähnlich einem Herzschrittmacher elektrische Impulse in bestimmte Regionen des Denkorgans senden. Die Hirnstimulation hat Thomas Schläpfer vom Universitätsklinikum Bonn an 13 Menschen mit behandlungsresistenter Depression ausprobiert. Die Hälfte der Patienten sprach auf die neue Technik an, einer von ihnen nahm sich das Leben. 163

CBASP

Fast jeder Dritte an einer Depession Erkrankte leidet an einer chronischen Depression164165 Meistens haben wir es mit einem frühen Beginn zu tun, der vor dem 21. Lebensjahr stattfindet. "Etwa die Hälfte aller chronisch verlaufenden Depressionen wird unzureichend oder gar nicht behandelt, nur etwa 50% der Betroffenen sind therapieresistent."166

Nicht nur die Chemie, Bewegung und Strom, sondern auch Psychotherapien hinterlassen für später ihre Spuren in den grauen Zellen. Menschen, die an Depressionen leiden, können die Formbarkeit des Hirns, unter Anleitung eines guten Therapeuten, ausnützen. Durch das gezielte Einüben von bestimmten Gedankengängen stimulieren sie bestimmte Hirnregionen und normalisieren auf diese Weise das gestörte Netzwerk167168. Dabei kommt eine neue Form der Psychotherapie169 zum Einsatz. mit dem Ziel, den Patienten die Folgen ihres eigenen Verhaltens vor Augen zu führen und sie sollten es lernen, sich besser in andere Menschen hineinzuversetzen.

Viele Patienten sprachen gut auf die Therapie an - und die Gehirnscans bestätigten es. Es kam zu spezifischen Änderungen in den untersuchten Gehirnen.170
Studien wie diese tragen dazu bei, dass die sich zumeist unversöhnlich gegenüberstehenden Ärzte und Psychologen einander vorsichtig annähern. Die Gesprächstherapeuten auf der einen Seite und die pharmakologisch ausgerichteten Nervenärzte auf der anderen Seite erkennen endlich, dass Pillen und Gespräche auf das gleiche System im Gehirn wirken. Beide Herangehensweisen wirken und zwar am Besten zusammen.171

Für 1,2 Millionen172 Deutsche ist das Leben mit ihrer chronischen Depression (Dysthymie), die zumeist schon in frühester Kindheit begann. nur noch eine unendliche Qual, da selbst die Medikamente kaum eine Hilfe sind. 2011 schlug man dann eine neue Methode vor, in der die Mitmenschen selbst eine entscheidende Rolle spielen.173

Zwar zeichnen die Medien ein anderes Bild, doch treten die Depressionen keineswegs nur in vorübergehenden Phasen auf. An episodenhaften Depressionen leiden zwischen 15 bis 25 Prozent aller Menschen; doch kann eine Depression schon in der Kindheit oder Jugend beginnen und Jahrzehnte oder sogar ein ganzes Leben lang anhalten. Etwa 2,5 Prozent der Amerikaner leiden an einer solchen chronischen Depression 174 Für solche Patienten kommt das Cognitive Behavioral Analysis System of Psychotherapy (CBASP175176) in Frage, eine spezielle Form der Therapie. Der Psychologe James McCullough von der Virginia Commonwealth University in Richmond entwickelte das Verfahren schon Mitte der 1970er, doch liegt erst seit 2000 ein praktischer Leitfaden für Psychotherapeuten177178 vor. Dabei griff man die Theorie179 des Schweizer Psychologen Jean Piaget (1896 - 1980) auf, der die Entwicklung kognitiver Fähigkeiten in vier aufeinanderfolgende Phasen180 einteilt. James McCullough ging davon aus, dass Patienten mit chronischer Depression zumeist in einem frühen Stadium der kognitiv-sozialen und interpersonalen Entwicklung steckengeblieben sind - und zwar in der sogenannten präoperatorischen Phase181, die Piaget zufolge das zweite bis siebte Lebensjahr umfasst. Die Kinder denken noch selbstzentriert, können sich also gedanklich wie emotional noch nicht vollständig in einen anderen Menschen hineinversetzen. Sie sind nicht dazu fähig, die Wirkung ihres eigenen Verhaltens auf andere Menschen richtig einzuschätzen. Damit verstärkt sich bei ihnen der Eindruck, andere nicht beeinflussen zu können und in Folge der umgebenden Umwelt hilflos ausgeliefert zu sein. Erfahrungen emotionaler Vernachlässigung, Misshandlung oder auch sexuellen Missbrauchs können diese Entwicklungsstörung auslösen: Einige der Betroffenen sind in der Kindheit körperlichen oder sexuellen Übergriffen ausgesetzt gewesen, und den meisten fehlten Zuwendung und verlässliche Bezugspersonen. Zwei Drittel182 der chronisch depressiven Patienten haben als Kind traumatisierende zwischenmenschliche Erfahrungen erlebt. 183

Die Forschung hat herausgefunden, dass eine "erlernte Hilflosigkeit" gibt: Wer Demütigungen oder Verletzungen erlitten hat, ergibt sich dann später schneller seinem Schicksal. Das zugrunde liegende Motto lautet: „egal, was ich tue, es führt zu nichts und ist nie gut genug“184. Die Arbeitshypothese, die sich bestätigte, war nun, dass chronisch Depressive gar nicht wahrnehmen, dass sie ihr Gegenüber beeinflussen können. Es fiel ihnen schwerer, aus den mimischen Reaktionen ihres Gegenübers auf die Vertrauenswürdigkeit zu schließen. Sie nahmen die Kontingenzen (die Art, wie Reize und Reaktionen zusammenhängen) nicht so gut wahr wie gesunde Menschen. Deshalb sind sie auch nicht dazu in der Lage, wie Gesunde zwischen Personen, auf die sie einen Einfluss hatten, und solchen, die unbeeinflussbar waren, zu unterscheiden.
CBASP trainiert nun ganz gezielt die Aufmerksamkeit für zwischenmenschliches Geschehen und will damit den Patienten dabei helfen, ihren tatsächlichen Einfluss auf die Umwelt besser wahrzunehmen und authentische Empathie zu entwickeln. Die klassischen kognitiven Verhaltenstherapie hat traditionellerweise das Ziel, das Erleben außerhalb der therapeutischen Beziehung zu verändern, etwa die Konflikte bei der Arbeit oderdie Erinnerungen an ein traumatisierendes Ereignis. Im Gegensatz dazu ist bei CBASP der Therapeut selbst als Mensch mit eigenen Gedanken und Gefühlen in die Therapie eingebunden. Denn der Patient überträgt seine frühen Lernerfahrungen in der Regel auf viele Menschen, also oft auch auf den Therapeuten. CBASP begreift und nutzt deshalb den Psychotherapeut selbst als Reiz, der beim Patienten depressive Gedanken, Gefühle und Verhaltensweisen auslösen kann und das Ziel der Behandlung ist es dann, fehlangepasste Reaktionsmuster zu verändern.

Der Behandelnde lässt sich als "Sparringpartner"185 persönlich auf seinen Patienten ein, indem er ihm seine eigenen Reaktionen auf das Verhalten des Patienten verbal auf einer wohldosierten und kontrollierten Weise zurückmeldet. Der Patient kann also lernen, dass er mit ablehnendem oder feindseligem Verhalten normalerweise Distanzierung oder Ärger auslöst, für freundliches oder großzügiges Verhalten Sympathie oder Dankbarkeit erntet und mit offenen Fragen nach Unterstützung am ehesten die erwünschte Hilfe bekommt. Im Verlauf der Therapie begreift der Patient also ganz real, dass sich der Therapeut anders verhält als seine prägenden Bezugspersonen in der Kindheit.

Der CBASP-Therapeut muss dabei auch die eigenen Reaktionen auf den Patienten aufmerksam beobachten, um nicht in die sogenannte Dominanzfalle 186zu tappen. . Wenn sich nämlich die chronisch depressiven Menschen passiv oder überangepasst zeigen,dann lösen sie damit häufig beim Therapeuten das komplementäre Verhalten aus - sie laufen Gefahr, dem Patienten die therapeutische Arbeit abzunehmen. Falls die "Dominanzfalle" zuschnappt, dann kann der Patient nämlich in seiner passiv-distanzierten Rolle bleiben, und der Therapeut erhält damit das bestehende Problem.
Bleibt dann die Depression trotz - oder gerade wegen - des Engagements des Therapeuten bestehen, dann glaubt der Behandler letzten Endes, dem Betroffenen sei nicht zu helfen und er resigniert höchstwahrscheinlich. Dies wiederum bestätigt den Patienten in seinem Gefühl der eigenen Minderwertigkeit. Aus diesem Grunde sollte es der Therapeut tunlichst vermeiden, reflexartig eine dominante, überaktive Rolle einzunehmen. Besser und zweckdienlicher ist es , dem Patienten Lernmöglichkeiten anzubieten und in seiner Eigenverantwortung fördern.
Ein weiterer Baustein von CBASP ist der traditionellen kognitiven Verhaltenstherapie entnommen - die sogenannte Situationsanalyse. Der Patient setzt sich damit auseinander, wie sein Denken, Fühlen und Handeln zusammenhängen, sich auf anderen Menschen auswirkt und welche Folgen daraus für ihn und seine Umwelt erwachsen. Zudem wird es ihm ermöglicht, gedankliche (Fehl-)Schlüsse - etwa: "Ich habe keinen Einfluss auf das Verhalten meiner Mitmenschen" - anhand von realen Gegebenheiten zu überprüfen und gegebenenfalls zu berichtigen.
Unterstützend wirkt sich dazu ein schrittweises Training grundlegender sozialer Geschicklichkeit an, etwa in Mimik, Gestik und Körperhaltung - eine Methode, die ebenfalls der verhaltenstherapeutischen Tradition entspringt.

Ob CBASP nun bei der Behandlung chronisch depressiver Patienten tatsächlich erfolgreicher als die herkömmliche kognitive Verhaltenstherapie ist, wurde noch nicht erforscht. Doch erwies sich das Verfahren wohl als grundsätzlich hilfreich187 - auf eine mit Antidepressiva kombinierte Behandlung sprachen 85 Prozent der Behandelten an. CBASP hat sich im Zusammenspiel mit Pharmakotherapie als wirksamste Behandlungsoption erwiesen; falls frühen Traumatisierungen im Spiel waren, dann war CBASP einer medikamentösen Therapie haushoch überlegen.188

Das 12-Schritte-Programm

Die 12-Schritte Kliniken gehen da zum Beispiel einen alternativen spirituellen 189 Weg: Zeit für Menschen, Körperkontakt, Stärkung des Glaubens, setzen sie ein, um ihren Patienten zu helfen. Die Antidepressiva abgesetzt und das Leben kann neu beginnen. Das Prinzip entstammt dem Suchtbereich und wurde schon erfolgreich auf andere Problembereiche übertragen:

  1. Anerkennen, dass man seinem eigenen Problem gegenüber machtlos ist. Das können beispielsweise Substanzabhängigkeit oder, je nach Thematik der Gruppe, auch andere Problematiken sein. Zugeben, dass man sein „tägliches Leben“ nicht mehr bewältigen kann.
  2. Zum Glauben kommen, dass nur eine Macht, die größer als man selbst ist, die eigene geistige Gesundheit wiederherstellen kann
  3. Den Entschluss fassen, seinen Willen und sein Leben der Sorge Gottes, wie ihn jeder für sich versteht, anzuvertrauen
  4. Eine gründliche und furchtlose Inventur von sich selbst machen
  5. Vor sich selbst und einem anderen Menschen gegenüber sein begangenes Fehlverhalten eingestehen
  6. Die Bereitschaft, Verhaltensweisen, die das Leben behindern, von Gott entfernen zu lassen
  7. Demütig darum bitten, dass Gott sämtliche persönliche „chronische das Leben behindernde Verhaltensweisen“ beseitigt
  8. Auflistung aller Personen, denen man Unrecht getan und Schaden zugefügt hat und die Bereitschaft und den Willen zur Wiedergutmachung entwickeln
  9. Wo immer möglich, die Menschen entschädigen, außer, wenn sie oder andere dadurch verletzt würden
  10. Die „Innere Inventur“ fortsetzen und zugeben, wenn man im Unrecht ist
  11. Durch „Gebet und Besinnung“ versuchen (bzw. die Verbindung suchen), eine tiefe bewusste Beziehung zu Gott, wie ihn jeder für sich selbst versteht, zu verbessern und um die Erkenntnis beten, seinen Willen zu sehen und die Kraft, ihn umzusetzen
  12. Nach der nun erfahrenen „spirituellen Erweckung“ versuchen, die Botschaft (wie der Einzelne die Schritte für sich genutzt hat und weiter danach lebt) an andere Betroffene weiterzugeben und seinen Alltag nach den Grundsätzen der jeweiligen Zwölf-Schritte-Gruppe auszurichten.

Die medizinische Wirksamkeit des Zwölf-Schritte-Programms bei der Genesung von Suchtkrankheiten ist schwer belegbar, weil die gelebte Anonymität bewirkt, dass keine Mitgliederlisten geführt werden und so langfristige, wissenschaftliche Untersuchungen erschwert sind. Unabhängige, wissenschaftlich tragfähige Untersuchungen sind rar 190
Nach Praschniker zeigt die empirische Untersuchung, dass die Depressivität mit Zunahme der Verweildauer in einer Zwölf-Schritte-Gruppe abnimmt.191

Amokläufe

Nach einem Amoklauf sind Aufschrei und Betroffenheit immer besonders groß, und man verspricht schonungslose Aufklärung. Aber da scheint ein blinder Fleck zu existieren bei den Mainstreammedien. Bei der Ursachenforschung zeigen sie gerne gerne auf die Waffenlobby oder auch auf Videospiele, aber so gut wie nie auf die Medikamente, die die Amokläufer eingenommen haben.. Nun betreten wir jedoch wieder die Zone des Pharmamarketings und seiner Auswirkungen. Nur so lässt sich erklären, wieso der Spiegel beständig bestimmte Aspekte über Amokläufe bei der Berichterstattung außer Acht läßt 192.
Und : “In mass shootings involving guns and mind-altering medications, politicians immediately seek to blame guns but never the medication. Nearly every mass shooting that has taken place in America over the last two decades has a link to psychiatric medication, and it appears today’s tragic event is headed in the same direction."193

  • 1. Was soll die Gesellschaft mit der Depression tun? am 17. Juni 2012 auf Suite101.de
  • 2. Üstün, T. B., & Kessler, R. C. (2002): Global burden of depressive disorders: The issue of duration. British Journal of Psychiatry, 181, 181-183
  • 3. Kupfer, D. J. (1999): Research in affective disorders comes of age. American Journal of Psychiatry, 156, 165-167.
  • 4. Schwermut ohne Scham - Der Spiegel 6/2012
  • 5. Psychologie: Depression – die Krankheit mit dem Mangel an Sinn Welt online im Februar 2012
  • 6. Suizidalität buendnis-depression.de
  • 7. Depression/Suizid. EinleitungStiftung Berner Gesundheit:
  • 8. Selbstmord wegen Antidepressiva? - news.de vom 18. Dezember 2011
  • 9. Antidepressiva: Neue Zahlen zu fetalem Risiko Ärzteblatt vom 13. Januar 2012
  • 10. Vorgänge, die um den Geburtszeitraum, also kurz vor oder nach der Geburt stattfinden, verwendet man den Begriff peripartal oder perinatal, für Ereignisse oder Zustände nach der Geburt den Begriff postpartal oder postnatal.
  • 11. Die Exposition mit Antidepressiva in der Perinatalphase hat in einer tierexperimentellen Studie in den Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS 2011; doi: 10.1073/pnas.1109353108) deutliche Spuren im Gehirn von Ratten hinterlassen. Die Befunde erklären womöglich jüngste Ergebnisse epidemiologischer Studien.
  • 12. Autism spectrum disorders
  • 13. Eine klinische Autismus-Spektrum-Diagnose wird von Ärzten oder Psychologen in der Regel unter der Voraussetzung gestellt, dass eine Person in mehreren Lebensbereichen leidet. Eine Person kann durchaus autistisch sein, jedoch dank ihrer Lebenssituation, Begabung und/oder Unterstützung durch Schule, Ausbildung, Arbeitgeber, Freunde, Partner oder andere Formen von Unterstützung ausreichend gut zurechtkommen, um keine klinische Diagnose zu bekommen. In diesem Fall bekommt solch eine Person möglicherweise eine Diagnose, wenn es nach einem eventuellen Wegfall von Hilfen zu Auffälligkeiten kommt, so dass Ärzte und Therapeuten eine klinische Diagnose rechtfertigen können.
    Die Frage, ob es sich bei Autismus oder bei Autismus-Spektrum-Störungen um eine Kategorie oder um eine Dimension handelt, ist ungeklärt. Es existiert Literatur über subklinische Formen von Autismus, etwa ein Kapitel Autistische Echos in dem Buch Das Schattensyndrom: Neurobiologie und leichte Formen psychischer Störungen. In der Forschung wird das Konzept eines „Broad Autism Phenotypes“ untersucht, wie etwa autistische Züge von Eltern autistischer Kinder.
    Einige andere offizielle (ICD-10/DSM-IV) und inoffizielle (nicht im ICD-10/DSM-IV) Diagnosen werden im Zusammenhang mit Autismus untersucht wie etwa Hyperlexia, nonverbale Lernstörung, Dyspraxie, sensorische Integrationsstörung oder sprachlich-pragmatische Störung. Die Frage, inwieweit diese als eine eigenständige Diagnose oder eher als Teil eines erweiterten Autismus-Spektrums gesehen werden können, ist ungeklärt.
  • 14. Antidepressiva in der Perinatalphase behindern Hirnwachstum bei Ratten das Ärzteblatt am 25. Oktober 2011
  • 15. Antidepressiva in der Perinatalphase behindern Hirnwachstum bei Ratten das Ärzteblatt am 25. Oktober 2011
  • 16. Süddeutsche Zeitung am 21.09.2011
  • 17. Antidepressiva erhöhen Risiko für Diabetes die Welt am 10.05
  • 18. Der Diabetes mellitus (DM) oder die Zuckerkrankheit ist die Bezeichnung für eine Gruppe von Stoffwechselkrankheiten und beschreibt deren ursprüngliches Hauptsymptom: Ausscheidung von Zucker im Urin. In der Antike wurde die Diagnose durch eine Geschmacksprobe des Urins gestellt, denn der Harn von Personen mit Diabetes weist bei erhöhtem Blutzuckerspiegel einen süßlichen Geschmack auf.
    Diabetes mellitus ist der Sammelbegriff für verschiedene (heterogene) Stoffwechselstörungen, deren Leitbefund eine Überzuckerung des Blutes (Hyperglykämie) ist. Mechanismen, welche zur Hyperglykämie führen, setzen überwiegend am Insulin, dem Hauptregelungshormon des Zuckerstoffwechsels im menschlichen Körper, an: absoluter Insulinmangel, relativer Insulinmangel durch eine abgeschwächte Wirksamkeit des Insulins (Insulinresistenz) oder beides zusammen.
    Die meisten zum Diabetes führenden Mechanismen sind noch Gegenstand von Hypothesen und Forschung, allgemein akzeptierte Gesamttheorien existieren noch nicht.
    Vgl gleichnamiger Artikel bei Wikipedia (Stand April 2013)
  • 19. Antidepressiva erhöhen Risiko für Diabetes die Welt am 10.05
  • 20. Gefährliche Helfer Die Zeit vom 27. Februar 2008
  • 21. Die Story im Ersten: Wege aus der Depression ARD am 18. Februar 2013
  • 22. Verstehen Sie das, Herr Schmidt? Die Zeit vom 01. November 2011
  • 23. Bernd Enke: "Depression ist große Hoffnungslosigkeit mw-news.de vom 06. Februar 2010
  • 24. Was soll die Gesellschaft mit der Depression tun? am 17. Juni 2012 auf Suite101.de
  • 25. Die Story im Ersten: Gefährliche Glückspillen ARD am 18. Februar 2013
  • 26. Taz vom 09. Februar 2013
  • 27. Ayuso-Mateos, J. L., Vázquez-Barquero, J. L., Dowrick, C., Lehtinen, V., Dalgard, O. S., Casey, P., Wilkinson, C., Lasa, L., Page, H., Dunn, G., Wilkinson, G. & the ODIN group (2001): Depressive disorders in Europe: Prevalence figures from the ODIN study. British Journal of Psychiatry, 179, 308-316.
  • 28. 21.06.2011 im Ärzteblatt
  • 29. „Arzt für Gesunde“ gab Tipps gegen Burnout Pegnitz Zeitung am 07. Oktober 2011
  • 30. Selbstmord wegen Antidepressiva? - news.de vom 18. Dezember 2011
  • 31. Die Story im Ersten: Gefährliche Glückspillen ARD am 18. Februar 2013
  • 32. Gesundheitsreportes 2011 der Techniker Krankenkasse (TK),
  • 33. Bologna macht krank die Taz am 30. Juni 2011
  • 34. Selbstmord wegen Antidepressiva? - news.de vom 18. Dezember 2011
  • 35. Mehr Aufklärung über Psychopharmaka Saarbrücker Zeitung am 10. April 2012 über eine Veranstaltung der Saarbrücker Psychiatrie-Erfahrenen UPS
  • 36. Der US-amerikanische Psychiater Irving Kirsch in seinem Buch «The Emperor’s New Drugs: Exploding the Antidepressant Myth» (2009).
  • 37. http://www.fr-online.de/wissenschaft/medizin/placebos-mit-heilkraft/-/50... - Frankfurter Rundschau am 2. März 2011
  • 38. Placebo: Schmerzfrei mit Zuckerpillen RTL am 29. Juni 2011
  • 39. Placebo: Schmerzfrei mit Zuckerpillen RTL am 29. Juni 2011
  • 40. Placebo: Schmerzfrei mit Zuckerpillen RTL am 29. Juni 2011
  • 41. Placebo: Schmerzfrei mit Zuckerpillen RTL am 29. Juni 2011
  • 42. Placebo: Schmerzfrei mit Zuckerpillen RTL am 29. Juni 2011
  • 43. „Arzt für Gesunde“ gab Tipps gegen Burnout Pegnitz Zeitung am 07. Oktober 2011
  • 44. Die Story im Ersten: Wege aus der Depression ARD am 18. Februar 2013
  • 45. Das zeigte eine Vier-Jahres-Studie der psychologischen Abteilung des UT Southwestern Medical Center unter Madhukar Trived in Zusammenarbeit mit dem Cooper Institute in Dallas,die im Journal of Clinical Psychiatry publiziert wurde. Die Teilnehmer, die im Durchschnitt sieben Jahre lang an Depressionen gelitten hatten, trainierten auf dem Laufband und/oder dem Hometrainer. Länge und Häufigkeit des Trainings hielten sie in einem Online-Tagebuch fest. Beim Trainieren zu Hause trugen die Teilnehmer einen Pulsmesser. Zudem wurden sie während der Studie psychologisch betreut.
    Am Ende der Studie waren 30 Prozent der Teilnehmer vollkommen von ihrer Depression befreit, weitere 20 Prozent erfuhren eine signifikante Verbesserung.
    Eine mäßige Bewegung erwies sich für Frauen mit psychischen Vorerkrankungen in der Familie wirksamer. Dahingegen war für Frauen, deren Familie nicht an Vorerkrankungen litt, ein intensives Training effektiver. Die Männer profitierten alle mehr vom intensiveren Training, unabhängig von anderen Merkmalen.
  • 46. Sport vertreibt selbst schwere Depressionen Focus am 25. August 2011
  • 47. Mehrere Studien belegen nach Informationen des Deutschen Instituts für Medizinische Dokumentation und Information (DIMDI), dass die kognitive Verhaltenstherapie (KVTDie kognitive Verhaltenstherapie ist eine Form der Verhaltenstherapie, die sich seit den 60er Jahren aus einer Gegenbewegung zur behavioristischen Psychologie, dem Kognitivismus entwickelte. Als Begründer kognitiver Therapien gelten Aaron T. Beck und Albert Ellis. Kognitionen umfassen Prozesse des Wahrnehmens, Erkennens, Begreifens, Urteilens und Schließens.
    Im Mittelpunkt der kognitiven Therapieverfahren stehen Kognitionen. Kognitionen umfassen Einstellungen, Gedanken, Bewertungen und Überzeugungen. Die kognitiven Therapieverfahren, zu denen die kognitive Therapie (KT) und die Rational Emotive Verhaltenstherapie (REVT) gehören, gehen davon aus, dass die Art und Weise, wie wir denken, bestimmt, wie wir uns fühlen und verhalten und wie wir körperlich reagieren. Schwerpunkte der Therapie sind:
    • die Bewusstmachung von Kognitionen
    • die Überprüfung von Kognitionen und Schlussfolgerungen auf ihre Angemessenheit
    • die Korrektur von irrationalen Einstellungen
    • Transfer der korrigierten Einstellungen ins konkrete Verhalten

    Die kognitive Therapie stellt somit die aktive Gestaltung des Wahrnehmungsprozesses in den Vordergrund, weil in letzter Instanz nicht die objektive Realität, sondern die subjektive Sicht des Betrachtenden über das Verhalten entscheidet. Ist die Kognition inadäquat (z.B. durch Wahrnehmungsselektion und -bewertung ), ist auch die Möglichkeit beeinträchtigt, Affekt und Verhalten zu korrigieren. Vor allem spontanes und emotional getriebenes Verhalten sind sehr von der Art beeinflusst, wie ein Mensch sein Modell der Umwelt gedanklich strukturiert hat.

  • 48. Der Rosenwurz (Rhodiola rosea) ist eine Pflanzenart in der Familie der Dickblattgewächse (Crassulaceae). In Sibirien wird der Rosenwurz „Goldene Wurzel“ (Золотой Корень, Solotoy Koren) genannt, denn der Wurzelextrakt soll Erinnerungsvermögen, Konzentration und Aufnahmevermögen steigern. Er ist eine adaptogene Heilpflanze, die seit langem medizinische Verwendung in russischen, baltischen und skandinavischen Ländern findet, sowohl als Tee als auch in Form von Extrakten. Auch in andere Länder verbreitet sich die traditionell begründete oder volksheilkundliche Anwendung von Zubereitungen des Rosenwurzrhizoms zur Steigerung der Leistungsfähigkeit und zum Stressabbau.
    Die Wirkungen werden möglicherweise durch Änderungen des Serotonin- und Dopamin-Niveaus vermittelt: etwa über eine Hemmung der Monoamin-Oxidase, eine bessere Durchlässigkeit der Blut-Hirn-Schranke für Neurotransmittervorstufen und einen Einfluss auf Opioidpeptide (z.B. Endorphine), auch eine verminderte Ausschüttung von Stresshormonen wird diskutiert. Zu möglichen Wechselwirkungen liegen keine ausreichenden Daten vor. In einer in vitro-Studie wurde gezeigt, dass Inhaltsstoffe des Rosenwurz die CYP3A4 und das P-Glykoprotein hemmen, was in vivo nicht bestätigt werden konnte. Eine placebokontrollierte Studie stellte eine Wirksamkeit in der Behandlung von Depressionen und Angststörungen bei vergleichsweise geringen Nebenwirkungen fest, die Aussagekraft ist fragwürdig
  • 49. Burnout erfolgreich bekämpfenRheinische Post vom 19. Juli 2012
  • 50. H.-J. Möller, G. Laux, H.-P. Kapfhammer: Psychiatrie und Psychotherapie. 3. Auflage. Springer, Heidelberg 2008. 2 Bände. Band 2, S. 426
  • 51. New York Review of Books, Marcia Angell, Ärztin und ehemalige Chefredaktorin des renommierten «New England Journal of Medicine»
  • 52. http://www.woz.ch/artikel/2012/nr08/thema/21783.html - die schweizerische WOZ am 22. Februar 2012
  • 53. U. Schwabe, D. Paffrath (Hrsg.): Arzneiverordnungs-Report 2011. Springer-Verlag Berlin-Heidelberg 2011
  • 54. U. Schwabe, D. Paffrath (Hrsg.): Arzneiverordnungs-Report 2011. Springer-Verlag Berlin-Heidelberg 2011
  • 55. S. Svensson, P. R. Mansfield: Escitalopram: superior to citalopram or a chiral chimera? Psychother Psychosom. 2004 Jan-Feb;73 (1): S. 10–16. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/14665791
  • 56. Selbstmord wegen Antidepressiva? - news.de vom 18. Dezember 2011
  • 57. Als Botenstoff (Mediator, Signalstoff, Elicitor, Semiochemikalie, Infochemikalie) bezeichnet man verschiedene chemische Stoffe, die in einem Organismus, zwischen den Individuen einer Spezies oder zwischen verschiedenen Spezies der Übertragung von Signalen bzw. Informationen (chemische Kommunikation) dienen.
    Botenstoffe sind essentiell für das Zusammenspiel der Zellen in einem Organismus (Kommunikation zwischen den Zellen). Bei Pflanzen regulieren Botenstoffe u.a. das Wachstum und die Entwicklung sowie auch den eigenen Schutz, z. B. vor Krankheitserregern oder Fressfeinden
    Vgl gleichnamiger Artikel bei Wikipedia (Stand April 2013)
  • 58. Wirkungslose Dreifachkeule - Telepolis vom 22. November 2011
  • 59. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/20527970
  • 60. Eine Pipeline ist in der Entwicklung die Summe der in verschiedenen Testphasen stehenden zukünftigen Produkte
  • 61. Neurotransmitter sind endogene, biochemische Botenstoffe, welche die Information von einer Nervenzelle zur anderen über die Kontaktstelle der Nervenzellen, die Synapse, weitergeben. In die Synapse einlaufende elektrische Impulse (Aktionspotentiale) veranlassen die Ausschüttung der Botenstoffe aus ihren Speicherorten, den synaptischen Vesikeln. Das geschieht durch Exozytose, wobei durch die Fusion der Vesikelmembran mit der präsynaptischen Membran die Transmittermoleküle in den synaptischen Spalt gelangen und zu den Rezeptoren des nachgeschalteten postsynaptischen Neurons diffundieren. Die Neurotransmitter werden nach ihrer Ausschüttung auf verschiedene Weise deaktiviert und/oder abgebaut.
    Vgl gleichnamiger Artikel bei Wikipedia (Stand April 2013)
  • 62. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/m/pubmed/22048884/
  • 63. http://www.plosone.org/article/info:doi%2F10.1371%2Fjournal.pone.0007015
  • 64. Wirkungslose Dreifachkeule - Telepolis vom 22. November 2011
  • 65. Gefährliche Helfer Die Zeit vom 27. Februar 2008
  • 66. Gefährliche Helfer Die Zeit vom 27. Februar 2008
  • 67. Die Hauptsymptome einer Depression sind:
    • eine andauernd gedrückte Stimmung
    • eine andauernde Freudlosigkeit
    • ein Verlust von Interesse an Dingen, die den Erkrankten vorher interessiert haben
    • eine grundsätzliche Antriebslosigkeit
  • 68. Gefährliche Helfer Die Zeit vom 27. Februar 2008
  • 69. WOZ, 10. Februar 2005
  • 70. von Zerssen, D. (1996): Forschungen zur prämorbiden Persönlichkeit in der Psychiatrie der deutschsprachigen Länder: Die letzten drei Jahrzehnte. Fortschritte der Neurologie, Psychiatrie, 64, 168-183
  • 71. Der Biologismus ist eine philosophische und weltanschauliche Position, die menschliche Verhaltensweisen und gesellschaftliche Zusammenhänge vordringlich durch biologische Gesetzmäßigkeiten zu erklären versucht. Gelegentlich wird als Folge hiervon auch eine entsprechende Ausgestaltung gesellschaftlicher Verhältnisse angestrebt.
    Biologisierende Begriffe und Theorien haben ihren Ursprung entweder in sozialphilosophischen Analogien, nach denen die Gesellschaft einen Organismus bildet, der dem menschlichen Körper ähnelt oder in der Erklärung psychologischer oder sozialer Phänomene auf ausschließlich molekularbiologischer Grundlage. Biologismus kann insofern als eine Ausprägung einer szientizistischen oder naturwissenschaftlich-reduktionistischen Position verstanden werden, nach der sich alle relevanten Fragen letztlich auf naturwissenschaftliche Probleme zurückführen lassen.
    Vgl gleichnamiger Artikel bei Wikipedia (Stand April 2013)
  • 72. Royal College of Psychiatrists
  • 73. Royal College of Psychiatrists
  • 74. Professor David Healy aus Wales (MD FRCPsych N WALES DEPT of PSYCHOLOGICAL MEDICINE) schrieb im June 2009 eine Anleitung zum Absetzen von SSRI..
  • 75. wie es der amerikanische Nervenarzt und Autor Peter Kramer in seinem Bestseller "Listening to Prozac" formuliert hat.
  • 76. Schwermut ohne Scham - Der Spiegel 6/2012
  • 77. Louis Farigoule war ein französischer Schriftsteller, der sich unter dem Pseudonym „Jules Romains“ seit 1904 beliebt machte. Am 26. Aug. wurde er als Sohn eines Volksschullehrers geboren. Nach dem Besuch des Condorcet-Lyceums (Paris) und einem Studium der Philosophie und Biologie an der Sorbonne und an der Ecole Normale Supérieure war er ab 1909 Lehrer an Gymnasien in Brest, Laon, Nizza und Paris. Seit 1919 arbeitete Jules dann als freier Schriftsteller. In den 30er Jahren verfasste er ein umfangreiches politisches Werk und wurde 1938 zum Präsident des P.E.N.-Clubs gewählt.
    Von 1940 bis 1945 lebte Romains im Exil in News York und Mexiko, danach folgten zwei weitere Jahre als Schriftsteller.
    Seinen Lehrberuf hatte Romains bereits nach dem ersten Weltkrieg aufgegeben und wandte sich ausschließlich der Schriftstellerei zu! Im Jahre 1946 wurde er in die „Académie Francaise“ aufgenommen. Jules Romains ist ein Denker und Schriftsteller, dessen Hauptwerk der 27teilige Roman „Le hommes de bonne volonté“ ist. Darin wollte er „die Vision der modernen Welt“ darstellen. Viele seiner Werke sind auch ins Deutsche übersetzt worden und meistens genauso ausführlich erschienen, wie im Französischen. Seine Bücher sind häufig als Theaterstücke aufgeführt worden, da sich seine satirische Art sehr gut darstellen und wiedergeben lässt.
  • 78. 1923 erschien das Buch „Knock ou le triomphe de la médecine“. Auch in deutscher Fassung konnten wir in den Genuss dieser Satire kommen, und zwar im Jahre 1994! Ins deutsche übersetzte Peter Haffmanns (Oldenburg) die Komödie anlässlich einer Theateraufführung. Knock oder der Triumph der Medizin. Komödie in drei Akten. Reclam (RUB 9662), Stuttgart 1997
  • 79. Medizinische Früherkennungsmaßnahmen werden gelegentlich auch als Vorsorgeuntersuchung bezeichnet. Diese Bezeichnung ist jedoch sachlich nicht korrekt. Unter Vorsorge (auch Prävention genannt) versteht man Maßnahmen zur Vorbeugung gegen Erkrankungen. Ein klassisches Fachgebiet der Medizin, welches sich fast ausschließlich mit Vorsorge und Vermeiden von Erkrankungen befasst, ist zum Beispiel die Arbeitsmedizin.
  • 80. Die Gefährlichkeit liegt in der alltäglichen Normalität - das Erfassen und Aufarbeiten der Daten, das Einpflanzen des Selektionsgedankens in die Köpfe der Menschen. Zwar konzentrieren sich manche Kritiker noch darauf, die Kontinuität von faschistischer Rassenhygiene und BRD-üblicher Humangenetik nachzuweisen, doch distanzieren sich die vorsichtigen Vertreter der derart angegriffenen Zunft bereits von solchen Kollegen wie Dr. Marianne Stockenius. Auf Veranstaltungen gegen humangenetische Beratung melden sich Forscher, die im Genetikbereich arbeiten zu Wort, sprechen sich für das Selbstbestimmungsrecht der Frauen aus, verteidigen aber auch die eigene Arbeit. Die Mainzer humangenetische Beratungsstelle lud sogar Ernst Klee ein, der die Praktiken der Vernichtungsmedizin im Dritten Reich untersucht und dokumentiert hat, um ihm vorzuführen, wie wenig behindertenfeindlich die Beratungstätigkeit verlaufe. Und die Protokolle von Genetikertagungen muss man schon sehr genau lesen, um ausdrückliche Argumente für Auslese und Ausmerze zu finden.
  • 81. Als kurative Medizin wird die Art von Behandlung bezeichnet, die das Ziel verfolgt, die Erkrankung zu heilen bzw. ihr Fortschreiten zu verhindern.
    Allerdings ist nicht immer eine totale Wiederherstellung (restitutio ad integrum) in einen als physiologisch bezeichneten Zustand möglich, maßgeblich ist es das angestrebte Ziel.
  • 82. Das Versgedicht Le Vilain Mire
  • 83. Le Médecin malgré lui (Der Arzt wider Willen) Komödie in 3 Akten von Molière.
    Sganarelle ist ein ausgesprochener Trunkenbold und Grobian. Als er wieder einmal seine Frau Martine verprügelt hat, sinnt diese auf Rache. Da kommen ihr die Diener des reichen und gutgläubigen Adligen Géronte gerade recht. Der hat sie losgeschickt, um einen Arzt zu suchen, der seine Tochter Lucinde von ihrer plötzlich aufgetretenen Stummheit heilt. Martine behauptet nun, Sganarelle sei ein erfolgreicher Wunderdoktor, der aber seine Wissenschaft gerne verleugne. Also zwingen die Diener Sganarelle in das Haus Gérontes, und der Arzt wider Willen muss sich wohl oder übel in das Spiel fügen. Nun folgt eine ganze Reihe absurder Behandlungsversuche an Lucinde. Sganarelle gefällt sich indessen immer mehr in seiner Rolle und wickelt alle mit seinem aufgeblasenen Wesen und seinen hohlen Phrasen ein. Dann gesteht der junge Léandre dem Sganarelle, dass er in Lucinde verliebt ist, die jedoch einem anderen, reichen Mann versprochen wurde. Lucindes Sprachlosigkeit ist keine Erkrankung, sondern ihr Versuch, sich den Plänen ihres Vaters zu widersetzen. Sganarelle ersinnt daraufhin einen Plan, der die beiden Liebenden zueinander führen soll und verhilft ihnen zur Flucht. Als Géronte das erfährt, verlangt er, dass der Arzt gehängt werden soll. Es steht schlecht um Sganarelle, doch dann taucht seine Frau Martine auf und gibt seine wahre Identität preis. Am Ende kehren auch Léandre und Lucinde zurück. Léandre ist unverhofft zu einem üppigen Erbe gekommen, und so dürfen die jungen Leute mit dem Segen Gérontes heiraten.
    Vgl gleichnamiger Artikel bei Wikipedia (Stand April 2013)
  • 84. Der eingebildete Kranke (im Original Le Malade imaginaire, wörtlich Der eingebildet bzw. vermeintlich Kranke), ist eines der berühmtesten Theaterstücke und gleichzeitig auch das letzte Werk von Molière. Das Stück wurde am 10. Februar 1673 uraufgeführt. Die Komödie besteht aus drei Akten. Die Rolle des Titelhelden spielte der Dichter selbst. Doch bei der vierten Vorstellung, am 17. Februar 1673, erlitt er einen Blutsturz und starb wenige Stunden darauf noch in seinem Kostüm.
    Das Stück handelt vom Hypochonder Argan, der sich nur einbildet, krank zu sein. So zieht er diverse Ärzte zu Rate, die die Einzigen sind, die ihm seine eingebildete Krankheit abnehmen und ihn in dieser unterstützen. Geduldig befolgt er alle Anordnungen seines Arztes und führt sie genauestens aus. Dem Arzt selbst kommt dieser Umstand sehr gelegen und er verschreibt Herrn Argan überflüssige Behandlungen gegen überteuerte Rechnungen. Argan hingegen möchte, aus rein eigennützigen Motiven, dass seine Tochter Angelique den Thomas Diafoirus, einen frisch gebackenen Doktor der Medizin, heiratet. Angelique ist jedoch in Cléante verliebt.
    Gemeinsam mit Argans Hausmädchen Toinette unternimmt Béralde, der Bruder des vermeintlich Kranken, mehrere Versuche, Argan von seiner Arzt-Besessenheit zu heilen. Schließlich überreden die beiden ihn, sich tot zu stellen, um dann herauszufinden, wer ihn denn nun wirklich liebt. Hierbei erkennt Argan die wahre Liebe seiner Tochter und die Geldgier seiner zweiten Frau, die nicht die leibliche Mutter Angeliques ist. Angelique steht es am Ende frei, zu heiraten, wen sie möchte – unter der Bedingung, dass ihr Zukünftiger ein Arzt ist oder wird. Anstatt Cléante zum Arzt zu machen, wie dieser vorschlägt, überredet Béralde Hypochonder Argan dazu, selbst Arzt zu werden. Dazu wird sogleich eine Scheinzeremonie mit Schauspielern abgehalten, in der Argan, der das gespielte Aufnahmeritual in die Ärzteschaft für ernst hält, auf lateinisch schwört, dem Tragen seiner Ärztemütze würdig zu sein.
    Vgl gleichnamiger Artikel bei Wikipedia (Stand April 2013)
  • 85. Man unterscheidet zwischen Dauerdiagnose und Abrechnungsdiagnose? Abrechnungsrelevant für die GKV-Leistungen sind nach wie vor nur die Abrechnungsdiagnosen.
  • 86. Man unterscheidet zwischen Ordinationsziffer und Chronikerziffer. Die Ordinationsziffer kann dabei nur einmal abgerechnet werden
  • 87. Ein Disease-Management-Programm (abgekürzt DMP) ist ein systematisches Behandlungsprogramm für chronisch kranke Menschen, das sich auf die Erkenntnisse der evidenzbasierten Medizin stützt. Im Bereich der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) werden diese Programme auch als strukturierte Behandlungsprogramme oder Chronikerprogramme bezeichnet. Das Konzept des Disease Managements als zentral organisierte Steuerung von chronisch kranken Patienten stammt ursprünglich aus den USA. Es gibt für den Begriff „Disease Management“ keine einheitliche Definition. Exemplarisch wird hier die Definition der Disease Management Association of America (DMAA) wiedergegeben.
    Disease Management is a system of coordinated healthcare interventions and communications for populations with conditions in which patient self-care efforts are significant. Disease management:
    • supports the physician or practitioner/patient relationship and plan of care
    • ,

    • emphasizes prevention of exacerbations and complications utilizing evidence-based practice guidelines and patient empowerment strategies,
    • and evaluates clinical, humanistic, and economic outcomes on an ongoing basis with the goal of improving overall health.
    • Disease-Management-Programme sind im deutschen Gesundheitswesen noch recht neu (sie existieren seit etwa 2002) und gelten als Bausteine für andere neuartige Konzepte wie integrierte Versorgung und Fall-Management.
      Vgl gleichnamiger Artikel bei Wikipedia (Stand April 2013)

  • 88. Schwermut ohne Scham - Der Spiegel 6/2012
  • 89. Schwermut ohne Scham - Der Spiegel 6/2012
  • 90. Study of the Use of Antidepressants for Depression in Dementia (SADD) des britischen Gesundheitsdienstes (NHS)
  • 91. Zwei Antidepressiva ohne Wirkung bei Demenzpatienten das Ärzteblatt am 19. Juli 2011
  • 92. Antidepressiva setzen Spermienqualität herab das Ärzteblatt am 3. August 2012
  • 93. Die FDA veranlasste zwei Dosiswirkungsstudien zu Citalopram, nachdem mehrere Fallberichte über QT-Intervall-Verlängerungen und Torsade de pointes, eine potenziell lebensbedrohliche ventrikuläre Arrhythmie, gemeldet worden waren. Die Studien kamen zu dem Schluss, dass Citalopram je nach Dosis die QT-Intervalle verlängern kann. Im Gegensatz zur FDA hält das BfArM auch Escitalopram für riskant.Fachgesellschaft: Kardiale Risiken von Citalopram und Escitalopram überzogen Ärztblatt am 6. Februar 2012
  • 94. Als Torsade-de-pointes-Tachykardie, Spitzenumkehrtachykardie, Schraubentachykardie oder kurz Torsade-Tachykardie (z. T. auch als Plural »Torsades« wird in der Kardiologie eine Sonderform der ventrikulären Tachykardie bezeichnet, die durch ein wellen- bzw. schraubenförmiges (spindelförmiges) Bild der Kammerkomplexe im Elektrokardiogramm (EKG) gekennzeichnet ist und Herzfrequenzen über 150 bpm aufweist. Sie kann in ein Kammerflimmern übergehen und ist deshalb eine potentiell lebensbedrohliche Herzrhythmusstörung.
    Vgl gleichnamiger Artikel bei Wikipedia (Stand April 2013)
  • 95. Kammerflimmern, auch ventrikuläre Fibrillation (VF) genannt, ist eine lebensbedrohliche pulslose Herzrhythmusstörung, bei der in den Herzkammern ungeordnete Erregungen ablaufen und der Herzmuskel sich nicht mehr geordnet kontrahiert. Unbehandelt führt das Kammerflimmern wegen der fehlenden Pumpleistung des Herzens unmittelbar zum Tode. Im EKG sieht man Flimmerwellen mit einer Frequenz von etwa 300-800/min. Kammerflimmern kann z. B. als Komplikation eines Herzinfarktes auftreten (vgl. plötzlicher Herztod)
    Vgl gleichnamiger Artikel bei Wikipedia (Stand April 2013)
  • 96. Die Zeit vom 27. Februar 2008
  • 97. Januar 2008 im New England Journal of Medicine
  • 98. Forschungsjournal PLoS
  • 99. Stress (engl. für „Druck, Anspannung“; lat. stringere: „anspannen“) bezeichnet zum einen durch spezifische äußere Reize (Stressoren) hervorgerufene psychische und physische Reaktionen bei Lebewesen, die zur Bewältigung besonderer Anforderungen befähigen, und zum anderen die dadurch entstehende körperliche und geistige Belastung.
    Stress hat eine evolutive Wirkung mit der Folge, dass Belastungen besser ertragen oder letztlich durch eine entsprechende Stresstoleranz neutralisiert werden. Somit kann Stress durch Selektionsvorteile einzelner Individuen Adaptation und letztlich Artbildung bewirken. Durch genetische Fixierung von Merkmalen, welche Selektionsvorteile bewirken, können sich bestimmte erbliche Eigenschaften evolutiv durchsetzen. Beispiele solcher Eigenschaften sind Sukkulenz bei Pflanzen in Trockengebieten oder Sichelzellenanämie bei Menschen in Malariagebieten.
    1936 hatte der ungarisch-kanadische Mediziner Hans Selye den Begriff aus der Physik entlehnt, um die „unspezifische Reaktion des Körpers auf jegliche Anforderung“ zu benennen. Stress bezeichnet in der Werkstoffkunde die Veränderung eines Materials durch äußere Krafteinwirkung: Es folgen Anspannung, Verzerrung und Verbiegung.
    Vgl gleichnamiger Artikel bei Wikipedia (Stand April 2013)
  • 100. Gliazellen bilden das Stützgerüst für die Nervenzellen und sorgen für die gegenseitige elektrische Isolation der Nervenzellen. Neuere Erkenntnisse zeigten jedoch, dass Gliazellen maßgeblich am Stoff- und Flüssigkeitstransport sowie an der Aufrechterhaltung der Homöostase im Gehirn beteiligt sind und im Prozess der Informationsverarbeitung, -speicherung und -weiterleitung mitwirken. Etwa die Hälfte der Zellen im menschlichen Gehirn sind Gliazellen. Im Vergleich zu Tieren hat das menschliche Nervengewebe erheblich mehr Gliazellen. Gliazellen sind kleiner als die Nervenzellen. Das genaue Verhältnis an Gewicht und Anzahl zwischen Glia und Neuronen ist unklar. Je aktiver die Neuronen, desto mehr Glia dockt an, desto mehr Glia gibt es dort.
    Vgl gleichnamiger Artikel bei Wikipedia (Stand April 2013)
  • 101. Der Hippocampus (Plural Hippocampi) ist ein Bestandteil des Gehirns und zählt zu den evolutionär ältesten Strukturen des Gehirns. Er befindet sich im Temporallappen und ist eine zentrale Schaltstation des limbischen Systems. Es gibt einen Hippocampus pro Hemisphäre.
    Vgl gleichnamiger Artikel bei Wikipedia (Stand April 2013)
  • 102. Schwermut ohne Scham - Der Spiegel 6/2012
  • 103. Schwermut ohne Scham - Der Spiegel 6/2012
  • 104. Schwermut ohne Scham - Der Spiegel 6/2012
  • 105. Der französische Soziologe Alain Ehrenberg arbeitet als Soziologe am Centre Edgar-Morin. Er ist Co-Direktor der Forschungsgruppe "Psychotropes, politique, société" am Centre national de la recherche scientifique (CNRS) und Direktor am "Centre de recherche Psychotropes, Santé mentale, Société (Cesames)"
  • 106. Das Buch "Das erschöpfte Selbst" (Originaltitel: La Fatigue [Müdigkeit] d’être soi – dépression et société, Paris 1998; dt. 2004) ist Teil einer geplanten Trilogie über das moderne Konzept von Individualität bzw. Persönlichkeit. Ehrenberg entwirft in ihm eine umfassende soziologische Deutung der epidemischen Ausbreitung depressiver Krankheitsbilder in der Gegenwart. Sie ist für ihn - ebenso wie die Zunahme der Alkoholabhängigkeit - eine Reaktion auf die allgegenwärtige Erwartung an die einzelne Person, das Leben mündig und selbstbestimmt zu gestalten.
    Ehrenberg stellt die Zunahme depressiver Symptome in den westlichen Ländern in einen Zusammenhang mit der allgemeinen Ausbreitung einer "Kultur der Autonomie". An die Stelle von Gehorsam und Disziplin sind Entscheidungsfähigkeit und persönliche Initiative getreten, so daß das ideale Individuum nicht mehr an seiner Gefügigkeit, sondern an Tatkraft und Handlungskompetenz gemessen wird. Diesem an sich selbst gestellten Anspruch erliegt der Depressive. Früher, so Ehrenberg, sei die Melancholie die Krankheit des „Ausnahmemenschen“ gewesen während in heutigen Demokratien jeder angerufen sei, ein Ausnahmemensch zu sein: „Wenn die Melancholie eine Eigentümlichkeit des außergewöhnlichen Menschen war, dann ist die Depression Ausdruck einer Popularisierung des Außergewöhnlichen“.
    Insofern ist Depression eine "Krankheit der Verantwortlichkeit" und "die typische Pathologie des demokratischen Menschen". Ehrenberg erkennt in ihr eine paradoxe Verkehrung des Anspruches der Moderne, die Person (als "Subjekt") aus überkommenen Bindungen und Traditionen zu befreien. Zugleich bettet er seine Analyse in weitreichende mentalitätsgeschichtliche ("Verantwortung statt Schuld") und politische Zusammenhänge ein, weshalb sein Buch auch als eine Kritik an der neoliberalen Ideologie des handlungs- und entscheidungsstarken Einzelnen verstanden werden kann.
  • 107. Neoliberalismus ist die Bezeichnung für eine breite und heterogene Strömung, zu der die Freiburger Schule (Ordoliberalismus) und die Chicagoer Schule, aber auch Vertreter der Österreichischen Schule wie Friedrich von Hayek zugerechnet werden, obwohl die Abgrenzung der einzelnen Schulen und die Zuordnung einzelner Personen strittig ist. Neben der wirtschaftsgeschichtlichen Bedeutung gibt es neuere Begriffsverwendungen von Neoliberalismus als Politisches Konzept, Entwicklungsmodell, Ideologie und Akademisches Paradigma. sowie als „Kampfbegriff“ oder als „politisches Schimpfwort“. Manche Kritiker verwenden diesen Begriff pauschal, um unsoziale und ungerechte Effekte der Entwicklung des liberalen Marktsystems zu brandmarken. Neoliberalismus erscheint heute als wesensmäßig umstrittener Begriff (Essentially Contested Concept).
    Vgl gleichnamiger Artikel bei Wikipedia (Stand April 2013)
  • 108. Der französische Soziologe Alain Ehrenberg in seinem Buch «Das erschöpfte Selbst: Depression und Gesellschaft in der Gegenwart» (2004)
  • 109. "Wenn von der Informationsgesellschaft gesprochen wird, so ist das falsch, denn es ist eine mit Informationen überschüttete Gesellschaft. Doch die Informationsquantität bewirkt aus sich heraus noch keine qualitative Verbesserung" nach Alvin Toffler Future Shock, 1970, deutsch: Der Zukunftsschock. Strategien für die Welt von morgen. Goldmann Sachbuch 11364
  • 110. Laut der von EMC, einem Speicherhersteller, gesponserten IDC-Studie Digital Universe
  • 111. Laut der von EMC, einem Speicherhersteller, gesponserten IDC-Studie Digital Universe
  • 112. Laut einem Artikel im CIO vom März
  • 113. Dassault Systèmes, einer der weltweit umsatzstärksten Anbieter von 3D- und Product-Lifecycle-Management-Lösungen (PLM), der natürlich seine Produkte an den Mann bringen möchte
  • 114. Irja Wichert, Expertin für Information Intelligence von Dassault Systèmes
  • 115. laut Erhebungen im Rahmen des von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten Projekts „Entwicklung konstruktionsaufgabenorientierter Konstruktionssysteme“
  • 116. Laut der von EMC, einem Speicherhersteller, gesponserten IDC-Studie Digital Universe
  • 117. 1 Petabyte entspricht 1024 Terabyte
  • 118. eine Trillion (1018) Bytes
  • 119. Informationen sind Wörter, Zahlen, Bildelemente, Töne und Gerüche, die von einem Individuum wahrgenommen und psychisch verarbeitet werden können.
  • 120. Informationsüberflutung (auch Informationsflut, engl. information overload oder information flood) bezeichnet den Zustand einer Person, „zu viele“ Informationen zu einem Thema zu besitzen, um eine Entscheidung treffen zu können.
    Die englische Bezeichnung Information overload wurde 1970 von Alvin Toffler in seinem Buch Future Shock geprägt.
    Der Ausdruck wird gewöhnlich verwendet im Zusammenhang mit verschiedenen Formen der netzbasierten Kommunikation wie beispielsweise
    • E-Mail
    • Social Media: Blogs und Mikroblogs (z. B. Twitter), Content Communities (z. B. YouTube), soziale Netzwerke (z. B. Facebook), MMORPGs (z. B. World of Warcraft), und soziale virtuelle Welten (z. B. Second Life)

    Bei E-Mails werden Informationen im Sinne einer push-Kommunikation an die Empfänger versendet, wobei Nachrichten als Carbon Copy zugleich an viele Empfänger versendet werden können. Durch dieses sogenannte Posting (vergleichbar mit einem 'schwarzen Brett, das eine Information ebenfalls teil-öffentlich macht) steigt die Gesamtzahl der Nachrichten erheblich. Große Mengen („Flut“) an alten Daten, an neu hinzugefügten Daten, Widersprüche in vorhandenen Daten und ein niedriges Signal-Rausch-Verhältnis, also ein hohes Rauschen (im übertragenen Sinne), machen es schwierig, Informationen zu filtern (= Wichtiges von Unwichtigem und Interessantes von Uninteressantem zu trennen). Unwissen über Methoden des Vergleichens und Aufarbeitens von Informationen kann diesen Effekt verstärken.

  • 121. Unternehmen versinken im Datenmüll - Hrsg.: Wolfgang L. Brunner, Martin G. Bernhard, Jürgen Weber, Symposion Publishing, 1. Auflage 2011
  • 122. ilfredo Federico Pareto (gebürtig Wilfried Fritz Pareto; * 15. Juli 1848 in Paris; † 19. August 1923 in Céligny, Kanton Genf) war ein italienischer Ingenieur, Ökonom und Soziologe. Er gilt als Vertreter der Lausanner Schule der volkswirtschaftlichen Neoklassik und machte sich als Begründer der Wohlfahrtsökonomik einen Namen. Die Pareto-Verteilung, das Paretodiagramm, das Pareto-Optimum und das Paretoprinzip sind nach ihm benannt. Er wandte sich dann der Soziologie zu und arbeitete zu den Themen Ideologiekritik, politischer Systemwechsel (Revolution, Evolution) und Elitenkreislauf.
  • 123. auch Pareto-Effekt, 80-zu-20-Regel
  • 124. exitatorisch
  • 125. Neurotransmitter
  • 126. Das aufsteigende retikuläre Aktivierungssystem (ARAS) ist in der Neurobiologie ein Teil der Formatio reticularis. Der Hirnforscher Rolf Hassler (1914–1984) schrieb 1971 einen Beitrag für den Sammelband Hirnforschung und Psychiatrie im Colloquium Verlag Berlin mit der Überschrift: Regulation der psychischen Aktivität. Darin beschrieb er das Schlaf-Wach-System oder „unspezifische Aktivierungssystem“ der Formatio reticularis.
    Demnach existieren zwei Aktivierungswirkungen der Formatio reticularis, eine „tonische“ und eine „phasische“. Das tonische System in der Formatio reticularis des Mittelhirns reguliert über den Hypothalamus die Ausscheidung der Neurotransmitter (Nor-)Adrenalin und Serotonin, die zur lange anhaltenden, tonischen Aktivierung und Dämpfung der corticalen Aktivität führen und z. B. den Tag-Nacht-Rhythmus beeinflussen.
    Das phasische System für kurzzeitige Aktivierungen einzelner Rindenanteile hat sein Zentrum im medialen Thalamus. Wie eine Hülle liegen die reticulären Strukturen um die spezifischen Kerne der Sinnesorgane, die vom Thalamus in die sensorischen Projektionszentren der Hirnrinde führen. Die unspezifischen, reticulären Strukturen werden hier durch Nebenleitungen sämtlicher Sinnessysteme konvergent informiert und in Gang gesetzt, besonders von Impulsen aus dem Hautsinn und aus dem Gleichgewichtsorgan.
  • 127. Unter Neocortex wird der stammesgeschichtlich jüngste Teil der Großhirnrinde verstanden. Er wird nur bei Säugetieren gefunden. Der Begriff Neocortex wurde von dem Frankfurter Neurologen Ludwig Edinger (1855–1918) geprägt. Beim Menschen bildet der Neocortex den Großteil der Oberfläche des Großhirns (rund 90 %), darunter die Repräsentationen der Sinneseindrücke (sensorische Areale), den für Bewegungen zuständigen Motorcortex und die weiträumigen Assoziationszentren. Ältere Gebiete wie der Hippocampus werden als Archicortex bezeichnet, das „Riechhirn“ gehört zum „Paläokortex“.
    Der Begriff wird weitgehend synonym mit Isocortex, aber im Gegensatz zu diesem für die Unterteilung nach entwicklungsgeschichtlichen Kriterien verwendet.
    Vgl gleichnamiger Artikel bei Wikipedia (Stand April 2013)
  • 128. Der Thalamus ist zuständig für die Verwaltung von Sinneseindrücken
    Vgl gleichnamiger Artikel bei Wikipedia (Stand April 2013)
  • 129. Unternehmen versinken im Datenmüll - Hrsg.: Wolfgang L. Brunner, Martin G. Bernhard, Jürgen Weber, Symposion Publishing, 1. Auflage 2011
  • 130. In der Theoriesprache der freudschen Psychoanalyse bezeichnet der Begriff weitgehend unbewusst ablaufende Reaktionen, die das Ich zur Abwehr unerwünschter Triebimpulse des Es oder unangenehmer Affekte entwickelt. Die Abwehr gehört im psychoanalytischen Modell zu den Ich-Funktionen. Abwehrmechanismen werden in reifere (z. B. Verdrängung) und unreifere (z. B. Spaltung) unterteilt und sind die Voraussetzung zur Bewältigung unbewusster psychischer Konflikte und damit Grundlage der Fähigkeit zur SelbststeuerungAnna Freud: Das Ich und seine Abwehrmechanismen. Kindler, München 1936/1964.
  • 131. Bewältigungsstrategie, Copingstrategie, Coping (von englisch to cope with, „bewältigen, überwinden“) bezeichnet die Art des Umgangs mit einem als bedeutsam und schwierig empfundenen Lebensereignis oder einer Lebensphase.
  • 132. Man unterteilte die Abwehr ursprünglich in
    • Veränderung der Wahrnehmung (Verdrängen, Verleugnen)
    • Veränderung der Bedeutung (Rationalisierung, Identifikation)
    • Neutralisierung von Gegenmaßnahmen (Ungeschehenmachen, kontraphobische Handlungen)
  • 133. Unternehmen versinken im Datenmüll - Hrsg.: Wolfgang L. Brunner, Martin G. Bernhard, Jürgen Weber, Symposion Publishing, 1. Auflage 2011
  • 134. coping
  • 135. Kognition (lat. cognoscere ,erkennen‘, ,erfahren‘, ,kennenlernen‘) ist die von einem verhaltenssteuernden System ausgeführte Informationsumgestaltung.
    Kognition ist ein uneinheitlich verwendeter Begriff, mit dem auf die Informationsverarbeitung von Menschen und anderen Systemen Bezug genommen wird. Oft ist mit „Kognition“ das Denken in einem umfassenden Sinne gemeint. Auch wenn viele kognitive Prozesse im Menschen bewusst sind, haben „Kognition“ und „Bewusstsein“ nicht die gleiche Bedeutung. So können bestimmte Prozesse im Menschen unbewusst und dennoch kognitiv sein, ein Beispiel hierfür ist das unbewusste Lernen.
    Zu den kognitiven Fähigkeiten eines Menschen zählen u. a. die Aufmerksamkeit, die Erinnerung, das Lernen, die Kreativität, das Planen, die Orientierung, die Imagination, die Argumentation, die Introspektion, der Wille, das Glauben und einige mehr. Kognitive Fähigkeiten werden von verschiedenen Wissenschaften, wie der Psychologie, den Neurowissenschaften, der Psychiatrie, der Philosophie und der Künstliche-Intelligenz-Forschung untersucht. Die wissenschaftliche Erforschung der Kognition wird unter dem Begriff der Kognitionswissenschaft zusammengefasst.
    Vgl gleichnamiger Artikel bei Wikipedia (Stand April 2013)
  • 136. Als Aggravation (von lat. aggravare: schwerer machen) wird das bewusst übertriebene Betonen vorhandener Krankheitssymptome aufgrund von „vermehrter“ Selbstbeobachtung bezeichnet. Ein Aggravant ist ein Patient, der seine Symptome übertrieben stark darstellt. Beim aggravierenden Patienten besteht im Unterschied zum Simulanten ein echtes Symptom, dessen Schwere jedoch nicht im Verhältnis zum objektiven Krankheitsbefund steht.
    Verbunden mit Aggravation ist meist ein Krankheitsgewinn wie finanzielle Begünstigungen, soziale Erleichterungen, Vermeidung von unliebsamen Konsequenzen oder vermehrte Aufmerksamkeit von der Umgebung.
    Ein Grund für die Aggravation kann auch die Erfahrung sein, dass eine reale Schilderung der Symptome zu wenig anerkannt oder banalisiert wurde. Mittels Aggravation wird dann versucht, dem vorausschauend zu begegnen.
    Das Gegenteil - das Herunterspielen oder Bagatellisieren von Krankheitssymptomen - bezeichnet man als Dissimulation.
    Vgl gleichnamiger Artikel bei Wikipedia (Stand April 2013)
  • 137. Die einfachste Form der rhetorischen Ironie besteht darin, das Gegenteil von dem zu sagen, was man meint (im dritten Beispiel wird unten eine kompliziertere Form gezeigt). Um Missverständnissen vorzubeugen, kann Ironie dabei von sogenannten Ironiesignalen (Mimik, Gestik, Betonung, Anführungszeichen usw.) begleitet sein, die den Zuhörer erkennen lassen, dass der Sprecher das Gesagte nicht wörtlich, sondern ironisch verstanden wissen will.
    In der Regel beruht das Verstehen von Ironie darauf, dass Sprecher und Hörer wissen, dass sie bestimmte Überzeugungen teilen, man spricht auch von „geteilten Wissensbeständen“. Die ironische Äußerung verstößt scheinbar gegen die geteilten Wissensbestände, der Sprecher verletzt die Erwartung des Hörers, dass gemeinsame Wissensbestände beachtet werden. Als theoretisches Modell zur Erklärung der Entschlüsselung der ironischen Äußerung gilt die Theorie der konversationellen Implikaturen von Paul Grice. Diese Theorie liefert Kriterien zur Entdeckung, jedoch keinen Hinweis auf die Funktion der Ironie.
    Vgl gleichnamiger Artikel bei Wikipedia (Stand April 2013)
  • 138. Als Stressoren (auch: Stressfaktoren) werden alle inneren und äußeren Reize bezeichnet, die Stress verursachen und dadurch das betroffene Individuum zu einer Anpassungsreaktion veranlassen. Der Organismus interpretiert die auf ihn einwirkenden Reize und ihre Auswirkungen für die jeweilige Situation und bewertet sie entweder positiv oder negativ.
    Nach einem Konzept von Hans Selye unterscheidet man zwei Arten von Stress: negativer Stress (auch Disstress oder Dysstress, engl. distress) und positiver Stress (auch Eustress).
  • 139. Unternehmen versinken im Datenmüll - Hrsg.: Wolfgang L. Brunner, Martin G. Bernhard, Jürgen Weber, Symposion Publishing, 1. Auflage 2011
  • 140. Information Overload and Children - A Survey of Texas Elementary School Students - Akin Lynn, School Library Media Quarterly Online (SLMQ), 1, 1998
  • 141. Tweet, Beitrag beim Mikroblogging-Dienst Twitter - Die Beiträge bei Twitter werden als „Tweets“ (von englisch to tweet ‚zwitschern‘) oder „Updates“ bezeichnet. Das referenzierte Wiederholen eines Beitrages einer anderen Person, um beispielsweise eine Eilmeldung im Netzwerk schnell weiterzuverbreiten, wird als „ReTweet“ bezeichnet. Das soziale Netzwerk beruht darauf, dass man die Nachrichten anderer Benutzer abonnieren kann. Autoren werden als „Twitterer“, seltener als „Tweeps“ bezeichnet; Leser, die die Beiträge eines Autors abonniert haben, werden als „Follower“ (v. engl. to follow ‚folgen‘) bezeichnet. Die Beiträge der Personen, denen man folgt, werden in einem Log, einer abwärts chronologisch sortierten Liste von Einträgen dargestellt. Der Absender kann entscheiden, ob er seine Nachrichten allen zur Verfügung stellen oder den Zugang auf eine Freundesgruppe beschränken will.
    Am 8. Januar 2010 hat die American Dialect Society den Begriff tweet zum Word of the Year 2009 gewählt.
    Vgl gleichnamiger Artikel bei Wikipedia (Stand April 2013)
  • 142. Die Click-Through-Rate (kurz: CTR; auch: Klickrate) ist eine Kennzahl im Bereich Internet-Marketing, welche die Anzahl der Klicks auf Werbebanner oder Sponsorenlinks im Verhältnis zu den gesamten Impressionen darstellt. Wird eine Werbung hundertmal angezeigt und dabei einmal angeklickt, beträgt die Klickrate 1 %.
    Die Click-Through-Rate bewegt sich bei klassischer Bannerwerbung im World Wide Web ohne gezielten Einsatz meist im Promillebereich – auf 1000 Anzeigen kommen bisweilen nur ein oder zwei Klicks. Bei guter Abstimmung von Werbung und Anzeigenumfeld lassen sich mit demselben Werbemittel auch Raten zwischen 1 und 3 Prozent erreichen. Neuere Werbeformen, die sich über die Webseite legen, gelangen hingegen nicht selten in den zweistelligen Prozentbereich, was auch mit „Fehlklicks“, also Klicks, die nicht der Werbung galten oder sie lediglich entfernen sollten, zusammenhängen kann.
    Diese Verhältnisse müssen insbesondere Anbieter von Werbeflächen beachten, die Werbung annehmen, die per Klick statt per Anzeige bezahlt wird.
    Die Klickrate wird häufig als ein vorrangiges Erfolgsmaß eines Werbemittels dargestellt. Dies ist aber gerade bei Kampagnen, die weniger dem Direktverkauf eines einzelnen Produktes als vielmehr der Markenbildung (Branding), also der Steigerung der Bekanntheit einer Marke oder eines Produkts dienen, eine nur teilweise zutreffende Annahme.
    Vgl gleichnamiger Artikel bei Wikipedia (Stand April 2013)
  • 143. Unternehmen versinken im Datenmüll - Hrsg.: Wolfgang L. Brunner, Martin G. Bernhard, Jürgen Weber, Symposion Publishing, 1. Auflage 2011
  • 144. Unternehmen versinken im Datenmüll - Hrsg.: Wolfgang L. Brunner, Martin G. Bernhard, Jürgen Weber, Symposion Publishing, 1. Auflage 2011
  • 145. PR-Log: iformation Overload - Cutting through the Garbage - Press Release 21. Dezember 2009
  • 146. Zustand einer ausgesprochen en geistigen und körperlichen Erschöpfung mit reduzierter Leistungsfähigkeit
  • 147. Ausgebrannt - Herbert J. Freudenberger, Geraldine Richelson 1981
  • 148. Unternehmen versinken im Datenmüll - Hrsg.: Wolfgang L. Brunner, Martin G. Bernhard, Jürgen Weber, Symposion Publishing, 1. Auflage 2011
  • 149. Der Begriff Multitasking bzw. Mehrprozessbetrieb bezeichnet die Fähigkeit eines Betriebssystems, mehrere Aufgaben (Tasks) nebenläufig auszuführen. Im Allgemeinen bietet der Prozessor hierzu auch unterstützende Strukturen. Die verschiedenen Prozesse werden in so kurzen Abständen immer abwechselnd aktiviert, dass der Eindruck der Gleichzeitigkeit entsteht. Multitasking ist somit ein Synonym für Zeit-Multiplexverfahren. Besitzt ein Computer mehrere CPU-Kerne, so dass er mehrere Aufgaben echt-gleichzeitig ausführen kann, so spricht man von Multiprocessing. In modernen Computern werden beide Verfahren kombiniert eingesetzt.
    Vgl gleichnamiger Artikel bei Wikipedia (Stand April 2013)
  • 150. Science Daily, Multi-Tasking Adversely Affects Brain's Learning, UCLA Psychologists Report, Los Angeles, 26. Juli 2006
  • 151. Ophir E., Nass C., Wagner A.D., Cognitive Control in Media Multitaskers, Proc Natl Acad Sci, USA, 15. September 2009
  • 152. Die Bezeichnungen Fatigue-Syndrom (FS), Erschöpfungs-Syndrom oder oft auch verkürzt Fatigue (französisch für Müdigkeit, übersetzt Erschöpfung) werden in der Medizin in unterschiedlichen Zusammenhängen verwendet. Fatigue ist ein Symptom, das verschiedene chronische Erkrankungen begleitet; es kann aber nach heutiger internationaler Auffassung auch eine selbstständige Krankheit darstellen.
    Neurologisch-kognitive manifestiert sich das Syndrom (mindestens zwei der Kriterien müssen erfüllt sein):
    • Beeinträchtigung der Konzentrationsfähigkeit und des Kurzzeitgedächtnisses,
      Schwierigkeiten mit der Informationsverarbeitung, der Kategorisierung, Wortfindungsschwierigkeiten einschließlich periodisch auftretender Lesestörungen,
    • es kann zu Überbelastungserscheinungen kommen: einer Überbelastung durch Informationen, kognitive oder sensorische Einflüsse und Belastungen (z. B. Lichtempfindlichkeit und Überempfindlichkeit gegenüber Lärm) und/oder einer emotionalen Überbelastung, die zu Rückfällen und/oder Ängsten führen kann,
    • Wahrnehmungs- und sensorische Störungen,
    • Desorientierung oder Verwirrung,
    • Ataxien (Bewegungskoordinationsstörungen).

    Vgl gleichnamiger Artikel bei Wikipedia (Stand April 2013)

  • 153. Das Eisenhower-Prinzip ist eine Möglichkeit, anstehende Aufgaben in Kategorien einzuteilen. Dadurch sollen die wichtigsten Aufgaben zuerst erledigt und unwichtige Dinge aussortiert werden. Es wurde von US-Präsident und Alliierten-General Dwight D. Eisenhower praktiziert und gelehrt.
    Alle Aufgaben werden anhand der Kriterien wichtig/nicht wichtig und dringend/nicht dringend in vier Quadranten verteilt. Alle Aufgaben im Quadrant nicht wichtig/nicht dringend werden nicht oder nicht selber erledigt.
    Die Einteilung erfolgt wie folgt (im englischen Sprachraum sind die Quadranten anders benannt):
    Die Y-Achse beschreibt die Wichtigkeit einer Aufgabe. Wenn eine Aufgabe oben angesiedelt ist, so ist sie wichtig. Ist sie unten angesiedelt, ist sie unwichtig.
    Die X-Achse beschreibt die Dringlichkeit einer Aufgabe. Ist eine Aufgabe links angesiedelt, so ist die Aufgabe dringend. Ist die Aufgabe rechts angesiedelt, so ist sie nicht dringend.
    Es ergeben sich vier Kombinationsmöglichkeiten der Faktoren Wichtigkeit und Dringlichkeit, deren Aufgaben jeweils eine bestimmte Art und Weise der Bearbeitung zugeordnet wird. Die sich ergebenden Quadranten werden in der Praxis durchnummeriert (Quadrant I, II, III und IV), und die sich ergebenden Aufgaben häufig A-, B-, C-, und D-Aufgaben genannt:





    Das Eisenhower-Prinzip kann in der Dienstleistung bei knappen Ressourcen als Fortentwicklung von Triage effektiv eingesetzt werden.
    Das Eisenhower-Prinzip wird heutzutage gelegentlich kritisch betrachtet, da ein gutes Zeitmanagement gerade dringende Aufgaben verhindern soll. Die Priorisierung/Einteilung der Aufgaben wird demzufolge vorwiegend nach dem Kriterium „Wichtigkeit“ vorgenommen. Grundlage der Kritik ist u. a. die Erkenntnis, dass wichtige Aufgaben selten dringend und dringende Aufgaben selten wichtig sind. Allerdings handelt es sich hier um eine Methode eines militärischen Oberbefehlshabers, und im Krieg können Aktivitäten des Gegners sehr wohl unvorhersehbare und „äußerst dringende und wichtige“ Folgen haben.
    Zur Bestätigung der Relevanz des Eisenhower-Prinzips auch für nicht-militärische Zusammenhänge kann angeführt werden, dass auch bei jeder geplanten Arbeit und jedem geplanten Freizeitvorhaben unvorhersehbare Ereignisse eintreten können, die bestimmte Aufgaben wichtig und dringend machen. Beispiel für Arbeit: Arbeitsplatzrechner fällt aus. Beispiel für Freizeit: Verkehrsmittel hat Panne
    Vgl gleichnamiger Artikel bei Wikipedia (Stand April 2013)

  • 154. Entscheidungsmatrix:
    • Kriterien für die Entscheidungssituation suchen
    • Entscheidungsmatrix erstellen
    • Matrix bewerten nach dem umgekehrten Schulnotensystem (1 entspricht schlecht und 6 entspricht sehr gut)


    • Punkte addieren und die Matrix auswerten (es verliert die Aufnahme einer Arbeitsstelle bei der Breubel KG )

    Eine weitere Verfeinerung wäre die gewichtete Entscheidungsmatrix. Die bewertete Entscheidungsmatrix ist eine Entscheidungsmatrix, in der die einzelnen Kriterien gewichtet werden. Diese Gewichtung ist dann angesagt, wenn nicht alle Kriterien für den Anwender dieselbe Wichtigkeit oder Bedeutung haben. Man erweitert also die bestehende Entscheidungsmatrix um gewichtete Noten:



    • Erweiterung der Tabelle um eine weitere Spalte, in der die verschiedenen Kriterien prozentual gewichtet werden. Die wichtigsten Kriterien bekommen eine höhere Prozentzahl, als die weniger wichtigen.
    • Alle Gewichtungen ergeben zusammengezählt 100%. Die durchschnittliche oder normale Wichtigkeit für ein Kriterium ergibt sich, indem Sie 100% durch die Anzahl der Kriterien teilen.Im Beispiel ergibt die Division von 100% durch die Anzahl Kriterien (5) je 20 Prozent pro Kriterium als durchschnittliche Wichtigkeit.
    • Werte mit mehr als 20 Prozent sind in diesem Fall überdurchschnittlich wichtig und Werte unter 20 Prozent sind unterdurchschnittlich wichtig. Falls man nun ein Kriterium als wichtiger als normal einstufen möchte, dann erhöht man den Durchschnittswert 20 Prozent erhöhen. Gleichzeitig ist aber auch bei einem anderen Kriterium die Prozentzahl vermindern, damit die Gesamtsumme von 100 Prozent erhalten bleibt.
    • Im nächsten Schritt multipliziert man die Noten mit der Gewichtung und addiert dann die so gewonnenen gewichteten Noten. Man multipliziert also die neu verteilten Punkte (1-6) mit der Gewichtung und erhält auf diese Art gewichtete Noten.
    • Abschließend addiert man wieder und bildet die jeweilige Summe am Ende der Tabelle. Es ergibt sich die Summe der jeweils gewichteten Noten.

    Vgl gleichnamiger Artikel bei Wikipedia (Stand April 2013)

  • 155. Letztlich zeigt die bisherige Entwicklung, dass stetig Software- und Technologielösungen zur Speicherung von Daten entwickelt und angeboten werden. Es fehlt aber bisher ein umfassender Unternehmensprozess zur Eindämmung des Datenwachstums. Ein Projektmodell zur Einführung des Datenmüll-Management-Prozesses ist das Modell von Martin G. Bernhard. Es wird ein Projektmodell für die Einführung des Datenmüll-Management-Prozesses vorgestellt, somit ein konkretes Projektmodell zur Einführung eines Datenmüll-Management-Prozesses. Es reicht von der Identifikation der Datenmüllbereiche, des Datenmülls und der Orte, an denen er entsteht, bis zum Monitoring der Datenmüllbereiche. Dieses Projektmodell kann in der Praxis für die Einführung eines Datenmüll-Management-Prozesses in jedem Unternehmen und jeder Institution angewendet werden. Es muss auf die jeweilige Situation des Unternehmens bzw. der Institution zugeschnitten werden.
    Im Rahmen dieses Projektmodells sind folgende Themen abzuarbeiten:
    • der Datenmüll-Management-Prozess mit seinen Haupt- und Teilprozessen,
    • die Rolle eines Datenmüll-Managers,
    • Templates zur Erfassung des Datenmülls,
    • ein Maßnahmenkatalog mit konkreten Vorschlägen zur Eindämmung sowie kurz- bis mittelfristigen Reduzierung des Datenmülls und Kennzahlen zur Ermittlung und Steuerung des Datenmülls.
  • 156. Auswege für Privatpersonen sind:
    • Feste Zeiten zur Abarbeitung von E-Mails einplanen
    • Arbeiten mit einer Entscheidungsmatrix zum Aussortieren unnützer Informationen (Eisenhower-Prinzip, TRAF-Matrix)
    • Informationen reduzieren - Abmeldung von BLogs, Newslettern, RSS
    • Anstatt sich mit Informationen überschütten zu lassen, sollte man besser später in aller Ruhe nachrecherchieren. Pausen einlegen, um wieder Energie zu tanken
    • Eher einen Spaziergang einlegen, als eine Zeitung zu lesen
  • 157. Aufgrund der Anwendung elektrischer Ströme zur „Behandlung“ von Kriegshysterikern bezeichnete Siegmund Freud im Prozess um den Wiener Psychiater Julius Wagner-Jauregg – der das Verfahren angewandt hatte – das Verhalten der Militärpsychiater gegenüber ihren Patienten im Ersten Weltkrieg als „Maschinengewehre hinter der Front“. In der Vernehmung sagte Freud: „Aber ebenso ist es richtig, daß wir so etwas wie ein Volksheer hatten, daß der Mann zum Kriegsdienst gezwungen war, daß er nicht gefragt wurde, ob er gerne in den Krieg geht, und man mußte daher darauf gefaßt sein, daß die Leute flüchten wollten, und den Ärzten ist etwas wie die Rolle von Maschinengewehren hinter der Front zugefallen, die Rolle, die Flüchtigen zurückzutreiben“ (Eissler, K. R. (1979): Freud und Wagner-Jauregg vor der Kommission zur Erhebung militärischer Pflichtverletzungen, Wien : Löcker Verlag. Hier 53).
  • 158. Was soll die Gesellschaft mit der Depression tun? am 17. Juni 2012 auf Suite101.de
  • 159. In einer Studie über ein Jahr sind 60 Menschen im Alter zwischen 55 und 80 Jahren regelmäßig zum Aerobic angetreten. Diese körperliche Ertüchtigung führte dann dazu dass der Hippocampus im Durchschnitt um zwei Prozent gewachsen ist
  • 160. Schwermut ohne Scham - Der Spiegel 6/2012
  • 161. sagt der Psychiater Mazda Adli, der es selbst vormacht. Mit anderen Ärzten und Kollegen hat er den Chor The Singing Shrinks gegründet: Seelenklempner (englisch: shrinks) singen, um ihren Stress abzubauen.
  • 162. Schwermut ohne Scham - Der Spiegel 6/2012
  • 163. Schwermut ohne Scham - Der Spiegel 6/2012
  • 164. Kessler RC, McGonagle KA, Zhao S, Nelson CB,
    Hughes M, Eshleman S, Wittchen HU, Kendler KS (1994) Lifetime and 12-month prevalence of DSM-III-R psychiatric disorders in the United States. Results from the National Comorbidity Survey. Arch Gen Psychiatry 51, 8–19.
  • 165. Angst J, Gamma A, Rössler W, Ajdacic V, Klein DN (2009) Long-term depression versus episodic major depression: Results from the prospective Zurich study of a community sample. J Affect
    Disord 115, 112 - 121.
  • 166. Störungsspezifische Behandlung chronischerDepressionen - Elisabeth Schramm und Jan Philipp Klein, Neurotransmitter 5/2012
  • 167. Visualisiert durch den Kernspintomografen wurden am Universitätsklinikum Freiburg 60 Teilnehmer mit schweren chronischen Depressionen, bei vielen kommen noch frühkindliche Traumata oder Persönlichkeitsstörungen, die bisher als kaum behandelbar galten. Diesen Menschen zu helfen, hat sich die Psychologin Elisabeth Schramm zum Ziel gesetzt. Diese sollten ihre erlernte Hilflosigkeit besiegen.
    Zwei Gruppen wurden gebildet. Die eine Hälfte bekam ein Antidepressivum, die andere erhielt die neue Form der Psychotherapie mit dem Ziel, den Patienten die Folgen ihres eigenen Verhaltens klarzumachen. Zudem sollen sie lernen, sich besser in andere Menschen hineinzuversetzen.
    Viele Patienten sprachen gut auf die Therapie an - und die Gehirnscans bestätigten es. Es kam zu spezifischen Änderungen in den untersuchten Gehirnen.
  • 168. Schwermut ohne Scham - Der Spiegel 6/2012
  • 169. Die chronische Depression und deren psychotherapeutische BehandlungPD Dr. Elisabeth Schramm 29. Januar 2009
  • 170. Die chronische Depression und deren psychotherapeutische BehandlungPD Dr. Elisabeth Schramm 29. Januar 2009
  • 171. Schwermut ohne Scham - Der Spiegel 6/2012
  • 172. Referat Elisabeth Schramm
  • 173. Chronische Depression: Wie man aus dem Dauertief rauskommt - Der Spiegel 16. Oktober 2011
  • 174. Ronald C. Kessler von der Harvard University 2005. Eine repräsentative Studie aus Kanada kam mit 2,7 Prozent zu ähnlichen Ergebnissen.
  • 175. Störungsspezifische Behandlung chronischerDepressionen - Elisabeth Schramm und Jan Philipp Klein, Neurotransmitter 5/2012
  • 176. vgl. Praxisbuch CBASP - Behandlung chronischer Depression - Eva-Lotta Brakemeier und Claus Normann, 2012
  • 177. McCullough JP. (2000). Treatment for Chronic Depression. Cognitive Behavioral Analysis System of Psychotherapy. Guilford Press, New York, NY.
  • 178. auf Deutsch: Schramm E, Schweiger U, Hohagen F, Berger M. (2006). Psychotherapie für chronische Depression: Cognitive Behavioral Analysis System of Psychotherapy – CBASP. Elsevier, München.
  • 179. Piaget J (1981) Intelligence and Affectivity: Their Relationship during Child Development. Annual Reviews, Palo Alto, CA
  • 180. Kognitive Entwicklung
    Die Stadien der kognitiven Entwicklung werden nach Piagets Entwicklungsmodell wie folgt eingeteilt: (vgl. auch Klann-Delius (1999))
    1. Stadium der Sensomotorischen Intelligenz (0–2 Jahre): Erwerb von sensomotorischer Koordination, praktischer Intelligenz und Objektpermanenz; Objektpermanenz aber noch ohne interne Repräsentation
    2. Stadium der Präoperationalen Intelligenz (2–7 Jahre): Erwerb des Vorstellungs- und Sprechvermögens; gekennzeichnet durch Realismus, Animismus und Artifizialismus (zusammenfassend: Egozentrismus); kann nun zwischen belebt und unbelebt unterscheiden
    3. Stadium der Konkret-operationalen Intelligenz (7–12 Jahre): Erwerb von Dezentrierung, Reversibilität, Invarianz, Seriation, Klasseninklusion und Transitivität
    4. Stadium der Formal-operationalen Intelligenz (ab 12 Jahre): Erwerb der Fähigkeit zum logischen Denken und der Fähigkeit, Operationen auf Operationen anzuwenden

    Diese vier Stadien haben folgende Charakteristika:

    • die einzelnen Stadien folgen aufeinander; ein Stadium muss durchlaufen sein, bevor das nächste folgen kann
    • die Stadien sind universell, d.h. sie kommen in allen Kulturen vor
    • die Stadien sind durch qualitative, nicht nur durch quantitative Unterschiede voneinander abgegrenzt
    • in den Stadien wird durch die Prozesse Assimilation und Akkommodation eine bessere Anpassung der Person an die durch die Umwelt bedingten Gegebenheiten (Adaptation) angestrebt. Insbesondere Akkommodation geschieht, wenn durch neue Erfahrungen ein Ungleichgewicht zwischen den bereits aufgebauten kognitiven Strukturen und realen Situationen festgestellt wird. Diese beiden Prozesse werden durch Reifung, durch Erfahrung und durch Erziehung angeregt und dies führt zum Durchlaufen der einzelnen kognitiven Stadien.

    Vgl gleichnamiger Artikel bei Wikipedia (Stand April 2013)

  • 181. Die präoperationale Entwicklungsphase nach der kognitiven Theorie Piagets ist gekennzeichnet durch eine enge Gebundenheit des Denkens an Konkretem und die eigenen Handlungen. Es besteht eine Tendenz zur Zentrierung auf eine Dimension (eine Perspektive, einen Zustand etc.). Das präoperatorische Stadium umfasst die Phase etwa vom zweiten, dritten bis zum sechsten, siebenten Lebensjahr, in der ein Kind lernt, Sprache zu verwenden, jedoch die Denkoperationen der konkreten Logik noch nicht begreift.
    Vgl gleichnamiger Artikel bei Wikipedia (Stand April 2013)
  • 182. Wiersma, JE, Hovens, J., van Oppen, P., Giltay, E., van Schaik, A., Beekman, A.T.F. & Penninx, B.W.J.H. (2009). Childhood trauma as a risk factor for chronicity of depression. Journal of Clinical Psychiatry 7, 983-989.
  • 183. Chronische Depression: Wie man aus dem Dauertief rauskommt - Der Spiegel 16. Oktober 2011
  • 184. Störungsspezifische Behandlung chronischerDepressionen - Elisabeth Schramm und Jan Philipp Klein, Neurotransmitter 5/2012
  • 185. Sparring (engl. spar with someone „sich mit jemandem auseinandersetzen“) ist eine Form des Trainings, die es in vielen Kampfsportarten gibt. Es handelt sich um ein Kämpfen ähnlich wie im Wettkampf, jedoch mit geänderten Regeln und Vereinbarungen, die Verletzungen weitgehend verhindern sollen. Die Absicht des Sparrings ist, die Fähigkeiten der Teilnehmer zu verbessern, während im Wettkampf ein Sieger ermittelt werden soll. Das Wort wurde im deutschsprachigen Raum zunächst nur für das Boxen verwendet. Für Sparring werden z. T. zusätzlich gepolsterte Box-Handschuhe genutzt. Die Handfläche ist je nach Box-Art frei oder auch geschlossen.
    Vgl gleichnamiger Artikel bei Wikipedia (Stand April 2013)
  • 186. “Dominanzfalle" meint, dem automatischen Impuls nachzugeben, auf entgegengebrachte Feindseligkeit mit Feindseligkeit zu reagieren, oder die therapeutische Arbeit dem Patienten abzunehmen vgl. Praxisbuch CBASP - Behandlung chronischer Depression - Eva-Lotta Brakemeier und Claus Normann, 2012
  • 187. das wies ein Team um den Psychiater Martin B. Keller von der Brown University in Providence (Rhode Island) im Jahr 2000 nach. Die Forscher werteten Daten von rund 600 chronisch depressiven Probanden zwischen 18 und 75 Jahren aus, die 12 Wochen lang in Behandlung waren. Hatten die Betroffenen entweder ein Antidepressivum erhalten oder an 12 bis 16 CBASP-Sitzungen teilgenommen, verringerten sich die Symptome deutlich bei mehr als jedem zweiten Patienten. Auf eine kombinierte Behandlung sprachen sogar erstaunliche 85 Prozent der Probanden an.
  • 188. Nemeroff CB, Heim CM, Thase ME, Klein DN, Rush AJ, Schatzberg AF, Ninan PT, McCullough JP, Weiss P, Dunner DL, Rothbaum BO, Kornstein SG, Keitner G & Keller MB (2003). Differential responses to psychotherapy versus pharmacotherapy in the treatment of patients with chronic forms of major depression and childhood trauma. Proceedings of the National Academy of Sciences 100, 14293-14296.
  • 189. Dass Spiritualität für manche Alkoholiker die letzte Rettung sein kann, fasste der Psychiater C. G. Jung 1961 in einem Brief an den Mitgründer der AA Bill W. mit dem Wortspiel „spiritus contra spiritum“ (lat. „Geist gegen Weingeist“) zusammen.
  • 190. Beate Robertz-Grossmann, Sigrid Droste: Die Anonymen Alkoholiker - Eine Literaturanalyse des Programms einer Selbsthilfegruppe für alkoholkranke Menschen. 2003
  • 191. Hans Praschniker: Soziodemografischer Hintergrund, Alkoholismuskarriere, Abstinenzdauer, Selbstbild und Persönlichkeit von genesenden Alkoholikern: Eine Erkundungsstudie an Anonymen Alkoholikern. Dissertation, Universität Graz, 1984
  • 192. Amoklauf in Newtown: Der SPIEGEL blendet das Thema Medikamente als mögliche (Mit)Ursache erneut fahrlässig aus im Spiegel-Blog vom 17. Dezember 2012
  • 193. Gun control? We need medication control! in der reißerischen Natural News vom 16. Dezember 2012

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