Neuroleptika (Antipsychotika)

Neuroleptika (Antipsychotika)

Was sind Neuroleptika?

Neuroleptika zielen darauf ab, mentale Prozesse im Gehirn indirekt zu beeinflussen. Diese chemischen Substanzen entfalten im Organismus spezielle Wirkungen verändern dadurch die Geistestätigkeit und die Psyche. Sie gehören zur Gruppe der Psychopharmaka. Neuroleptika und Antidepressiva spielen unter ihnen die größte Rolle. Teilweise kommen auch noch Tranquilizer zum Einsatz. Neuroleptika finden meistens Anwendung bei Psychose, Wahn, Schizophrenie, Paranoia usw. Doch gibt es viel umfassendere medizinische Indikationen. Die Rote Liste, das offizielle bundesdeutsche Verzeichnis der handelsüblichen Medikamente, führt sie alle auf: An Menschen sollen Neuroleptika Anwendung finden bei Psychosen, Neurosen und Depressionen aller Art, Denk- und Ich-Störungen, Schlaf- und Verhaltensstörungen bei Kindern und Alten, Stimmungslabilität, psychisch bedingten Versagenszuständen, Stottern, psychosomatischen Erkrankungen, schwerem Schluckauf, Reiseübelkeit, Juckreiz, zur Erleichterung einer Geburt, zur Unterstützung von Psycho- oder Gastritistherapie u.v.m.

Die Psychiater setzen inzwischen die Neuroleptika ebenso vielfältig ein wie die Normal- oder Tiermediziner. Die Tiermediziner verabreichen die gleichen Substanzen, die in der Psychiatrie als antipsychotische Medikamente Einsatz finden. Das »Lexikon der Tierarzneimittel«1 empfiehlt Neuroleptika zur »Ruhigstellung aggressiver Tiere aller Art, insbesondere bei Verladungen, Transport, Beschlag sowie Untersuchungen und zur Vorbereitung auf Operationen, diagnostische Eingriffe; bei Ferkelfressen der Sau, Fremdkörperoperationen, Anmelken, Umstallung, Geburtshilfe, Kaiserschnitt, Kastration... Beruhigung aggressiver Pferde, Schweine und Rinder und anderer Tiere... Zur Vermeidung von Beißereien beim Umgruppieren von Schweinen, gegen Schwanzbeißen und Kannibalismus.«

Führende Arzneimittel 2007 - Januar bis Juni 2007
Rang Präparat Umsatz Rang Präparat Umsatz
Mio € %Änderung Mio € %Änderung
1 Risperdal® 122,1 +17,1 16 NeoRocomon® 74,3 -2,8
2 Zyprexa® 115,7 +9,0 17 Seroquel® 71,1 -2,8
3 Enbrel® 113,3 +18,5 18 Nexium® 70,6 -39,0
4 Symbicort® 102,8 +9,7 19 ActRapid® human 70,0 +15,5
5 Plavix® 102,5 -2,7 20 Clexane® 69,4 +14,5
6 Rebif® 100,3 +2,7 21 Lantus® 68,8 +0,8
7 Humira® 100,2 +49,7 22 Inegy® 66,7 +19,2
8 Glivec® 95,9 +8,7 23 Copaxone® 66,1 +5,8
9 Viani® 93,8 -3,3 24 Erypo® 65,9 +5,9
10 Betaferon® 89,3 +4,5 25 Omep® 64,0 +7,7
11 Aranesp® 87,4 +10,6 26 Trevilor® 63,7 +14,8
12 Spiriva® 86,6 +21,0 27 Lyrica® 57,4 +18,3
13 Pantozol® 80,7 -35,8 28 Arimidex® 56,3 +8,5
14 Avonex® 78,9 +1,0 29 Actraphane® 55,5 -1,3
15 Iscover® 76,3 -7,7 30 Sifrol® 53,2 Neuer Hit
Summe Rang 1-30 2.418,8
Gesamtsumme 12.203,5 -0,6%
Bruttoumsatz nach GAmSI vom 22. August 2007 http://gamsi.de

Newsticker

Der US-Pharmakonzern Eli Lilly hat den bereinigten Gewinn im ersten Quartal 2011 stärker als erwartet gesteigert, um sechs Prozent auf 1,375 Milliarden US-Dollar. Bei den einzelnen Medikamenten stach das Antidepressivum Cymbalta mit einem zweistelligen Umsatzwachstum heraus. Bei dem für Eli Lilly wichtigsten Medikament, dem "Schizophrenie"-Mittel Zyprexa, legte der Umsatz dank höherer Preise um sechs Prozent zu 2
Lilly gelang es auch, kurz vor Auslaufen des Patentschutzes für Zyprexa Rabattverträge mit der Techniker Krankenkasse, der Barmer, der DAK und weiteren Kassen abzuschließen. Betroffen seien mehr als 41 Millionen Versicherte, die nun als Nachfrager für die bald auf dem Markt erscheinenden und bei weitem preiswerteren Generika ausfielen 3

Die Zahl der Verschreibungen von Antipsychotika (Neuroleptika) hat sich in den USA in den vergangenen zehn Jahren fast verdreifacht, dort zählen diese Arzneien inzwischen zu den am häufigsten verordneten Substanzen. 4.

Typische und atypische Neuroleptika

Vergleich
Atypische Neuroleptika : Die täglichen Kosten der atypischen Neuroleptika sind um ein Vielfaches (bis 11-fach) höher als diejenigen des in den Studien meist als Referenzsubstanz eingesetzten Haloperidols5
Wirkstoff Präparat Dosis (mg/Tag) Kosten für 4 Wochen
Amisulprid Amisulid®, Solian® 400 62,49 €
Amisulprid Generikum 400 62,32 €
Aripiprazol Abilify® 15 190,20 €
Clozapin Elcrit® 300 70,77 €
Leponex® 300 85,09 €
Clozapin Generikum 300 57,98 €
Olanzapin Zyprexa® 10 177,40 €
Quetiapin Seroquel® 400 152,20 €
Risperidon Risperdal® 4 127,82 €
Ziprasidon Zeldox® 80 129,35 €
Preise: Lauertaxe, Stand: 15.11.2006
Typische Neuroleptika
Wirkstoff Präparat Dosis (mg/Tag) Kosten für 4 Wochen
Fluphenazin Lyogen retard® 6 25,02 €
Flupentixol Fluanxol® 10 32,19 €
Haloperidol Haldol®, Generika 10 ab 10,54 €
Perazin Taxilan®, Generikum 200 ab 23,51 €
Perphenazin Decentan® 24 34,54 €
Perphenazin Generikum 24 30,53 €
Pimozid Orap® 4 16,76 €
Zotepin Nipolept® 100 19,14 €
Zuclopenthixol Ciatyl-Z® 50 28,66 €
Preise: Lauertaxe, Stand: 15.11.2006

Die geringer dosierten Neuroleptika der ersten Generation sind denen der zweiten Generation ebenbürtig. Dies ist das Ergebnis einer aktuellen Studie, bei der mehr als 9.000 wissenschaftliche Arbeiten ausgewertet wurden. Wenn also die Patienten die Präparate der ersten Generation gut vertragen, dann sollte diesen der Vorzug gegeben werden. "Nach meinen Erfahrungen kann man einem psychisch Kranken nicht einfach mit Medikamenten helfen, sondern er braucht dringend eine ganz dichte, menschliche und fachärztliche Begleitung. Das Gespräch findet ganz selten statt", sagte in diesem Zusammenhang die Vorsitzende der Angehörigen psychisch Kranker aus Hannover. 6.

Nebenwirkungen und Spätfolgen
Beispiel Seroquel®

Nebenwirkungen, Risiken und Vorsichtsmaßnahmen von Quetiapin (Seroquel®)7

  • Kontinuierliche Blutdrucküberwachung zu Beginn der Behandlung (Orthostatische Hypotonie) 8
  • Die Applikation von Quetiapin sollte von regelmäßigen Kontrollen des Blutbildes (Leukopenie) 9 10und der Leberenzyme (Leberversagen) begleitet werden 11
  • Somnolenz (Kein Führen von Kraftfahrzeugen oder Bedienen von Maschinen) 12
  • Regelmäßige augenärztliche Kontrollen (Gefahr der Katarakt) 13
  • Metabolische Störungen: Gewichtszunahme, Hyperglykämie, Diabetes mellitus, Hyperlipidämie 14 15
  • Erhöhung der Plasmakonzentration von Quetiapin bei gleichzeitiger Gabe von CYP3A4-Inhibitoren (z. B. Azol-Antimykotika, Grapefruitsaft)
  • Keine Anwendung von Quetiapin während der Schwangerschaft und Stillzeit 16
Nebenwirkungen atypischer Neuroleptika

Gewichtszunahme

Neben bleibenden Schäden im Gehirn drohen auch Schädigungen des Stoffwechsel. In einer Studie 17 fanden die Forscher heraus, dass Aripiprazol, Olanzapin, Quetiapin und Risperidon zu einer beträchtlichen Gewichtszunahme führten. Die Fettsucht geht wiederum einher mit einer erhöhten Sterblichkeit durch Herz- und Gefäßerkrankungen sowie eine Anfälligkeit für Krebsleiden18.

Folgen für Embryonen

Antipsychotika sind plazentagängig. Also werden während der Behandlung der Schwangeren auch die Feten exponiert. Nach der Geburt treten dann Entzugserscheinungen ein, die sich durch vermehrte Agitation, Störungen des Muskeltonus (zu hoch oder zu niedrig), Tremor, Schlaflosigkeit, schwere Atemstörungen und Problemen bei der Fütterung bemerkbar machen. Die Einnahme von Antipsychotika in der Spätschwangerschaft kann also beim Neugeborenen zu extrapyramidalen Zeichen und Entzugssymptomen führen. Diese Warnung lässt die amerikanische Arzneimittelzulassungsbehörde FDA jetzt in den Fachinformationen aller Wirkstoffe einfügen. 19

Antipsychotika führen zu Entzugssymptomen bei Neugeborenen. Nach der US-amerikanischen FDA warnen auch die europäischen Arzneibehörden davor, dass die Einnahme von Antipsychotika in der Spätschwangerschaft zu extrapyramidalen Symptome und/oder Entzugserscheinungen beim Neugeborenen führen kann 20.

Nehmen Frauen während der Schwangerschaft Antipsychotika ein, können beim Nachwuchs motorische Defizite auftreten. 21

Folgen für das Gehirn

Mittel gegen Schizophrenie könnten das Leiden, das sie heilen sollen, sogar verschlimmern. Die US-amerikanische Psychiaterin Nancy Andreasen hat das Gehirn von mehr als 200 Schizophreniepatienten im Kernspintomografen untersucht - und stellte strukturelle Anomalien in diversen Gehirnregionen fest - die Gehirn waren geschrumpft. Dabei galt: Je mehr Medikamente sie genommen hatten, desto schlimmer der Schwund. Dieser Verlust von Nervengewebe scheint wiederum die Kognition der Betroffenen einzuschränken. So werden sie also nachweislich dümmer, und ihre schizophrenen Anwandlungen werden sie auch nicht los. Im vergangenen Jahr bestätigte eine Studie22 mit 965 schizophrenen Menschen das Ergebnis.23

Die Behandlung mit antipsychotischen Medikamenten kann die Aktivität humaner endogener Retroviren (HERVs) in Gehirnzellen von Patienten mit Schizophrenie oder bipolaren Erkrankungen verstärken. Der Einfluss der Medikamente, den die Wissenschaftler des Helmholtz Zentrums München auf sogenannte epigenetische24 Effekte zurückführen, erstreckt sich jedoch nicht auf alle Typen von Retroviren.25.
Humane endogene Retroviren (HERVs) machen etwa neun Prozent des Genoms aus und sind Relikte von Keimbahninfektionen, die durch exogene Retroviren vor etwa 30 bis 40 Millionen Jahren erfolgten. Seitdem haben sich HERVs durch Retrotransposition und Reinfektion in unserem Genom vermehrt. Die Expression der HERVs wird normalerweise durch epigenetische Maßnahmen der Wirtszelle verhindert. Umwelteinflüsse wie Strahlung oder Chemikalien können HERVs reaktivieren.
Die Resultate weisen darauf hin, dass Medikamente grundsätzlich auch daraufhin untersucht werden sollten, ob sie in den Zielzellen zu epigenetischen Veränderungen führen. Nicht nur endogene Retroviren, auch zelluläre Gene könnten aktiviert oder inaktiviert werden und dadurch möglicherweise schwerwiegende Nebenwirkungen auslösen

Dasselbe gilt auch für Antiepileptika: Zum Beispiel greift die Valproinsäure (wird bei Epilepsie und verschiedenen psychischen Erkrankungen verschrieben), direkt in die Genregulation ein. Dabei werden dann plötzlich Gene abgelesen werden, die normalerweise nicht aktiv sind. Endogene Retroviren, die wieder aktiv werden, können wiederum krank machen. Kaum erforscht wurde bislang, ob und wann genau sie den Körper schädigen26
Der genetische Bauplan von Mensch, Tier und Pflanze, die DNA, ist ganz offenbar nicht nur ein Produkt der Vererbung. Wie bei Bakterien scheint es auch bei höheren Organismen nämlich eine ständige Durchmischung des Erbmaterials zu geben: einen horizontalen Gentransfer.
Was einen Hund zum Hund macht, ist seine als DNA gespeicherte Erbinformation: Das Genom also. Er erhielt es je zur Hälfte von seiner Mutter und von seinem Vater, und die bekamen es von ihren Eltern und so weiter. So funktioniert biologische Vererbung. Von Generation zu Generation. Vertikaler Gentransfer nennen das Wissenschaftler. Das Prinzip dahinter ist der Sex, die geschlechtliche Fortpflanzung.
Springende Gene sind Teile der Erbinformation, die nicht an einem Ort verbleiben. Sie verlassen immer wieder ihren Platz auf dem Erbmolekül DNA und lassen sich woanders nieder. So springen sie im Erbgut von Chromosom zu Chromosom. Normalerweise verharren sie jedoch in ihrer Zelle - als Teil des Organismus, zu dem sie gehören.

Ein solches springendes Gen ist Tc 1. Die Forscher entdeckten insgesamt 6600 Tc-1-Kopien im Erbgut von parasitär lebenden Neunaugen. Die Kopien machen etwa ein Prozent des gesamten Neunaugen-Genoms aus. Immer wieder die gleiche, scheinbar sinnlose Wiederholung. Tc 1 kommt nicht nur in Neunaugen vor, sondern auch in atlantischen Lachsen vor, in Katzenwelsen und vielen nicht näher miteinander verwandten Fischarten. Weder Kugelfische, Stichlinge noch Zebrafische besaßen das springende Gen aus dem Neunauge. Und auch nicht Säugetiere oder Frösche. Die verschiedenen Arten können das genetische Element nicht von den Neunaugen geerbt haben. Das Erbmaterial wurde stattdessen wie eine Infektion von Fisch zu Neunauge und von Neunauge zu Fisch übertragen - also von Art zu Art.

Bei Bakterien ist der horizontale Genfluss der Normalfall. Bakterien verschiedener Arten tauschen ständig Erbinformationen aus - zum Beispiel, wenn es darum geht, sich vor Antibiotika zu schützen. Die Bakterien treten miteinander in Kontakt, und ein Resistenz-Gen gegen Antibiotika wandert von einem Bakterium zum nächsten. Und manchmal eben auch von einer Art zur anderen. Unter Bakterien hält man also zusammen und bildet einen gemeinsamen großen Gen-Pool.
Man ging davon aus, dass dieser Mechanismus nicht gilt für höhere Organismen wie etwa Fische. Wie genetische Elemente vom Fisch zum Neunauge und dann wieder zu einem anderen Fisch gelangen, darüber können die Evolutionsbiologen nur spekulieren.
Wenn genetisches Material, also DNA, in das Erbgut der Keimzellen - in Eizellen oder Spermien - eingebaut wird, kann es anschließend weiter vererbt werden. Ganz klassisch durch üblichen vertikalen Gentransfer von Generation zu Generation.

Die Biologen haben das shuffling - die ständige Durchmischung des Erbmaterials - lange als irrelevant betrachtet. Dabei könnte es eine bedeutende Rolle zu spielen - nicht nur für Tiere und Pflanzen, sondern auch für den Menschen. Auch wir Menschen stehen in Kontakt mit reisenden Genen. Sie erreichen und infizieren uns in Form von Viren.
Viren sind keine vollwertigen Lebewesen: Sie bestehen aus ein wenig Erbinformation in einer einfachen Verpackung. Sie besitzen keinen eigenen Stoffwechsel, sondern sie kapern andere Zellen, um sich in diesen Zellen zu vermehren. Dabei verursachen sie Krankheiten wie Schnupfen, Grippe, Masern oder Aids. Manche Viren werden vom menschlichen Immunsystem erkannt und vernichtet. Andere ziehen weiter und infizieren den nächsten Menschen.

Doch beschreiten manche Viren einen zweiten Weg: Sie nisten sich im Erbgut des Menschen ein und verstecken sich darin. Das Immunsystem kann sie dann nicht mehr entdecken. Zu diesen Viren gehören die Retroviren. Ihr bekanntester Vertreter ist der Aids-Erreger HIV.
Sich einfach in das Erbgut eines Wirts einzubauen, ist ein genialer Trick der Viren, der in der Evolution immer wieder funktioniert hat: Die Viren stecken unerkannt im Erbgut von Pflanze, Tier oder Mensch und werden bei der Fortpflanzung weiter vererbt.
Im Laufe von Jahrmillionen Evolution wurden viele Viren durch kleine Veränderungen und Anpassungen zu "inneren" Viren - den endogenen Retroviren.
Infiziert nun ein Virus eine Zelle der Keimbahn, zum Beispiel eine Spermazelle oder eine Eizelle, dann kann dieses Virus anschließend in jeder einzelnen Zelle des Embryos, des Fötus und dann auch des heranwachsenden Organismus zu finden sein. Das Viruswird also zu einem Gen, das nach den Mendelschen Regeln von Generation zu Generation vererbt wird.
Die Viren tarnen sich immer besser. Ihre Information lässt sich irgendwann nicht mehr von der Wirts-Information unterscheiden. Die Viren sind zu einem Teil ihres Wirts geworden.
Erst die Ergebnisse des Human-Genom-Projektes 2001 zeigten, wie groß die Bedeutung der inneren Viren für den Menschen ist. Der Mensch führt acht Prozent seines Genoms, etwa 300 000 Retroviren oder die Reste dieser Retroviren, mit sich. Das ist weit mehr als die Anzahl menschlicher Gene im Genom. Die endogenen Retroviren sorgen mitunter auch für die Plastizität unseres Genoms. Sie sind also ein Treiber der Evolution - da sie eine Vielzahl von regulatorischen Einheiten in das Genom eingebracht haben und dadurch der Evolution Material bieten, um für eine gewisse Durchmischung und Neuorganisation der Genome zu sorgen.

Retroviren sind zudem besondere Viren. Sie können ihre eigene genetische Information umschreiben: Vom Erbmolekül RNA in das Erbmolekül DNA. Das sind die beiden Systeme, mit denen die Natur biologische Informationen speichert und verschlüsselt. In der Regel läuft es umgekehrt: In Zellen von Pflanzen, Tieren und Menschen wird DNA ständig umgeschrieben in RNA. Und bei Retroviren wird RNA zu DNA. So produzieren die Viren aus typischer Virus-Information Erbgut-Information für Pflanzen, Tiere und Menschen.

In der Erbinformation des Menschen befindet sich neben den zahlreichen endogenen Retroviren noch mehr DNA-Erbinformation, die aussieht, als sei sie aus RNA hervorgegangen. Diese Teile des Genoms sind die sogenannten Retroelemente, über die fast nichts bekannt ist.
Retroelemente sind alle die Elemente, die auch wir Menschen in unseren Chromosomen haben, die schon mal in eine RNA umgeschrieben wurden und die dann zurückgeschrieben wurden in DNA, um dann wieder ins Genom integriert zu werden. Etwa 42 Prozent unserer Chromosomen sind Retroelemente. Der Mensch ist also fast zur Hälfte ein Retroelement.
Die Retroelemente waren einst unterwegs - im eigenen Erbgut, vielleicht aber auch im Erbgut anderer Lebewesen. Sie reisten von Art zu Art und sind heute wie die "inneren" Viren Teil des menschlichen Genoms. Manche ruhen dort, andere haben aber auch wichtige Funktionen im Menschen übernommen. Das gilt zum Beispiel für die Syncitin-Gene. Sie machten vor Jahrmillionen die Entwicklung der Placenta, also der Gebärmutter, bei Säugetieren überhaupt erst möglich. Die ehemaligen Virus-Gene tragen heute die Information für wichtige Eiweiße. Diese Proteine haben fusogene Eigenschaften - sie können Zellen miteinander verschmelzen. Und dadurch entsteht in der Placenta eine vielkernige Schicht, die ganz essenziell ist für den Austausch zwischen dem Fötus und der Mutter.
Die Zellschicht zwischen Mutter und Fötus verhindert, dass das Immunsystem der Mutter den Fötus angreift und abstößt. Das ist eine wichtige Aufgabe, denn Mutter und Fötus sind ja genetisch nicht identisch. Eigentlich passen sie nicht zusammen.

5,9 Prozent unserer Gene werden durch endogene Retroviren kontrollier. Diese endogenen Retroviren sind dafür verantwortlich, zu welchem Zeitpunkt, an welchem Ort, in welchem Zelltyp, in welcher Menge ein Genprodukt hergestellt wird.

Neben den nützlichen Viren gibt es auch solche, die zwar im Erbgut des Menschen einen Platz gefunden haben, aber immer noch Viren sind - und auf Kommando losschlagen können. Verschiedenste Umwelteinflüsse wie radioaktive oder UV-Strahlung, Chemikalie, Infektionen durch andere Viren sein - und auch Medikamente.

Bestimmte Medikamente, wie etwa die Valproinsäure, greifen direkt in die Genregulation ein. Sie verändern das Chromatin und die DNA und aktivieren sie. Also werden plötzlich Gene abgelesen, die normalerweise nicht aktiv sind.

Valproinsäure kommt bei Epilepsie und verschiedenen psychischen Erkrankungen zum Einsatz. Der Wirkstoff beeinflusst das Erbgut, aber er verändert nicht das genetische Material selbst, die DNA. Er verändert die Verpackung und damit die Steuerung der Gene. Bestimmte aktive Gene werden also ausgeschaltet und andere, inaktive Gene werden eingeschaltet. So können auch die schlummernden Viren reaktiviert werden.

Endogene Retroviren, die wieder aktiv werden, können krank machen. Ob und wann genau sie den Körper schädigen, ist nahezu unbekannt.

Für die Evolution ist vieles, was wir als Krankheit betrachten, eine große Chance. Neues genetisches Material verbessert nämlich die Chancen eines Lebewesens, sich anzupassen und zu überleben.

Der englische Arzt und Sachbuchautor Frank Ryan nennt diese besondere Form der Evolution mit Unterstützung durch Viren "Virolution".

Das Zusammenleben von Mensch und Virus nennt Frank Ryan eine "aggressive Symbiose". Die Viren sind aggressiv - sie greifen den Menschen an. Doch ergänzen sich Menschen und Viren - wenn man sie Jahrmillionen betrachtet - wie in einer großen Symbiose. Sie leben zusammen zum Nutzen beider Seiten.

Zwei völlig unterschiedliche Lebensformen wirken also zusammen. Viren und zelluläres Leben. Zwei verschiedenartige Konzepte der Evolution kommen zusammen und bilden ein gemeinsames Genom aus. Ein holobiontisches27 28 Genom. Die Selektion29 zwingt beide Partner zur kooperativen Zusammenarbeit. Das virale Erbgut arbeitet dabei sehr umfassend mit dem menschlichen Genom zusammen.

Eine zunächst unfreundliche Aktion führt dann letzten Endes zu etwas gänzlich Neuem. Wer dabei wen beherrscht und wer wen ausnutzt, ist nur schwer ermittelbar.

Viren spielen mit unserem Immunsystem herum - sie täuschen oder manipulieren es. In diesem Fall sind die Viren jedoch zu einem Teil von uns Menschen geworden. Unser Immunsystem wird von Viren kontrolliert, die in unseren Chromosomen sitzen.

Die Evolutionstheorie von Darwin gilt demnach nach wie vor, muss aber erweitert werden.

Richard Dawkins und George Williams, sagten in den siebziger Jahren, dass DNA egoistisch ist und dass Evolution auf der Ebene des Gens und nicht auf der Ebene des Individuums agiert. Evolution belohnt die Gene, die möglichst viele Kopien von sich in der nächsten Generation herstellen. Und diese springenden Gene sind in gewisser Weise das Paradebeispiel für die egoistische DNA."

Die genetische Information im Erbgut eines Menschen stammt also teilweise von außen. Nicht von seinen Vorfahren. Vielleicht von anderen Tierarten: Von Hunden, die seine Vorfahren im Kampf gebissen haben, oder von Rindern, die von früheren Menschen verspeist wurden. Das ist aber nur Spekulation.

International betrachtet ergeben sich für die Anwendung von Neuroleptika bei psychiatrischen Diagnosen die folgenden Trends 30:

  • Höhere Dosierungen. In der BRD hat sich die Durchschnittsdosis von 1970 bis 1990 verzehnfacht.3132 Die Durchschnittsdosis für Neuroleptika hat sich auch in den 20 Jahren von 1970 an verzehnfacht 33. Die psychiatrischen Lehrbücher empfehlen immer höhere Dosen 34
  • Eine systematische Hochdosierung für anders nicht beeinflussbare schwere und hartnäckige psychotische Symptome. die sich als »adäquate individuelle Dosierung«35 und »schnelle Neuroleptisierung« äußerte.
  • Die Entwicklung immer potenterer Neuroleptika.
  • Die stets zunehmende Verabreichung immer größerer Mengen an hochpotenten Neuroleptika.
  • Der Einsatz von immer mehr Depotmitteln, die teuer und damit umsatzsteigernd sind.3637
  • Die Standardisierung der Verabreichung nicht nur bezüglich der Dosishöhe (Eine Standarddosis für alle), sondern auch bezüglich der Auswahl an Neuroleptika. Finzen empfiehlt die Beschränkung auf drei Neuroleptika: nämlich ein hoch-, ein niederpotentes und ein Depot-Neuroleptikum.
  • Eine wachsende Verabreichung von Mehrfachkombinationen unterschiedlichster Neuroleptika.

Folgerichtig forderten die Experten von der DGSP schon am 24. September 2009 in einem Memorandum 38 zur Anwendung von Antipsychotika:

  • Patienten und Angehörige sollen in die Behandlung mit einbezogen werde
  • Patienten sollen über alle relevanten Nebenwirkungen der Medikamente aufgeklärt werden
  • Hohe Dosierung von Arzneimitteln nur bei streng begründeter Indikation.
  • Akutbehandlung im Lebensumfeld der Betroffenen, in der Regel also zu Hause
  • Unabhängige Psychopharmakaforschung unter Beteiligung von Angehörigen und Betroffenen.
  • Stärkere Gewichtung der Erforschung von nicht-medikamentösen Therapieverfahren.
  • Jeder Patient sollte das Recht haben, auch ohne Medikamente im Krankenhaus behandelt zu werden.

Auch Volkmar Aderhold vom Institut für Sozialpsychiatrie der Universität Greifswald ermahnt zu mehr Vorsicht. Er konstatiert, dass etwa 40 Prozent der Menschen mit Schizophrenie ohne Neuroleptika behandelt werden können. Die Neuroleptika werden viel zu oft, in zu hohen Dosierungen und in wissenschaftlich nicht evidenten Kombinationen verordnet.39

Compliance

Die Betroffenen stehen zum Teil mit den Medikamenten auf Kriegsfuß. Viele wehren sich gegen die Verabreichung von Neuroleptika. Michael Heim,der Chefpsychiater der Anstalt Arnsdorf bei Dresden, sprach 1992 von einer 60%igen Verweigerung 40.

Generika

Als Generikum (Plural Generika) bezeichnet man ein Arzneimittel, das eine wirkstoffgleiche Kopie eines bereits unter einem Markennamen auf dem Markt befindlichen Medikaments ist. Von diesem Originalpräparat kann sich das Generikum bezüglich enthaltener Hilfsstoffe und Herstellungstechnologie unterscheiden. Generika werden zumeist unter dem internationalen Freinamen (INN) des Wirkstoffes mit dem Zusatz des Herstellernamens angeboten. Hingegen bieten sogenannte Markengenerika (branded generics) patentfreie Wirkstoffe unter einem neuen Handelsnamen an.

Generika sind in der Regel billiger als das Arzneimittel des Erstanbieters, da keine Forschungskosten anfallen und die Entwicklungskosten für ein Generikum vergleichsweise gering sind. Die Stiftung Warentest hat in einer Untersuchung im September 2004 festgestellt, dass die Preise für generische Medikamente teilweise nur ein Drittel des Originalpräparates betragen41. Um den durch die pharmazeutische Forschung erzielten Nutzen nicht sofort an die Generika-Hersteller zu verlieren, sind die von den forschenden Arzneimittelherstellern (in Deutschland organisiert im Verband Forschender Arzneimittelhersteller) entwickelten Produkte durch Patente geschützt. Der Patentschutz bewirkt, dass die Originalpräparate in den ersten Jahren nach der Markteinführung keine Konkurrenz durch Generika haben. Er behindert aber auch die Nutzung billiger neuer Arzneimittel in Entwicklungsländern.

Die Hersteller von innovativen, forschungsintensiven Medikamenten und von Generika bilden meist zwei scharf voneinander getrennte Gruppen innerhalb derselben Branche, da die forschenden Pharma-Unternehmen in den Generika-Produzenten lediglich Nutznießer sehen, die die Früchte ihrer eigenen Arbeit ohne Forschungsaufwand einsammeln und zu Kampfpreisen in den Markt drücken. Umgekehrt vertreten die Generika-Hersteller den Standpunkt, dass die Hersteller der Originalpräparate die hohen Preise ihrer Produkte auch dann noch einfordern, wenn die Forschungskosten sich längst amortisiert haben, wodurch das Gesundheitssystem bzw. die Kostenträger unmäßig finanziell belastet werden. Kritiker bemerken ferner, dass die Marketingausgaben die Forschungsausgaben der Pharmaunternehmen überwiegen. Allerdings produzieren immer mehr forschende Pharmaunternehmen selbst auch Generika. So ist zum Beispiel die Novartis-Tochter Sandoz mit Hauptsitz in Holzkirchen die zweitgrößte Generika-Firma der Welt. Auch Generikahersteller selber haben oft Tochterfirmen, die das inhaltsgleiche Präparat noch günstiger anbieten (z. B. gehört AbZ Pharma zu Ratiopharm und 1A-Pharma zu Hexal, die wiederum zu Novartis gehört).

In Deutschland ist im generikafähigen Markt, also im Markt der nicht mehr patentgeschützten Medikamente, der Anteil der Generika kontinuierlich angestiegen. Lag der Verordnungsanteil von Generika bei gesetzlich Krankenversicherten Anfang der 80er Jahre noch bei etwa 30 %, erreichte er 2002 ungefähr 75 % und 2008 etwa 85 %. Nimmt man alle Medikamente als Grundlage, lag der Verordnungsanteil von Generika 2008 bei etwa 62 %. Im weltweiten Maßstab sind dies hohe Werte.

Die Generika sind also die „Nachahmer“ unter den Medikamenten. Generika kommen auf den Markt, wenn der Patentschutz des Originals abgelaufen ist. Ihnen haftet das Klischee der Billigmedizin an, obwohl ihre Qualität - sie verwenden denselben Wirkstoff - genauso gut ist wie die Qualität der Originalpräparate. Dennoch sind viele Verbraucher verunsichert, wenn sie in der Apotheke nicht mehr das gewohnte Mittel ausgehändigt bekommen.

Nach Berechnungen des deutschen Generikaherstellerverbands Progenerika sollen durch die Verwendung von Generika im Jahr 2008 Einsparungen in Höhe von 11 Mrd. Euro in der deutschen Gesetzlichen Krankenversicherung erreicht worden sein.42 Privatversicherte erhalten in Deutschland anteilig weniger Generika und dafür mehr Originalpräparate. Der Verordnungsanteil am generikafähigen Markt bei Privatpatienten beträgt etwa 46,4 %.43

Bekannte Hersteller von Generika in Deutschland sind Ratiopharm, Hexal und Stada. Bei diesen Herstellern handelt es sich um Anbieter umfangreicher Produktpaletten zu unterschiedlichen Indikationen. Andere Hersteller konzentrieren sich auf wenige Schwerpunkte, wie beispielsweise der Hautspezialist Dermapharm. Über die Bedeutung der Generikaindustrie für die Gesundheitsversorgung in Deutschland informiert eine Studie aus dem Juni 2005, die die Accenture GmbH in Zusammenarbeit mit der Fachhochschule Ingolstadt durchgeführt hat.44

Die KBV (Kassenärztliche Bundesvereinigung) stellt nüchtern fest, dass die kostengünstigen typischen (= konventionellen, klassischen) Neuroleptika wie Haloperidol bei der medikamentösen Behandlung der schizophrenen Psychosen keine geringere Wirksamkeit zeigen als die Gruppe der atypischen Neuroleptika. Das teurere Quetiapin ist in der Behandlung der Schizophrenie nicht überlegen.45. Die KBV empfiehlt also den Ärzten, typische Neuroleptika zu verwenden. "Extrapyramidale Nebenwirkungen sind durch die Gabe von Anticholinergika46 (z. B. Biperiden) kontrollierbar. Für das unter atypischen Neuroleptika behauptete geringere Risiko der Entwicklung tardiver Dyskinesien47 fehlt die durch Langzeitstudien gesicherte Evidenz 48. Das trifft auch auf Quetiapin zu."


Eine Packung patentgeschützter Arzneimittel (200,02 €) kostet durchschnittlich mehr als achtmal so viel, wie eine generische Verordnung (23,01 €).49

Die EU-Kommission wirft der forschenden Pharmaindustrie vor, die Einführung von preiswerteren Generika in der Europäischen Union zu verzögern oder gar zu blockieren.50

Führende Generikamärkte 200051
nach Umsatz
Rang Land Generika-Marktwert
(in Milliarden US-Dollar)
Generika anteilig
am Gesamtpharmamarkt
(in %)
Generika-Marktanteil unter
verordneten Medikamenten
(in %)
1. USA 31,7 11,01 44,62
2. Deutschland 5,7 17,01 403
3. Großbritannien 4,5 21,71 472
4. Frankreich 4,4 2,0 3,04
5. Italien 3,0 27,9
6. Brasilien 2,4 47,5
7. Spanien 2,2 31,2
8. Argentinien 2,0 58,6
9. Mexiko 2,0 40,0
10. Kanada 1,9 15,01 401
Anmerkungen: 11997, 21998, 31988, 41996
Größte Generikahersteller der Welt 2010[39]
nach Umsatz in Millionen US-Dollar
Rang Unternehmen Firmensitz Umsatz
1. Teva Pharmaceutical Industries Ltd. Israel 000000000011030.000000000011.030
2. Novartis (Sandoz) Deutschland 000000000008520.00000000008.520
3. Mylan Laboratories USA 000000000004990.00000000004.990
4. Actavis (2012 von Watson übernommen) Island (ab 2011 Schweiz) 000000000002520.00000000002.520
5. Hospira USA 000000000002350.00000000002.350
6. Watson Pharmaceuticals USA 000000000002270.00000000002.270
7. Sanofi-Aventis (2011 umbenannt in Sanofi) Frankreich 000000000002040.00000000002.040
8. Greenstone (Generikasparte von Pfizer) USA 000000000001720.00000000001.720
9. Stada Arzneimittel Deutschland 000000000001500.00000000001.500
10. Dr. Reddy's Laboratories Indien 000000000001160.00000000001.160
Alternativen für Neuroleptika

Psychische Erkrankungen wie Schizophrenie oder Depressionen könnten künftig durch eine Art Gehirntraining geheilt werden. Noch ist das Verfahren hoch experimentell, aber erfolgversprechend. Die Methode eröffnet die Möglichkeit, auf Psychopharmaka zu verzichten 52.

  • 1. Lexikon der Tierarzneimittel, Rudolf Petrausch, 1987
  • 2. Finanzen.Net am 18. April .2011
  • 3. Ärzteblatt am 26. April 2011
  • 4. http://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/neuro-psychiatrische_kra... - Ärztezeitung am 27.04.2012
  • 5. KBV Ausgabe 05/2006 EINE INFORMATION DER KBV IM RAHMEN DES § 73 (8) SGB V Wirkstoff AKTUELL
  • 6. Neuroleptika mit Nebenwirkungen - Am 28. August 2012 im Deutschlandfunk
  • 7. KBV Ausgabe 05/2006 EINE INFORMATION DER KBV IM RAHMEN DES § 73 (8) SGB V Wirkstoff AKTUELL
  • 8. AstraZeneca: Fachinformation "Seroquel®" Filmtabletten. Stand:Februar 2006
  • 9. Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft: "UAW-News"-International: Blutbildstörungen unter Quetiapin? Dtsch Arztebl 2002; 99: A1115
  • 10. Ruhe HG, Becker HE, Jessurun P et al.: Agranulocytosis and granulocytopenia associated with quetiapine. Acta Psychiatr Scand 2001;
  • 11. AstraZeneca: Fachinformation "Seroquel®" Filmtabletten. Stand:Februar 2006
  • 12. AstraZeneca: Fachinformation "Seroquel®" Filmtabletten. Stand:Februar 2006.
  • 13. American Psychiatric Association: Practice Guideline for the treatment of patients with schizophrenia, second edition. 2004.
  • 14. Srisurapanont M, Maneeton B, Maneeton N: Quetiapine for schizophrenia. Cochrane Database Syst Rev 2004; CD000967.
  • 15. AstraZeneca: Fachinformation "Seroquel®" Filmtabletten. Stand:Februar 2006.
  • 16. AstraZeneca: Fachinformation "Seroquel®" Filmtabletten. Stand:Februar 2006
  • 17. Ärzte im renommierten Fachblatt "Jama" warnten, dass sich der Körper verändert, wenn Menschen im Alter von 4 bis 19 Jahren Neuroleptika schlucken. An der Studie nahmen 272 Schüler aus einem bürgerlichen Viertel New Yorks teil, die zwar eine psychiatrische Diagnose hatten, aber noch nicht mit Neuroleptika behandelt worden waren. Die Wissenschaftler gaben den Probanden zwölf Wochen lang ein gängiges Medikament (Aripiprazol, Olanzapin, Quetiapin oder Risperidon), 15 Kinder blieben in der Vergleichsgruppe ohne Medikamente. Die verordneten Medikamente bewirkten, dass die Kinder und Jugendlichen beträchtliche Fettpolster ansetzten. Je nach verwendetem Präparat schwankte die durchschnittliche Zunahme an Körpergewicht zwischen 4,4 Kilogramm (Aripiprazol) bis 8,5 Kilogramm (Olanzapin). Die Kontrollgruppe blieb dünn, legten während viele der Pillenschlucker mehr als sieben Prozent ihres Ausgangsgewichts zulegten. Die Fettsucht geht einher mit einer erhöhten Sterblichkeit durch Herz- und Gefäßerkrankungen sowie eine Anfälligkeit für Krebsleiden.
  • 18. Hirnschwund durch Psychopillen? Spiegel vom 21. Januar 2013
  • 19. http://www.aerzteblatt.de/v4/news/news.asp?id=44827 - Ärzteblatt am 23. Februar 2012
  • 20. http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/48376/Antipsychotika_Entzugssympto... - Ärzteblatt am 9. Dezember 2011
  • 21. http://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/neuro-psychiatrische_kra... - Ärztezeitung am 27. April 2012:
  • 22. Eine Langzeitstudie vom University of Illinois College of Medicine in Chicago legt dies nahe. 15 Jahre nach der schizophrenen Episode waren 46 Prozent der Patienten, die dauerhaft Medikamente bekommen hatten, ohne Symptome. Bei Patienten, die auf Medikamente verzichtet hatten, lag dieser Wert bei 72 Prozent.
  • 23. Hirnschwund durch Psychopillen? Spiegel vom 21. Januar 2013
  • 24. Die Epigenetik ist ein Spezialgebiet der Biologie. Sie befasst sich mit Zelleigenschaften (Phänotyp), die auf Tochterzellen vererbt werden und nicht in der DNA-Sequenz (dem Genotyp) festgelegt sind, daher die Vorsilbe epi (griechisch: επί- über, oberhalb, außerhalb). Grundlage sind Veränderungen an den Chromosomen, wodurch Abschnitte oder ganze Chromosomen in ihrer Aktivität beeinflusst werden. Man spricht auch von epigenetischer Veränderung bzw. epigenetischer Prägung. Die DNA-Sequenz wird dabei jedoch nicht verändert. Das kann sowohl durch eine DNA-Methylierung als auch durch eine Modifikation der Histone erfolgen.
    Vgl gleichnamiger Artikel bei Wikipedia (Stand April 2013)
  • 25. Antipsychotika können endogene Retroviren fördern - Ärzteblatt am 19. Januar 2012
  • 26. Gene unterwegsDeutschlandfunk vom 10. Februar 2013
  • 27. Ein Holobiont ist eine artübergreifende Lebensform. Der Mensch nicht nur Lebewesen, sondern gleich ein ganzer Lebensraum. So ist die gesunde Mikrobenfauna des Menschen und der Tiere recht vielfältig. Die genetische Information all dieser Mikroorganismen ist in der Summe deutlich größer als die des Menschen selbst. Also kann man den menschlichen Körper mit all den auf oder in ihm lebenden Spezies durchaus als artenreiches Ökosystem von Mikroben, Einzellern oder anderen Organismen betrachten - als einen Superorganismus, einen Holobionten. Die Forschung sieht die Mikrobenflora nicht nur als zuständig für das Leben des Wirts an, sondern gesteht ihr auch Anteile an der Evolution zu. Die Hypothese sagt aus, dass nicht der Mensch oder das Tier allein als Einheit der Evolution betrachtet werden sollte, sondern der Holobiont mit der Gesamtheit der ihn besiedelnden Mikroben. Mehr als die Summe seiner Teile – der Holobiont aus http://worldoceanreview.com Der Mensch – ein HolobiontRheinischer Merkur · Nr. 28 / 2010
  • 28. Der Begriff Holobiont wurde von der amerikanischen Biologin Lynn Margulis geprägt. Sie verwendete ihn im Zusammenhang mit Korallen: Diese bilden mitsamt der sie bewohnenden Einzeller, der symbiotischen Zooxanthella sowie einer Vielzahl von Bakterien, den Holobionten.
    Ein Holobiont gründet sich immer auf einer Symbiose, also auf dem Zusammenleben von mindestens zwei unterschiedlichen Arten, die dabei wechselseitig voneinander profitieren. Das Konzept der Holobionten erweitert die Sicht, weil die Partner stark voneinander abhängig sind, sich gegenseitig beeinflussen und auch zusammen entwickeln, so dass sie zusammen eine neue Art von Organismus formen. Sein Erbgut, das Hologenom, umfasst dann die Gesamtheit der Gene aller daran beteiligten Arten.
    Vgl gleichnamiger Artikel bei Wikipedia (Stand April 2013)
  • 29. Selektion (lat. selectio „Auswahl/Auslese“) ist ein grundlegender Begriff der Evolutionstheorie und gilt als Evolutionsfaktor. Sie besteht
    • als natürliche Selektion in der Reduzierung des Fortpflanzungserfolgs bestimmter Individuen einer Population mit der Folge, dass andere Individuen, die im Rückblick als „überlebenstüchtiger“ erkennbar sind, sich stärker vermehren. Die entscheidenden Einflüsse üben äußere Faktoren der Umwelt, sog. Selektionsfaktoren, aus. „Überlebenstüchtigkeit“ (Fitness) bedeutet nicht das „Überleben der Stärksten“. Sie kann auch Kooperation und Altruismus einschließen. Entscheidend ist, dass die Erbanlagen von Individuen nicht mit der gleichen Wahrscheinlichkeit weitergegeben werden.
    • als sexuelle Selektion in der Auswahl von Individuen durch die Sexualpartner. Entscheidend ist, dass Erbanlagen derjenigen Merkmale weitergegeben werden, die von den Sexualpartnern bevorzugt werden.
    • als künstliche Selektion in einer vom Menschen gesteuerten Zuchtwahl. Sie steigert den Fortpflanzungserfolg jener Individuen, die die vom Züchter geförderten Eigenschaften besitzen.

    Die Bezeichnung natürliche Selektion wurde von Charles Darwin geprägt. Die Selektionstheorie ist ein Aspekt seiner Evolutionstheorie und wurde als wesentlicher Teil der Synthetischen Evolutionstheorie in die moderne Evolutionsbiologie übernommen. Selektion ist einer der Evolutionsfaktoren.
    Vgl gleichnamiger Artikel bei Wikipedia (Stand April 2013)

  • 30. Wildwasser Bielefeld e.V. (Hg.): Der aufgestörte Blick – Multiple Persönlichkeiten, Frauenbewegung und Gewalt, Bielefeld: Kleine Verlag 1997, S. 244-253
  • 31. Finzen, Asmus: »Medikamentenbehandlung bei psychischen Störungen«, 8. Aufl., Bonn 1990
  • 32. Von 1973 bis 1985 ergab sich eine Steigerung der täglichen Verordnungsdosis in Anstalten (auch den gemeindepsychiatrischen) um 100 Prozent.
  • 33. Eichenbrenner, Ilse: "Völlig losgelöst. Die Jahrestagung der DGSP in Mönchengladbach", in: Soziale Psychiatrie, 14. Jg., 1990, Nr. 51, S. 16-18
  • 34. Iin den Jahren 1969 bzw. 1974 galt als Empfehlung ie durchschnittlichen Tagesdosis in Höhe von 3 bis 7 mg Haldol, 1990 waren es schon 43 mg Berger, Hartmut: "Große Qual weil keine Wahl. Zum Einsatz von Neuroleptika in der Psychiatrie", in: Soziale Psychiatrie, 14. Jg., 1990, Nr. 50, S. 16-18
  • 35. Finzen, Asmus: »Medikamentenbehandlung bei psychischen Störungen«, 8. Aufl., Bonn 1990
  • 36. Finzen erläuterte 1990 in seinem Psychopharmaka-Lehrbuch weitere Vorteile dieser Verabreichungsform: »Wegen der Hartnäckigkeit der manischen Symptomatik und der Notwendigkeit, hochdosierte Neuroleptika über längere Zeit zu verabreichen, kann eine Depot-Medikation sinnvoll sein. Sie sichert die Medikamenteneinnahme und macht den Umgang mit dem Patienten einfacher, indem sie ihm und seinen Therapeuten den täglichen Kampf über die Frage ›Medikamente ja oder nein?‹ erspart.« (Finzen 1990, S. 131)
  • 37.
  • 38. Memorandum zur Anwendung von Antipsychotika von der DGSP vom 24. September 2009
  • 39. Hirnschwund durch Psychopillen? Spiegel vom 21. Januar 2013
  • 40. Heim, Michael: »Uncharakteristische Basisstörungen und die Befindlichkeit schizophren Erkrankter in der Langzeitbehandlung mit Clozapin (Leponex)«, in: Dieter Naber / Franz Müller-Spahn (Hg.): »Clozapin«, Stuttgart / New York 1992, S. 43-50
  • 41. Stiftung Warentest über preiswerte Generika test 10/2004
  • 42. Der Arzneimittelmarkt der gesetzlichen Krankenversicherung im Jahr 2008. In: Pressemitteilungen 2009. Pro Generika e.V., 12. Februar 2009
  • 43. F. Wild: Die Bedeutung von Generika in der PKV im Jahr 2007
  • 44. Accenture Health & Life Sciences. Die Bedeutung der Generikaindustrie für die Gesundheitsversorgung in Deutschland. Juni 2005
  • 45. KBV Ausgabe 05/2006 EINE INFORMATION DER KBV IM RAHMEN DES § 73 (8) SGB V Wirkstoff AKTUELL
  • 46. Ein Anticholinergikum (Plural: Anticholinergika, syn.: Parasympath(ic)olytikum, Muskarin-Rezeptor-Antagonist, Antiparasympathomimetikum oder Antimuskarinikum) ist ein Wirkstoff, der die Wirkung von Acetylcholin (ACh) im parasympathischen Nervensystem unterdrückt, indem er den Muscarin-Rezeptor kompetitiv hemmt. Damit werden die Nervenreize, die zu einer Kontraktion der glatten Muskulatur und zur Sekretionsteigerung der Drüsen führen, unterbrochen.
  • 47. Spätdyskinesien (syn. Tardive Dyskinesie bzw. Dyskinesia tarda, ein Synonym aus dem französischen dyskinésie tardive (dt. „verspätete motorische Störung”)'; teilweise auch -dyskinäsien) sind Bewegungsstörungen (beispielsweise Akathisie, Grimassieren zumeist Bewegungsstörungen im Gesichtsbereich (Zuckungen, Schmatz- und Kaubewegungen) oder Hyperkinesen (unwillkürliche Bewegungsabläufe) der Extremitäten.), die als möglicher Schaden nach längerem Gebrauch von Neuroleptika auftreten können. Sie werden zu den extrapyramidalen Hyperkinesien gerechnet. Die Spätdyskinesien sind nach langfristigen Therapien mit Psychopharmaka häufig irreversibel und sprechen auch auf Antagonisten wie Betablocker nicht an.
    Vgl gleichnamiger Artikel bei Wikipedia (Stand April 2013)
  • 48. Tarsy D, Baldessarini RJ: Epidemiology of tardive dyskinesia: Is risk declining with modern antipsychotics? Mov Disord 2006; 21: 589-598
  • 49. Arzneiverordnungs-Report 2012 - Seit 1985 berichtet der jährlich publizierte Arzneiverordnungs-Report von den Herausgebern, dem Heidelberger Pharmakologen Prof. Dr. U. Schwabe und dem Ökonomen Dr. D. Paffrath über die vertragsärztlichen Arzneiverordnungen. Viele Experten aus Pharmakologie, Medizin und Ökonomie kommentieren das darhelegte ärztliche Verordnungsverhalten. Die Publikation möchte eine verbesserte Markt- und Kostentransparenz erreichen. Die Arzneimittel sollen nach den Kriterien der Evidenz-basierten Medizin beurteilt werden. In etwa 50 arzneitherapeutischen und vier marktbezogenen Kapiteln werden mehr als 3.000 führende Präparate des deutschen Arzneimittelmarktes, auf die 96% aller Verordnungen entfallen, beschrieben.
  • 50. Schwere Vorwürfe an die Pharma-Industrie. NZZ Online. 28. November 2008. Abgerufen am 20. März 2010
  • 51. World Health Organisation: The World Medicines Situation. 8. September 2004
  • 52. http://www.fr-online.de/wissenschaft/hirnforschung-mit-gehirntraining-de... - 1. Dezember.2011 in der Frankfurter Rundschau

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