Wie konnte das alles passieren?

Wie konnte das alles passieren?

Unter den Lobbyisten gilt die Pharmalobby als die mächtigste im Land und die Branche selbst als die härteste. Das haben schon viele Ärzte erfahren. Siehe die Sendung Pharma-Kartell von Frontal 211

Der Einfluss der Pharmalobby auf die Ärzte ist jedoch nur eine einzelne Facette auf der breitgefächerten Palette an dunklen Machenschaften im Gesundheitswesen. So gibt es auch viel Arbeit im klassischen Deliktfeld des Abrechnungsbetrugs - zum Teil mit gefälschten Rezepten. Und manch ein Apotheker rechnet auch mal echte Arztrezepte ab, ohne Arznei zu liefern. Zwischen Ärzten und Apothekern haben sich Allianzen ausgebildet, die Schäden in Milliardenhöhe verursachen. Immer mehr Fahnder machen inzwischen Jagd auf Trickser oder Kriminelle in Weiß. Selbst die Krankenkassen zeigen sich. Zum Beispiel begann die Techniker Krankenkasse (TK) 2002 mit dem Aufbau einer Ermittlergruppe, die anfangs aus vier Mitarbeitern bestand und 2013 schon 15 Mitglieder zählt. Sie machen Jagd auf die Täter, die ohnehin schon Millionen verdienen und nur noch aus der Gier heraus handeln.2.
Das deutsche Gesundheitsdickicht macht es den Tätern auch leicht und so fühlen sich viele unter ihnen sicher. So kauften Apotheker reihenweise Krebsmedikamente für 300 Euro ein und rechneten dafür das Zehnfache ab. Obwohl der Zahnarzt sich schon das Zahnziehen bezahlen ließ, flatterten einer Krankenkasse immer wieder Rechnungen für Füllungen ins Haus. Berliner Kliniken rechneten den Einsatz ihrer Assistenzärzte als Facharztbehandlung ab. In Schleswig-Holstein rechneten einige Mediziner gar Leistungen an bereits Verstorbenen ab.3.

Das Informationsbezugsverhalten von Ärzten

Die Palette an möglichen Bezugsquellen für medizinische Informationen ist recht groß gestaltet. Seminare, Kongresse, Fachliteratur, Pharma-Referenten, Ärztezirkel, Verbände, Krankenkassen, Patientenorganisationen, Opinion Leaders4, Fachkollegen, Internet, usw. buhlen um die Gunst der Mediziner. Welche Informationsquellen nutzen sie jedoch tatsächlich, um Patienten z. B. die wirkungsvollsten Medikamente zu verschreiben?

Die Beurteilung neuer medizinischer Entwicklungen ist der zentrale Bestandteil jeder erfolgreichen Patientenbehandlung. Die explosive Zunahme besonders des medizinischen Wissens führt zu einer Informationsüberlastung, so dass von den jeden Tag auf uns einströmenden Informationen
mittlerweile mehr als 98% nicht mehr wahrgenommen werden 5. Insbesondere die Ärzteschaft leidet unter dieser Informationsflut.6 7. Der einfache und schnelle Zugang zu den jeweils benötigten Informationen wird immer wichtiger für die täglich anfallenden Problemstellungen. Zudem schreitet eine zunehmende Spezialisierung der Medizin immer weiter voran, so dass sich das stets anwachsende Wissen in eigenen Nischen verteilt. Es gestaltet sich in der Folge immer schwerer, den nötigen Überblick zu bewahren, weil die Verarbeitung der Informationen immer komplizierter wird8.

So stehen die medizinischen Grundversorger9 gleich vor mehreren Problemen, wenn sie «up to date» bleiben wollen.

Der Arzt hat die Aufgabe, seine Patienten mit ihren Gesundheitsproblemen aus den verschiedensten Bereichen zu behandeln. Deshalb muss der Mediziner regelmäßig und in allen Feldern der Medizin die wichtigsten Entwicklungen beobachten. Dann arbeiten viele der Allgemeinmediziner in separaten Einzelpraxen. Sie sind also nicht wie ihre Kollegen in den Krankenhäusern in Lernnetzwerken zusammengeschlossen und damit vom regelmäßigen Informationsaustausch abgeschnitten. Auch der vereinfachte Zugang zu medizinischen Informationen seitens der Patienten durch das Internet stellt eine weitere Herausforderung dar10 kündet sich an. In Badenhoop R, Ryf B, Hrsg. Patient Relationship Management. CRM in der Life Sciences Industrie. Wiesbaden: Gabler; 2001. p. 13–25. 11 12.
Die wachsende Informationsflut, verteiltes Spezialwissen, rasante medizinische Entwicklungen, Gesundheitsreformen, die neuen Möglichkeiten der Informationsbeschaffung und das sich verändernde Patientenverhalten erschweren zunehmend die optimale und zeitgemäße Versorgung in den Arztpraxen und machen es dringend erforderlich, neue Ansätze zu entwickeln, um relevante (und vor allem auch valide) Informationen ohne großem Aufwand zu finden.

Forscher, Entwickler, Produzenten und Marketingstrategen benutzen das Instrument Wissensmanagement13, um der rapide wachsenden Flut von Informationen Herr zu werden. Ob die Informationen nun aus Datenbanken kommen, aus Archiven oder aus dem Internet, - die hohe Kunst besteht darin, die Spreu vom Weizen in Bezug auf Relevanz, Aktualität, Nutzen und Komplexität zu trennen. Das Wissensmanagement, wird in Unternehmen gezielt eingesetzt, um die Wettbewerbs- und Innovationsfähigkeit zu steigern und um Kundenbindungen zu stärken. Auch für Ärzte stellt sich das Thema Wissensmanagement in gleicher oder ähnlicher Weise. Und für die Pharmaindustrie ist gerade dies eine neue Herausforderung. Denn zu einem ihrer wichtigsten Anliegen zählt seit eh und je, den Arzt bei der Informationsbeschaffung gezielt zu unterstützen.
Aus Pharma-Marketing-Sicht stellt sich daher die Frage, welchen Einfluss heute und morgen die verschiedenen Informationsquellen auf die Verschreibungsentscheidung des Arztes haben.

Das Informationsbezugsverhalten von Ärzten wurde bisher noch kaum unter die Lupe genommen. Eine Studie14 an der Universität St. Gallen aus dem Herbst 2004 untersuchte nun das ärztliche Informationsbezugsverhalten und die Informationsnetzwerke15 der Schweizer Ärzteschaft16. Dabei wurde erforscht, wie die Ärzte die große Menge an Informationen bewältigen und welche Medien sie dabei bevorzugen. Besonderen Augenmerk legten die Wissenschaftler auf die Frage, welche Bedeutung der Austausch mit den Kollegen – also das persönliche Beziehungsumfeld des Arztes – für den Informationsgewinn haben.

Die Wissenschaftler unterteilten dabei die Informationsmedien in drei Kategorien:

  • Bei dem personenbezogenen Medien vermitteln Personen die Informationen. Dazu gehören etwa Besuche von Außendienstmitarbeitern, Tagesseminare, Kongresse, Abendveranstaltungen.
  • Unpersönliche, klassische Medien umfassen den klassischen Bereich der Print-Medien, also vor allem Fachbücher und Fachartikel, Publikumsmedien sowie Produktdokumentationen, Inserate und (Fax)mailings
  • Die neuen Medien setzen sich wiederum zusammen aus E-Mail-Newslettern, Internetportalen, CD-ROMs, Online-Lexika oder fachspezifischen Newsgroups.

Von den 4214 angeschriebenen Ärzten antworteten immerhin 579 (13,7 Prozent) auf die versendeten Fragebögen.

Die Studie ergab, dass der persönliche Austausch mit Fachkollegen die mit Abstand wichtigste Informationsquelle darstellt und es auch nach Ansicht der Befragten bleiben wird. Dabei sind unter den Fachkollegen die beliebtesten Anlaufstellen Allgemeinmediziner, Kollegen und Ärztezirkel, gefolgt von «Leitender Arzt / Chefarzt» und «Meinungsbildner/Spezialist». Als zweitwichtigste Ressource wurden die personenbezogenen Medien genannt, und die unpersönlichen, klassischen Medien und die interaktiven, neuen Medien folgten an dritter Stelle. Die befragten Ärzte erwarteten jedoch bis 2010 einen enormen Bedeutungszuwachs der neuen Medien (+80%) zu Lasten der personenbezogenen Medien, die einen Bedeutungsverlust erleiden (–10%). Die unpersönlichen, klassischen Medien (–25%) sind ebenfalls Verlierer nach fünf Jahren, so die Prognose.17

Von den personenbezogenen Medien werden die national und regional organisierten Veranstaltungen am meisten genutzt. Internationale Fortbildungen und Events mit Pharma-Bezug erfreuen sich nicht so großer Beliebtheit. Auch die anderen Informationsmedien mit Personenbezug stufen die meisten Ärzte als qualitativ sehr gut ein. Ausnahme ist nur der Besuch von Pharma-Referenten. Die Qualitätswerte fallen allesamt höher aus als die tatsächlichen Nutzungswerte, die internationalen Kongresse zeigen hier die größte Differenz.

Bezüglich der unpersönlichen, klassischen Medien ist eine Zweiteilung zu sehen, die mit sehr häufiger Nutzung bzw. mit sehr seltener Nutzung einhergeht. Spitzenreiter in der Nutzung sind die nationalen und internationalen Fachartikel und Fachbücher. Die anderen unpersönlichen, klassischen Medien bleiben alle unter dem Mittelwert und spielen kaum eine Rolle beim. Mailing-Aktionen, Inserate und vor allem die Publikumsmedien fallen in diese Gruppe. Auch hier beurteilen die Befragten die Qualität – mit Ausnahme der neutral beurteilten populär-wissenschaftlichen Medien – als positiver als die tatsächliche Nutzung.
Die neuen Medien werden demgegenüber insgesamt nur wenig bis eher sehr wenig genutzt. Die beste Bewertung bekamen Angebote, die sich vorwiegend an ehemals klassischen Printmedien orientieren, also etwa Nachschlagewerke in Form von Online-Lexika, CD-ROMs, themenbezogene Internetauftritte oder – mit Abstrichen – auch Newsletter, die per Email verschickt werden. Die passwortgeschützten arztspezifischen Internetseiten, mobile services18 und medizinische Chatrooms19 bleiben fast ungenutzt. Durch die Bank werden alle neue Medien sehr positiv eingeschätzt und zwar positiver als die klassischen Printmedien.

Die Beratung und der persönliche Austausch mit den Fachkollegen stellte für die Befragten sowohl zum Zeitpunkt der Befragung als auch in Zukunft die mit Abstand wichtigste Informationsquelle dar. Dies ist nicht weiter erstaunlich, da es ja eine effiziente und effektive Art der Informationsbeschaffung, weil man von den Erfahrungen und dem Wissen des Kollegen profitiert. Zudem kommt man ja so am schnellsten zu den relevanten Informationen, ohne gezwungen zu sein, die Fülle der Angebote selbst zu verarbeiten. Der Kollege dient somit als Informationsfilter und trägt damit entscheidend zur Minderung der Überlastung durch Informationen des einzelnen bei. Bezüglich der neuen Medien ist ein deutlicher Gewinn an Einfluss zu verzeichnen. Sie werden mit Sicherheit zukünftig, gemeinsam mit den anderen Medien, ein gleichwertiges Trio bilden. Dabei ist die Online-Verfügbarkeit der meisten Fachjournale lediglich nur eine Facette. Die online gehaltene Information hat den Vorteil der Aktualität, der allgegenwärtigen Verfügbarkeit und schont die Ressourcen des Nutzers, wenn man mit den verschiedenen personenbezogenen Medien vergleicht, deren Nutzung viel mehr Zeit und Aufwand beanspruchen.

Die Werte für «Nutzung» und «Qualitätseinschätzung» verlaufen nicht immer parallel. Angebote mit qualitativ hoher Einschätzung, wie etwa internationale Kongresse, werden jedoch kaum genutzt. Auch die internationalen Fachartikeln weisen eine gehörige Differenz auf. Wahrscheinlich liegt es am Zeitmangel und den Kosten der Kongressbesuche bzw. an dem erhöhten Zeitaufwand beim Durcharbeiten der oft in Englisch gehaltenen Artikel. Solche Medien sind auch oft teuer in der Anschaffung.
Ins Auge fällt insbesondere die überaus positive Beurteilung der neuen Medien, die jedoch noch wenig genutzt werden. Zwar hat der entscheidende Wandel in den Köpfen schon eingesetzt, doch hat sich das noch nicht in der täglichen Praxis der Mediziner niedergeschlagen.

Um eine zeitgemäße Behandlung ihrer Patienten gewährleisten zu können, sehen sich die Ärzte der Herausforderung gegenüber, die permanent wachsende Fülle neuer Informationen effizient und effektiv zu verarbeiten. Die der Informationsbeschaffung zugrundeliegenden Mechanismen werden sich zukünftig ändern. So gewinnen die neuen Medien an Bedeutung, weil sie einen schnellen und unkomplizierten Zugriff auf aktuellstes Wissen ermöglichen. Die klassischen Informationsmedien via Printerzeugnissen, Pharma-Referenten u.a. dürften dahingegen an Gewicht verlieren. Der Austausch mit den Fachkollegen wird auch weiterhin das Mittel der Wahl sein, um zu validen Informationen zu gelangen.20

Ähnlich gestaltet sich auch die Situation in Deutschland. So ergab eine repräsentative Umfrage der Boston Consulting Group (BCG) aus dem Jahre 2003 unter deutschen Ärzten, dass zwei Drittel aller Ärzte online sind und im Durchschnitt drei Stunden in der Woche im Netz auf der Suche nach medizinischen Informationen verbringen - zumeist außerhalb der Praxiszeiten. Die Websites, auf denen deutsche Mediziner am häufigsten surfen, hat die Bundesärztekammer ermittelt. 88 Prozent der Ärzte suchen medizinische Informationen, 61 Prozent bilden sich online fort. 48 Prozent informieren sich über Medikamente und gerade mal 6 Prozent kommunizieren via e-Mail mit ihren Patienten. Die Übersicht und die Qualität des Webangebots ist jedoch noch nicht optimal.21

Die aktuelle Situation

Eine kanadische Studie aus dem Jahr 2007 ergab, dass US-Pharmaunternehmen mehr Geld für Werbung ausgeben als für Forschung – im Jahr 2004 wurden 39,3 Mrd. € in Werbemaßnahmen, 21,5 Mrd. € in Forschung und Entwicklung investiert. Als Quellen führen sie Marktforschungsinstitute sowie die amerikanische National Science Foundation an.22

Eine Dokumentation von Frontal21 des ZDF vom 8. Dezember 2008 („Das Pharma-Kartell“)23 kritisiert Pharmafirmen, die zu Lasten von Patienten Profitinteressen verfolgen. Es würden Nebenwirkungen von Medikamenten verschwiegen, Selbsthilfegruppen durch Finanzierung beeinflusst und Politiker, Ärzte und Heilberufe mit Gefälligkeiten umworben.

Die Pharmaindustrie kauft nach und nach unsere Fachleute auf. Die Menschen in der Gesundheitswirtschaft, ganz gleich ob Pflegekräfte oder Ärzte, müssen wieder Spaß an ihrer Arbeit gewinnen, da dieser im Lauf der Zeit verloren gegangen ist. Sehr viele erfahrene und gut ausgebildete Fachkräfte verlassen ihren Job frühzeitig, weil sie ausgebrannt sind und unter einer starken sowohl physischen als auch psychischen Belastung leiden. Sehr viele Fachkräfte arbeiten somit nicht mehr in den von ihnen erlernten Berufen. Etwa jeder vierte Arzt verzichtet inzwischen nach dem Studium auf eine Facharztausbildung. Anstatt als praktizierender Arzt tätig zu werden, wechseln die Mediziner in die Pharmaindustrie. Ähnliches vollzieht sich bei den Pflegekräften. Durch diesen neuen Trend gehen uns bis zu einem Drittel sämtlicher Fachkräfte verloren. Die Arbeitsbedingungen und die Vereinbarkeit von Beruf und Familie bedürfen also einer entscheidenden Verbesserung24

Dass Pharmakonzerne bezüglich ihres Vertriebes nicht immer sauber arbeiten, zeigen hohe Strafzahlungen, insbesondere in den USA. Nach Angaben des Handelsblattes kündigte der Pharmakonzern GlaxoSmithKline zusätzliche Belastungen von 400 Millionen US-Dollar (312 Millionen Euro) infolge von Ermittlungen wegen unerlaubter Vertriebsmethoden an. Die großen Pharmaunternehmen Pfizer und Eli Lilly hatten bereits zuvor hohe Rückstellungen angekündigt. Pfizer hat einem Vergleich zugestimmt, in dessen Rahmen eine Rekordbuße von 2,3 Mrd. $ bezahlt werden muss. Gegen Eli Lilly wurde im Januar 2009 eine Buße von 1,4 Mrd. $ verhängt.25 Die Manager der pharmazeutischen Industrie gehen das Risiko einer Strafzahlung gerne ein, weil der eingefahrene Gewinn diese Nebenkosten quasi aus der Portokasse abdeckt.

Der Einfluss der Pharmaunternehmen auf die Medizin und die akademische Pharmaforschung wird von einigen Kritikern als problematisch angesehen.26 27 Interessenskonflikte (Befangenheit) sind in der akademischen Forschung keine Seltenheit und können die Integrität der Forschung in Frage stellen.28 29

Ein fragwürdiges Verständnis von Transparenz gibt übrigens auch die Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde (DGPPN) zu erkennen. In einer Selbsterklärung sollten 70 Funktionsträger bereits 2010 angeben, wofür und in welcher Höhe sie persönliche Honorare etwa für Beratungen von pharmazeutischen Firmen kassieren. Die Interessenkonflikte sind anscheinend so brisant, dass die DGPPN 2011 beschlossen hat, das ermittelte Material auf Wunsch der Mitglieder unter Verschluss zu halten, 30
Fest steht auf jeden Fall, dass die Arzneimittelhersteller direkt den Jahreskongress der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde (DGPPN) in Berlin sponsern, und indirekt, indem sie Teilnehmern Reise und Gebühren finanzieren.31

AstraZeneca gab 2010 an, dass sie ab Mitte des Jahres den Umgang mit den niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten neu zu regeln. Die „Belohnungsanreize“ für Verordnungsgefälligkeiten sollen abgebaut werden, Kongressreisen im Inland oder Ausland und die Besuche der Pharmareferenten werden eingeschränkt. Die Anreize für Ärzte seien nämlich nicht mehr zeitgemäß seien und diese Art von Werbung vollkommen berechtigt kritisiert worden. GlaxoSmithKline hat Ähnliches im Sinne und will die „Schmuddelecke“ der „gekauften“ Verordnungen zu verlassen und neue Wege zu beschreiten 32). Immer mehr sei nämlich die Diskrepanz zwischen dem erkennbar, was die Pharmahersteller zur Gesundheit beitragen, und wie sich ihr Image in der Öffentlichkeit darstellt. Die pharmazeutische Industrie „rangiere auf dem [Niveau] der Rüstungs- und Waffenindustrie“ 33. Der laut gewordene Vorwurf der Korruption, Bestechung oder „Schmiergeldzahlungen“, etwa durch finanziellen Anreize für Ärzte zur Durchführung von Anwendungsbeobachtungen („gekaufte Verordnungen“) liegt dem Unternehmen schwer im Magen. Cameron Marshall, der Vorsitzende von GlaxoSmithKline Deutschland, sagt dazu „Die Gesellschaft stellt Fragen über die Ölindustrie, die Tabakindustrie und auch über die Pharmaindustrie.“ 34 Jetzt soll sich alles ändern: Eingeschränkt werden die Abgabe von Musterpackungen, mit denen die Mediziner ihr Arzneimittelkonto entlasten konnten und gleichzeitig als Werbung für die Produkte dienten. Weniger Geschenke sollen verteilt und und von Marketingabteilungen weniger finanzierte Fortbildungsveranstaltungen gewährt werden. Erst nach der Zulassung will man in Zukunft die neuen Produkte bewerben. Zudem sollen die Namen der Ärzte, die für GlaxoSmithKline tätig sind, samt ihrem Honorar im Internet publik gemacht werden. GlaxoSmithKline will sich zudem von Anwendungsbeobachtungen distanzieren. „Weit über 90 % aller Anwendungsbeobachtungen, die in der Industrie laufen, halte ich für wissenschaftlich nicht angezeigt“, so ein Sprecher des Unternehmens 35. Aber wir sollten dabei nicht vergessen, dass GlaxoSmithKline noch im Vorjahr versucht hat, durch eine „retardierte“ Informationspolitik sein Diabetesmittel Avandia® zu retten und kritische Publikationen zu diesem Mittel zu verhindern.36
Die Barmer Krankenkasse glaubt den Ankündigungen der Unternehmen noch nicht so recht. Denn wenn die Konkurrenz Vorteile aus der neuen Zurückhaltung der Unternehmen ziehen, "könnten die Marketingabteilungen wieder Oberwasser gewinnen. Umsätze und Rendite haben Aktionäre, Analysten und Pensionskassen noch immer mehr interessiert als Image und Ethik. "37

Die Pharmaindustrie hat es im Laufe der Jahre geschafft, omnipräsent zu sein. Die Ärzte pflegen gerne den Kontakt zu ihren Vertretern, Universität und Forschung sind mit den Lobbyisten verbandelt und werden von ihnen finanziert und auch individuelles Sponsoring etwa von Veranstaltungen ist nicht selten. Es entstand eine unbewusste Akzeptanz für diese Zusammenhänge.38

Beurteilung seitens der IPPNW

Die IPPNW (International Physicians for the Prevention of Nuclear War bzw. IPPNW - Deutsche Sektion der Internationalen Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges / Ärzte in sozialer Verantwortung e.V.) beschreibt die Situation wie folgt:

  • Als eines der Beispiele werden die sogenannten atypische Neuroleptika angeführt. Laut Müller-Oerlinghausen, dem langjährigem Vorsitzenden der Arzneimittelkommission, hatten Meinungsführer in der Psychiatrie die neue Generation von Medikamenten als Mittel der ersten Wahl propagiert, die man auch keinem der schizophrenen Patienten vorenthalten dürfe. Sie hätten nämlich nicht die schweren motorischen Nebenwirkungen wie zum Beispiel das herkömmliche Neuroleptikum Haloperidol. Dabei waren sie den konventionellen Neuroleptika weder in der Wirksamkeit noch in der Verträglichkeit überlegen - aber sie waren etwa zehnmal so hohen Preis. Besonders die beiden Wirkstoffe Risperidon (Risperdal) und Olanzapin (Zyprexa) seien "Musterbeispiele dafür, wie durch Unterdrückung frühzeitig vorhandener wissenschaftlicher Daten ein unzutreffendes verherrlichendes Bild gezaubert wurde".39
  • Zu den Mitteln der Pharmaindustrie zählt auch die massive Beeinflussung. So ist der Einfluss der Pharmaindustrie auf Ärzte, Forschung, Fachzeitschriften, Behandlungsleitlinien, Patientenorganisationen, die Politik und Regulierungsbehörden inzwischen so weit fortgeschritten, dass Transparency International (TI) von einer "strukturellen Korruption", spricht, die zwar gemeinschaftsschädlich, aber gesetzeskonform sei.40
  • Dies alles sei damit zu erklären, dass etwa 35 - 40% der Kosten der Pharmaindustrie ins Marketing fließen und lediglich 10-15% in die Forschung und Entwicklung. Bei 10-15 % der neu in den Markt eingeführten Wirkstoffe handelt es sich um Neuerungen mit einem nennenswerten Zusatznutzen. Die meisten der neuen Medikamente sind jedoch sogenannte Scheininnovationen, ohne jeglichen oder allenfalls geringen Zusatznutzen. Also werden sie mit einem enormen Werbeaufwand vermarktet, da niemand sie wirklich braucht. Die Patentierung schafft dann dem Pharmaunternehmen ein Monopol, so dass es den Preis 20 Jahre lang frei bestimmen kann. Sogenannte Nachahmerpräparate (Generika), also patentgeschützte Arzneimittel, die nur eine geringfügige Moleküländerung eines bekannten Wirkstoffes darstellen, werden nur deshalb auf den Markt geworfen, weil sie höhere Preise erzielen als Medikamente, deren Patentschutz bereits abgelaufen ist, oder um an dem profitablen Markt des Orginalpräparates Teil zu haben. Die Behauptung, dass Patente eine effiziente und innovative Forschung gewährleisten, stimmt also nicht und ist nichts als ein Mythos. Patente dienten früher als Belohnung für Erfindungen und Menschheitsfortschritt und sind heute "ein strategisches Instrument zur Sicherung ökonomischer Vorherrschaft". Die Pharmaindustrie, die zu den profitabelsten Industriebranchen mit einer Eigenkapitalrendite von 18-19 % nach Steuern zählt (andere Industriezweige 3-7 %), erweist sich jedoch bezüglich der Entwicklung für die Gesundheit wirklich relevanter innovativer und preiswerter Medikamente als total ineffizient. Die hohen Medikamentenpreise mit ihren alljährlich hohen Steigerungsraten höhlen systematisch die Gesundheitssysteme aus.41
    Die 20.000 Pharmareferenten halten rund 20 Millionen Mal im Jahr im Auftrag ihrer Firmen eine Visite ab bei Ärztinnen und Ärzten. Sie sind der Rückgrat der Pharmaunternehmen, die sich diesen "Service" 2.5 Milliarden Euro kosten lassen: 8.000 bis 13.000 Euro geben sie für jeden einzelnen Doktor, allein für das Marketing aus. Dann ist da kaum ein Kongress oder eine medizinische Fortbildung, die nicht von der Pharmaindustrie gesponsert wird, einschließlich horrender Honorare für ihnen freundlich gesonnene Referenten und üppiger Buffets für die Teilnehmer. Es ist einzigartig, dass sich einer der bestverdienenden Berufszweige seine Fortbildung von Dritten zu Lasten der Beitragszahler finanzieren lässt.42
  • Die meisten medizinischen Zeitschriften sind interessengesteuert. Der Einfluss der Pharmaindustrie auf die medizinischen Fachverbände und Fachzeitschriften ist enorm und nahezu alle medizinischen "Experten" stehen in irgendeiner Abhängigkeit zur Industrie, von der sie finanziell profitieren. Sehr viele der wissenschaftlichen Zeitschriften ist von der Pharmaindustrie abhängig und beeinflusst, ohne dass dies für den Leser erkennbar wäre. Die Kontakte zwischen Unternehmen und Forschern sind inzwischen so beherrschend, dass das New England Journal of Medicine auf seine Forderung verzichten musste, dass Autoren, die klinische Studien beurteilen, keine finanziellen Verbindungen zu den Firmen aufweisen dürfen, deren Medikamente bewertet werden. Die Zeitschrift fand einfach nicht mehr genug unabhängige Experten und musste deren finanzielle Abhängigkeit auf bis $ 10.000 im Jahr begrenzen (8). Über die Hälfte aller Editorials und Übersichten selbst in renommierten Fachzeitschriften werden in wesentlichen Teilen durch professionelle Schreiber aus der Industrie vorbereitet.
    Auch Fakultäten und Fachgesellschaften stehen in einer nicht transparenten Abhängigkeit von der Industrie. Die Industrie übt auch Einfluss auf die Formulierung von Behandlungsleitlinien aus. Zwischen den Äußerungen der Fachgesellschaften und solchen der Industrie ist oft kaum zu unterscheiden.
    Die vielfältigen Verflechtungen zwischen Industrie und Medizin haben in der US Medizin, darunter führende medizinische Fakultäten, die Forderung nach der Unabhängigkeit der Forschung und Fortbildung vom unmittelbarem Einfluss der Industrie laut werden lassen und Drittmittel sowie Gelder für Fortbildung in einen pool einfließen zu lassen, der von einem unabhängigen Gremium zugeteilt wird.43
  • Die massive politische Einflussnahme seitens der Industrie schadet dem öffentlichen Interesse an einer rationalen und preiswerten Medikamentenversorgung.
    Nach einer US amerikanischen Quelle gab die US Industrie $ 163.6 Milliarden für die politische Einflussnahme aus, darunter 121.4 Mrd. für die Lobbyarbeit auf Bundes- und Staatenebene zur Verhinderung von Preiskontrollen, zur Sicherung und Durchsetzung von Patenten weltweit, was auch Zahlungen an die Generikahersteller einschließt, um die Konkurrenz aus dem Markt zu halten. Weiterhin knapp $ 5 Mrd für die Einflussnahme auf die FDA, die US Zulassungsbehörde. 2002 beschäftigte die Pharmaindustrie 675 Lobbyisten von 138 Firmen - fast 7 für jeden US Senator. Unter den Lobbyisten befinden sich 26 frühere Kongressmitglieder und alles in allem verfügten 342 von ihnen über "Drehtür" Verbindungen zur US Bundesregierung.
    Selbst in Deutschland reicht die Lobby der Industrie weit. Der SPD Gesundheitsexperte und Bundestagsabgeordnete Lauterbach berichtete aus dem Gesundheitsausschuss des Bundestages, dass er seinen Augen nicht trauen wollte, als ein Gesetzentwurf der FDP unverblümt die Handschrift und den Absender der Pharmaindustrie trug. Die Einführung einer Positivliste, von Gesundheitsexperten im Rahmen von Arzneimittelsicherheit und zur Kostensenkung seit Jahren gefordert und zunächst auch im Gesetzentwurf zur Reform des Gesundheitswesen (2003) enthalten, scheiterte an der industriellen Lobby. Deutschland ist weltweit eines der wenigen Länder, das bis vor kurzem keine Preisverhandlungen zwischen Pharmaindustrie und Staat bzw. Kostenträger unterhielt und deshalb entsprechend hohe Medikamentenpreise zahlte . (In Ländern mit solchen bzw. öffentlicher Ausschreibung, z.B. Neuseeland, liegen die Preise bis zu 50% (Orginalpräparate) und 90 % (Generika) unter den bei uns üblichen. Auch dies ein Resultat der Lobby. 44
  • Die Unterminierung von Ethik und Vertrauen seitens der Pharmaindustrie: Eine der Hauptursachen der Abhängigkeit besteht in der "gefühlten" Unabhängigkeit der Ärzte gegenüber den Marketingmethoden der Industrie, obwohl deren Einfluss auf das Verschreibungsverhaltens eindeutig nachweisbar ist. Entsprechend äußerten auch 80 Prozent von ihnen, durch die Werbung der Pharmaindustrie nicht beeinflusst zu sein, dies jedoch für 60% ihrer Kollegen annehmen. Daher ist es entscheidend, dass (angehende) Ärzte gegenüber ihrer Pharma(früh)sozialisation sensibilisiert werden und Strategien lernen, wie sie sich dagegen immunisieren und unabhängig informieren können. Dies muss, wie gefordert, regelmäßiger Bestandteil des Medizinstudiums sowie der Fort- und Weiterbildung sein.
    Die hier beschriebenen Mechanismen der Einflussnahme nützen, wie Transparency ausführt, nur wenigen, schaden aber der Mehrheit. "Vor allem aber untergraben sie durch die Korruption von Ethik das Vertrauen in die moralische Integrität der Heilberufe und in die Leistungsfähigkeit des Systems." Angesichts dieser Auswüchse und Missstände, die hier nur kurz beleuchtet werden konnten, regt sich auch hierzulande zunehmend Kritik und Widerstand. Eine große (fach-) öffentliche Debatte, wie sie in den angelsächsischen Ländern geführt wird, ist auch hier überfällig. Wir als Ärzte müssen im Interesse der Medizin als Wissenschaft und der Integrität unseres Berufes auf größere Unabhängigkeit von der Pharmaindustrie bedacht sein, wollen wir nicht, wie es der renommierte US Psychiater E. Fuller Torrey vom Stanley Medical Research Institut in Bezug auf einen Teil seiner Kollegen und sein Fachgebiet äußerte, dazu beitragen, das unserer Berufsstand zu einem pharmazeutischen Bordell verkommt.45

Die Einschätzung der Mezis

Das alles kommt nicht von ungefähr: Die Mezis, vertreten durch den Pharma-Kritiker Nikolaus Koneczny, beschreiben die Tricks der Pharmalobby wie folgt:46

  • Sind mittags die Patienten gegangen, dann sitzen fast täglich im Wartezimmer noch zwei, drei Pharmavertreter. Sie bringen neue Medikamente mit und beeindruckende Grafiken, die den Nutzen dieser Medikamente nachweisen sollen. Die Vertreter sind bestens informiert über den Arzt, den sie besuchen. Sie kennen seine Schwierigkeiten und schaffen es, eine sehr freundliche und persönliche Atmosphäre aufzubauen.
  • Zu guter Letzt hinterlassen sie dann die Musterpackungen beim Arzt. Die Muster dienen dazu, Ärzte und Patienten anzufixen. Wenn ein Patient auf das Medikament eingestellt ist und die Muster alle sind, dann macht es keinen Sinn, wieder auf ein anderes Präparat umzusteigen. Also verschreibt der Mediziner weiterhin das Medikament.
  • Dabei kam es schon mehrfach vor, dass die heftig beworbenen Produkte schon kurz nach der Einführung den versprochenen Nutzen vermissen ließen oder gar dem Patienten Schaden zufügten. Ein Cholesterinsenker löste etwa Muskelerkrankungen aus und wurde gar mit Todesfällen in Zusammenhang gebracht. Der langfristige Nutzen für den Patienten ist bei Neuentwicklungen ohnehin in der Regel noch nicht bewiesen. Zudem kosten die neuen Medikamente viel mehr als die bewährten Präparate.
  • Der Mediziner profitiert zum Beispiel bei der sogenannten Anwendungsbeobachtung. Der Arzt füllt einige harmlose Fragebögen zum Einsatz des Medikamentes aus und bekommt dafür Geld. Der ganze Einsatz ist pseudo-wissenschaftlich und dient nur dem Zweck, die Verschreibung zu fördern und eine finanzielle Vergütung zu rechtfertigen.
  • Wellnesswochenenden, zu denen auch die Ehefrau des Arztes eingeladen sind, tarnt die Pharmaindustrie gerne als Fortbildungsseminar. Die Fortbildung erstreckt sich dann auf eine 30-minütige Lektion. Ansonsten gibt es kostenlos schmackhaftes Essen, Sauna und Pool. Der Mediziner fühlt sicvh dann zu einer gewissen Bringschuld verpflichtet.
  • Die Fortbildungsseminare sind das primäre Einfallstor der Pharmaindustrie bei den Ärzten und das in mehrerlei Hinsicht: Die Industrie stößt in bestehende Lücken, indem sie beispielsweise Reisen zu Fortbildungen bezahlt. Unterhalb der Ebene von Chefarztposten übersteigt es oft die Möglichkeiten der Ärzte, solche Reisen privat zu bezahlen, selbst die Krankenhäuser sind damit überfordert.. Dann geht es dabei nicht nur um bezahlte Luxusreisen. Subtiler wird es, wenn sich die Mediziner dafür bezahlen lassen, auf diesen Seminaren eine Lobrede über die Produkte bestimmter Hersteller zu halten. Zwar hat das einen wissenschaftlichen Touch, aber im Grunde genommen handelt es sich dabei nur um Werbung. Diese hat natürlich einen gewissen Mehrwert, wenn sie von einem Kollegen vorgetragen wird, dem man vertraut.
  • Dann bekommt der Arzt noch noch bündelweise Zeitschriften in die Praxis, die mit einem unabhängigen, wissenschaftlichen Eindruck kaschiert sind. In Wirklichkeit in Wirklichkeit handelt es sich jedoch um Werbeschriften, also Prospekte. Der Aufbau folgt meist einem bestimmten Schema: Im angeblich redaktionellen Teil liest der Patient einen Bericht über eine bestimmte Behandlungsmethode und zwei Seiten weiter wird dann das Medikament beworben.
  • Auch die Praxissoftware ist manipuliert: Suche ich nach einem Arzneimittel, poppt plötzlich Werbung für ein Präparat eines bestimmten Herstellers auf. Zwar kann der Arzt den Vorschlag wegklicken, doch prägt sich der Name des Präparats irgendwann doch einmal fest ein.
  • Viele Mediziner sind der Meinung, die Methoden der pharmazeutischen Industrie zu kennen und damit nicht käuflich zu sein. Auch das ist ein Trugschluss. So belegen wissenschaftliche Studien aus den USA und Kanada, dass sich das Verordnungsverhalten der Ärzte durch das Wirken von Pharmavertretern verändert. Wäre dem nicht so, dann würde die Industrie wohl kaum so viel Zeit und Geld für die Manipulation der Ärzte investieren.
  • Nachteilig an der Vermeidung von Kontakten zu Pharmavertretern ist, dass die kostenneutralen Muster fehlen für Patienten, die über wenig Geld verfügen oder nicht richtig versichert sind. Zudem ist man nicht informiert über Neuerungen auf dem Markt. Das lässt sich aber durch das Lesen von wissenschaftlichen Publikationen ausgleichen.

Nikolaus Koneczny fügt dem hinzu, dass es Im Grunde genommen ja genug Vorschriften und Gesetze gibt. Doch lässt sich das Ganze seines Erachtens mit neuen Gesetzen nicht regeln, weil findige Kollegen stets einen Weg finden werden, diese zu umgehen. Der Mediziner muss sich schon selbst fragen, wem er sich verpflichtet fühlt. Das sollte ja wohl der Patient sein. Der Arzt muss Medikamente und Behandlungsmethoden auswählen, deren Nutzen wissenschaftlich bewiesen ist. Geht es ihm um das Wohl der Patienten, ergibt sich auch, dass man sich nicht bestechen lassen darf.

Begünstigende Faktoren

Die Beeinflussung der Mediziner seitens der pharmazeutischen Industrie findet auf viele Arten und auf vielen Ebenen statt: Die folgenden Faktoren, begünstigen dabei die Beeinflussung von Ärzten:47

  • Verordnungsmanagement: Das Prämiensystem der Pharmaunternehmens sieht vor, dass Ärzte als Prämie für die Verordnung von Arzneimitteln des Unternehmens mehrere Prozent des Abgabepreises erhalten sollten48.
  • Anwendungsbeobachtungen: Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) zählt etwa 200 neue Studien im Jahr, bei denen jeweils wenige Dutzend bis mehrere hundert Ärzte Erfahrungen mit Medikamenten bei ihren Patienten an den Hersteller melden. Zwar kann das sinnvoll sein, um Dinge auszuforschen, doch dienen die Kleinstudien, für die Ärzte entschädigt werden, vor allem dazu, die Zahl der Verordnungen zu mehren.
    Seit Jahrzehnten bezahlen Pharmafirmen und Hersteller von Medizinprodukten und -geräten die Ärzte dafür, dass sie kleine Arzneistudien anstellen. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) ermittelte, dass die Mediziner mehr als 80.000 Mal im Jahr an einer von über 300 sogenannten Anwendungsbeobachtungen teilnehmen. Die Ärzte beobachten dabei die Wirkung neuer Mittel an ihren Patienten, oft ohne deren Wissen. Der Hersteller bezahlt wiederum dem Arzt pro Patient 10 bis 1000 Euro. 49
    Sogar der Forschungsleiter von GlaxoSmithKline in Deutschland, Torsten Strohmeyer, gibt an: "Weit über 90 Prozent aller Anwendungsbeobachtungen, die in der Industrie laufen, halte ich für wissenschaftlich nicht angezeigt."
  • Ghostwriting: Das Zustandekommen von Fachartikeln über klinische Studien zu neuen Arzneimitteln ist besonders problematisch. Die Pharmafirmen lassen nämlich die Artikel mit einem positivem Fazit über neue Produkte von professionellen Schreib-Agenturen verfassen und namhafte Ärzte werden als Autoren dieser Texte angegeben. Die Hormonersatz-Therapie für die Wechseljahre soll so gepusht worden sein.
  • Kongresse: Ein Freizeitprogramm und Saunagänge zählten etwa zum Programm für Urologen bei einem Workshop im finnischen Wintersportort Levi, zu dem ein Pharmahersteller einlud. Die freiwillige Selbstkontrolle der Arzneimittelindustrie sanktionierte dann den Fall. Die gesponserten Kongresse und Fortbildungen stehen jedoch weiterhin im Zentrum der Kritik.
  • Pharmavertreter: Kernproblem sind jedoch die vielen kleinen Einflussnahmen seitens der 15.000 Pharmavertreter, die im Jahr 20 Millionen Besuche bei Ärzten machen. Die Pharmavertreter bringen auf diese Art neue Produkte in den Markt, die nicht unbedingt mehr nutzen, aber mehr kosten. Viele der Mediziner haben das angenehme Gefühl, vom Pharmavertreter anerkannt und aufgewertet zu werden.
  • Zeitschriften: Die Pharmalobby verteilt Zeitschriften, die die positiven Seiten ihrer neuer Medikamente aufzeigen. Viele Ärzte informieren sich aus diesen unseriösen Quellen, weil sie vergleichsweise schnell zu lesende Zusammenfassungen klinischer Studien enthalten

Es ist inzwischen so weit gekommen, dass bei vielen Ärzten über Jahrzehnte die Haltung gewachsen ist, die Anreize auch offen einzufordern. Sie drohen dann ihrem Anbieter, sich anderen Pharmaunternehmen zuzuwenden, wenn die Anreize ausbleiben.50

Mechanismen

psychologische Mechanismen

Die im Hintergrund wirkenden psychologische Mechanismen sind

  • Reziprozität51
  • Freundschaft - Der Mediziner sieht den Pharmavertreter gar als Freund an, während jener den Arzt als seinen Kunden betrachtet.52
  • Motivierte Evaluation / Bestätigungs-Bias
  • Soziale Bewährtheit53

Blinde Flecke in der Forschung

sponsorship bias - Das "Neuroleptika-Paradoxon"

Nach Auswertung von 59 doppelblinden Vergleichsstudien "atypischer" und "klassischer" Neuroleptika stellte man bereits 2004 fest, dass firmenfinanzierte im Vergleich zu industrieunabhängigen Studien neue Wirkstoffe deutlich begünstigen. Die unabhängige Forschung gerät dabei offensichtlich immer mehr ins Hintertreffen: Die unabhängigen und industriegeförderten Studien beim ältesten "Atypikum" Clozapin (LEPONEX u.a.) hielten sich die Waage, während Risperidon-Studien bereits sechsmal häufiger firmengesponsert sind, solche mit Olanzapin (ZYPREXA) zu 97% und mit Quetiapin (SEROQUEL) und Ziprasidon (ZELDOX) zu 100% 54. Der Vergleich der Ergebnisse für "atypische" Neuroleptika hinterlässt den verwirrenden Eindruck, als sei Olanzapin besser als Risperidon (RISPERDAL), dieses dem Quetiapin überlegen, welches seinerseits wiederum Olanzapin überträfe - es ergibt sich ein "Neuroleptika-Paradoxon" . Die Autoren einer aktuellen Analyse suchen nach den Ursachen und werteten verblindet, ohne Kenntnis von Sponsor, Substanznamen oder Dosierungen, 30 Abstracts firmenunterstützter Vergleichsstudien zwischen 1966 und 2003 hinsichtlich des Abschneidens der jeweiligen Prüfpräparate aus. Es ergab sich ein klarer Zusammenhang zwischen Förderung durch die Industrie und Studienergebnis: Bei 27 Studien (90%) schneidet das Präparat der fördernden Firma besser ab als das konkurrierende Produkt. Insbesondere die paarweise Gegenüberstellung vermittelt das absurde Bild, als ob jeweils der Sponsor das bessere Mittel herstellen würde, also beispielsweise in einer von der Firma Lilly geförderten Studie Olanzapin dem Amisulprid (SOLIAN) überlegen sei, während eine von Sanofi-Synthelabo unterstützte Studie zu einem entgegengesetzten Ergebnis kommt. In den zu den verblindet ausgewerteten Abstracts gehörenden Ergebnissen wird obendrein eine Vielzahl möglicher Verzerrungen gefunden (Bias), vor allem eine unangemessene Wahl der Dosis, des Studiendesigns und der Darstellung 55. Dies bestätigt Resultate einer früheren Untersuchung zum Einfluss von "Design- und Berichtmodifikationen" industriegesponserter Psychopharmakastudien 56. Die Finanzierung bestimmt also ganz wesentlich die Studienergebnisse. Bessere Standards für Abstracts, kritische Reviewer mit Augenmerk auf potenzielle Interessenkonflikte und mehr herstellerunabhängige Studien wie die CATIE-Studie 57 sind demnach dringend zu fordern.

Industriefinanzierung58

Jan. 1966 bis Dez. 2002

Schott et al. 2010 Nov. 2002 bis Dez. 2009
Bekelman et al. 2003 OR 3.60 Jan. 1980 bis Okt. 2002
Lexchin et al. 2003 OR 4.05

=> „sponsorship bias“

Designbias

Die Auftragsforschung für Pharmakonzerne ist ganz besonders umstritten. Besonders problematisch ist es, wenn Auftraggeber Forschungsziel und Studiendesign festlegen und die Klinik keinen Zugriff auf die Daten erhält. Auch die Methodik birgt Risiken, da die Pharmaindustrie nicht daran interessiert ist, dass die Patienten unerwünschten Arzneimittelwirkungen ausgesetzt werden. Also werden viele Probanden von den Studien ausgeschlossen. Die Nachteile zeigen sich erst später, wenn das Mittel in einer breiteren Population eingesetzt wird. Zudem muss die Vergleichstherapie suboptimal sein, damit das eigene Produkt besonders glänzend abschneidet. So könne ein altmodisches, etwas aus der Zeit geratenes Procedere bevorzugt werden.59

Es ist in jeder Phase des Forschungsprozesses möglich, der Studie einen entscheidenden Drall in die gewünschte Richtung zu versetzen.

  • Ein- und Ausschlusskriterien "erfolg"versprechend ausgewählt
  • Endpunkte:
    – unerwünschte nicht aufnehmen, „unterpowern“ (nur Krebspatienten mit gutem Allgemeinzustand)
    – "erfolg"versprechend aber nicht patientenrelevant
  • Vergleichsgruppe inaktiv
  • Vergleichssubstanz unter-, überdosieren
  • Vergleichsintervention entspricht nicht dem gegenwärtiger Standard
  • Untersuchungszeitraum kurz -Stop etwa bei einem positivem Surrogatparameter60

Nachweis von spin, Betrug

ghost writing / ghost management

ghost writing nach Sismondo61

"In extreme cases, drug companies

  • pay for trials by contract research organizations (CROs),
  • analyze the data in-house,
  • have professionals write manuscripts,
  • ask academics to serve as authors of those manuscripts,
  • pay communication companies to shepherd them through publication in the best journals. The resulting articles affect the conclusions found in the medical literature, and are used in promoting drugs to doctors.

"

Rolle und Einfluss des Sponsors bleiben dabei verborgen und es stellt sich die Frage der Aufrichtigkeit und Ehrlichkeit der Autorenschaft

Publikations-Bias62

Von einem Publikationsbias spricht man bei einem selektiven Publizieren und Beschönigen

• Zulassungsstudien FDA: 25-50% nicht veröffentlicht
• positive Outcomes veröffentlicht, teils mehrfach
• negative Studien bzw. Outcomes nicht veröffentlicht
• negative Outcomes positiv dargestellt
• häufigeres Zitieren

-> Zulassungsbehörden und Öffentlichkeit erhalten verzerrte Informationen
-> der Nutzen von Arzneimitteln wird überschätzt, Schäden werden unterschätzt

siehe Turner et al. 2008 Antidepressiva / Spielmans und Parry 2010 Psychopharmaka / Rising et al. 2008

Bewertung durch Zulassungsbehörde FDA und spätere Publikation 63
positive Studien veröffentlicht 37 von 38
negative 24
und fragliche 12 Studien

• nicht veröffentlicht 22
• veröffentlicht als negativ 3
• veröffentlicht als positiv 11

Hersteller hält Studien zurück
z.B.
Oseltamivir Tamiflu® Roche
Roche hält 42 von 67 Studien zurück64; GSK zanamivir (Relenza®) hält nicht zurück

Reboxetin (Edronax®) Pfizer
Pfizer hielt 10 von 16 Studien zurück Daten mit 74% der Probanden65

Der Hersteller hält Informationen über schwere unerwünschte Arzneimittelwirkungen zurück
z.B.
Cerivastatin Lipobay® von Bayer 1997 / 2001 66
Rofecoxib Vioxx® von MSD Sharp & Dohme (Merck) 1999 / 2004 67
Rosiglitazon Avandia® 2000 / 2010 68

disease mongering

Firmen sponsern die Kreation einer Krankheit (disease mongering)

Female Sexual Dysfunction69 ->Pfizer: Viagra
Durchblutungsstörung70 -> Procter and Gamble: Testosteronpflaster
Hormonmangel71 -> Boehringer Ingelheim: Flibanserin
Transmitterstörung72 ->Medikamente gescheitert – wissenschaftliches Gebäude erhalten

siehe auch Merging of Marketing and medical science, Ray Moynihan 2010

Geheimhaltung von Änderungen an Studien

Geheimhaltung von Änderungen der Kriterien in den Resultaten von randomisierten Studien73: Die Spielregeln / das Kriterium für den Erfolg wurde verändert ohne es mitzuteilen :

110 untersuchte Studien

  • primärer Outcome verändert in 31 %
  • sekundärer Outcome verändert in 70%

Zum Besitztum der Studiendaten

Der Besitz der Daten und deren Transfer74: Die Daten von Pfizer gehören Pfizer und nicht irgendeiner Privatperson.

Der alleinige Zweck der gehorteten Daten ist es, das eigene Marketing zu unterstützen. 75

  • durch Nutzung in label enhancements76, sNDA77 filings78
  • durch Nutzung in publications for field force79 use
  • durch Publikationen, die benutzt werden können, to support off-label data dissemination80

Folglich ist das kommerzielle Marketing kontrollierend involviert in allen Anstrengungen, die Daten zu verbreiten.

  • 1. Diese Dokumentation ist ein tief recherchierter Einblick in eine der großen Wachstumsindustrien westlicher “Kultur”. Sie zeigt, wie Firmen den Markt psychischer Krankheit durch Drohungen, beeinflusste Studien und Bestechung mittels Psychopharmaka bewirtschaften, die erhebliche Gesundheitsgefährdungen erzeugen und als legale Droge unserer Zeit begriffen werden können. Milliarden von Umsatz ermöglichen eine intensive Verflechtung mit Politik und sogar Selbsthilfeorganisationen.
  • 2. Wie groß ist der Pharma-Einfluss auf die Ärzte? Die Welt am 18. Februar 2013
  • 3. Wie groß ist der Pharma-Einfluss auf die Ärzte? Die Welt am 18. Februar 2013
  • 4. Meinungsführer (am. "opinion leaders") sind Menschen, die in Bezug auf eine bestimmte Angelegenheit von öffentlichem Interesse (am. issue) den höchsten Grad an Interessiertheit zeigen, sowie sich am häufigsten hierzu äußern. Darauf weisen Gemeindestudien hin sowie die Alltagserfahrung.
    Der Begriff wurde durch die 1944 in „The People’s Choice“ veröffentlichte Panelstudie von Paul Felix Lazarsfeld und anderen Wissenschaftlern zur US-Präsidentschaftswahl 1940 bekannt gemacht. Dazu wurde ein Zwei-Stufen-Modell der Kommunikation entwickelt. Die Lazarsfeld-Studie ermittelt die entsprechenden Meinungsführer, indem gefragt wurde, an welche Personen sich die gefragte Person nach Rat zu einer bestimmten Frage wenden würde.
    Als Meinungsführer werden auch solche Mediennutzer bezeichnet, die Informationen aus den Medien an die Menschen aus ihrem sozialen Umfeld weitergeben, die die Medien weniger stark nutzen.
    Meinungsführerschaft ist Bestandteil von alltäglichen zwischenmenschlichen Beziehungen. Meinungsführer können einen relativ großen Einfluss auf die Entscheidungen ihrer Mitmenschen ausüben. Sie existieren in allen Berufsgruppen und sozioökonomischen Schichten. Ihre Hauptfunktion zeigt sich in der Rolle des Vermittlers zwischen Massenmedien und ihrer sozialen Gruppe. Sie werden von Gruppenmitgliedern nach ihrer Meinung gefragt, geben Ratschläge und Informationen. Meinungsführer sind im Allgemeinen kontaktfreudige Personen, die viele soziale Kontakte pflegen. Es gibt verschiedene Arten von Meinungsführern:
    • Polymorphe Meinungsführer: Meinungsführer können in einer Vielzahl von Entscheidungsfeldern als Einflussperson wirken.
    • Monomorphe Meinungsführer: Der Einfluss des Meinungsführers konzentriert sich auf einen spezifischen Bereich (z.B. Mode, Politik. Medikamente).
    • Lokale Meinungsführer: Meinungsführer, die ihre Interessen auf den engeren Bereich der Gemeinde konzentrieren.
    • Kosmopolitische Meinungsführer: Meinungsführer, die ihr Interesse mehr auf Ereignisse auf nationaler und internationaler Ebene richten.
  • 5. Esch F.-R. Strategie und Technik der Markenführung.
    München: Vahlen; 2003
  • 6. Hall A, Walton G. Information overload within the health care system: a literature review. Health Information and Libraries Journal 2004;21:102–8.
  • 7. Wilson TD. Information overload: implications for healthcare services. Health Informatics Journal 2001;7:112–7.
  • 8. Nylenna M, Aasland OG. Primary care physicians and their informations seeking behavior. Scand J Primary Health Care 2000;18: 9–13
  • 9. Eine verbreitete Klassifikation der medizinischen Versorgung unterscheidet drei Sektoren:
    • Die medizinische Grundversorgung (englisch primary care, „Hausarztmedizin“) wird von Arztpraxen, allgemeinen Krankenhausambulanzen und anderen öffentlichen ambulanten Einrichtungen getragen. Etwa 90 Prozent der akuten und chronischen Gesundheitsprobleme sollen auf dieser kostengünstigen und flächendeckenden Ebene behandelt werden.
    • Die sekundäre Versorgung (englisch secondary care, Schwerpunktversorgung, „Facharztmedizin“) bilden niedergelassene und angestellte Fachärzte aller Richtungen sowie anderer Spezialisten, die auf Überweisung der Primärärzte tätig werden. Die Facharztbehandlung findet ambulant oder stationär (nach Aufnahme in einem Krankenhaus) statt. Innerhalb dieses Sektors werden Notaufnahmen, Intensivstationen, Operationssäle, Labor- und Röntgendiagnostik, Physikalische Therapie vorgehalten.
    • Die tertiäre Versorgung (tertiary care, Maximalversorgung) beruht auf spezialisierten Kliniken und Zentren, die größere Regionen oder mehrere Städte mit besonders teuren und aufwendigen Leistungen versorgen, etwa Unfall- und Verbrennungskliniken, Krebszentren, Transplantationskliniken und neonatologische Zentren.
  • 10. Badenhoop R. Patientenbeziehungsmanagement. Ein ParadigmenwechselDer Ausdruck Paradigmenwechsel wurde 1962 von Thomas S. Kuhn geprägt und bezeichnet in dessen wissenschaftstheoretischen und wissenschaftshistorischen Schriften den Wandel grundlegender Rahmenbedingungen für einzelne wissenschaftliche Theorien, z. B. Voraussetzungen „in Bezug auf Begriffsbildung, Beobachtung und Apparaturen“, die Kuhn als Paradigma bezeichnet.
    Die Präzisierung des Kuhnschen „Paradigma“-Begriffes ist ebenso wie seine systematischen Thesen und seine historischen Analysen nach wie vor strittig.
    In der Umgangssprache wird von „Paradigmenwechsel“ öfter in unspezifischerem Sinne gesprochen. Entweder sind dann für besonders wichtig gehaltene wissenschaftliche Entwicklungen gemeint oder beispielsweise ein Wechsel der Lebenseinstellung (etwa grundlegende Werte betreffend) oder auch Umbrüche in anderen lebensweltlichen oder fachlichen Zusammenhängen.
  • 11. Jenkins N. Patient Power in the Pharmaceutical Industry. London: Datamonitor PLC; 1999. p. 123.
  • 12. Mayfield R. The patient power outlook 2001. London: Datamonitor PLC; 2001.
  • 13. Wissensmanagement (englisch knowledge management) ist ein zusammenfassender Begriff für alle strategischen bzw. operativen Tätigkeiten und Managementaufgaben, die auf den bestmöglichen Umgang mit Wissen abzielen. Beiträge zum Wissensmanagement – theoretischer wie praktisch-anwendungsorientierter Art – werden in vielen Disziplinen entwickelt, insbesondere in der Betriebswirtschaftslehre, der Informatik, der Informationswissenschaft, der Sozialwissenschaft, der Pädagogik oder der Wirtschaftsinformatik.
    Wissensmanagement ist die methodische Einflussnahme auf die Wissensbasis eines Unternehmens (organisatorisches Wissensmanagement) bzw. der eigenen Person (Persönliches Wissensmanagement). Unter der Wissensbasis werden alle Daten und Informationen, alles Wissen und alle Fähigkeiten verstanden, die diese Organisation bzw. Person zur Lösung ihrer vielfältigen Aufgaben hat oder haben sollte.
    Bei organisationalem Wissensmanagement sollen individuelles Wissen und Fähigkeiten (Humankapital) systematisch auf unterschiedlichen Ebenen der Organisationsstruktur verankert werden. Organisationales Wissensmanagement kann daher als intervenierendes Handeln verstanden werden, das auf den Theorien der Organisationslehre und des organisationalen Lernens beruht und diese systematisch in die Praxis überführen will.
    Als ein Ergebnis des heutigen wissens- und innovationsorientierten Kommunikationszeitalters wird das im Unternehmen vorhandene Wissenskapital immer mehr zum entscheidenden Produktionsfaktor. Das Wissen innerhalb eines Unternehmens wird somit als Produktionsfaktor verstanden, der neben Kapital, Arbeit und Boden tritt. Die strategische Grundlage für das Wissensmanagement bietet vor allem der Knowledge-based View of the Firm. Dieser stellt eine Erweiterung der Auffassung dar, Information (z. B. im Rahmen der Marktgestaltung und -beeinflussung) als betriebliche Ressource bzw. als Produktionsfaktor zu sehen.
  • 14. Das Informationsverhalten niedergelassener Ärzte in der Schweiz PrimaryCare 2005;5: Nr. 43
  • 15.
  • 16. van Lier M. Bewältigung des Information Overload – Strategien zur Informationsverarbeitung am Beispiel des Arztes. St. Gallen, Universität St. Gallen
  • 17. Das Informationsverhalten niedergelassener Ärzte in der Schweiz PrimaryCare 2005;5: Nr. 43
  • 18. Dienstleistungen, die für Mobilgeräte angeboten werden
  • 19. virtueller Ort für Chats (Chat), in dem sich Teilnehmer unterhalten können. Chatrooms sind oft thematisch organisiert, sodass sich an den gleichen Themen Interessierte dort treffen und untereinander austauschen können. Die einzelnen Orte können wie reale Räume von den Chatteilnehmern betreten und wieder verlassen werden.
  • 20. Das Informationsverhalten niedergelassener Ärzte in der Schweiz PrimaryCare 2005;5: Nr. 43
  • 21. Trampelpfade im Info-Dschungel DocCheck News vom 19. Dezember 2005
  • 22. Mehr Geld für Werbung als für Forschung, SPON, 3. Januar 2008
  • 23. mittlerweile depubliziert und daher nicht mehr online erreichbar
  • 24. „112 – und niemand hilft“ - Studie zum Fachkräftemangel von PwC und WifoR
  • 25. Rekordbusse für den Pharmakonzern Pfizer. Neue Zürcher Zeitung. 3. September 2009
  • 26. Jelinek GA, Neate SL: The influence of the pharmaceutical industry in medicine. In: Journal of Law and Medicine. 17, Nr. 2, Oktober 2009, S. 216–23. PMID 19998591.
  • 27. The influence of the pharmaceutical industry. House of Commons Health Committee, Fourth Report of Session 2004–05, Volume I. 22. März 2005
  • 28. Lo B: Serving two masters – conflicts of interest in academic medicine. In: New England Journal of Medicine. 362, Nr. 8, Februar 2010, S. 669–71
  • 29. Young SN: Bias in the research literature and conflict of interest: an issue for publishers, editors, reviewers and authors, and it is not just about the money. In: J Psychiatry Neurosci. 34, Nr. 6, November 2009 S. 412–7.
  • 30. Spiegel am 12.12.2011
  • 31. Wie deutsche Psychiater mit der Pharmaindustrie zusammenarbeiten - Spiegel Nr. 20/2011
  • 32. Baumann, 2011, Frankfurter Rundschau
  • 33. Baumann, 2011
  • 34. Baumann, 2011
  • 35. Baumann (2011)
  • 36. BARMER GEK Arzneimittelreport 2011
  • 37. BARMER GEK Arzneimittelreport 2011
  • 38. Medical students' exposure to and attitudes about drug company interactions: a national survey. Sierles FS, Brodkey AC, Cleary LM, McCurdy FA, Mintz M, Frank J, Lynn DJ, Chao J, Morgenstern BZ, Shore W, Woodard JL. am 07. September 2005
  • 39. Die Pharmaindustrie und ihr Einfluss auf die Medizin
  • 40. Die Pharmaindustrie und ihr Einfluss auf die Medizin
  • 41. Die Pharmaindustrie und ihr Einfluss auf die Medizin
  • 42. Die Pharmaindustrie und ihr Einfluss auf die Medizin
  • 43. Die Pharmaindustrie und ihr Einfluss auf die Medizin
  • 44. Die Pharmaindustrie und ihr Einfluss auf die Medizin
  • 45. Die Pharmaindustrie und ihr Einfluss auf die Medizin
  • 46. Wellness als Fortbildung getarnt Frankfurter Rundschau vom 04. Januar 2013
  • 47. Wie groß ist der Pharma-Einfluss auf die Ärzte? Die Welt am 18. Februar 2013
  • 48. Kassenärzte dürfen Pharma-Geschenke annehmen
  • 49. Druck auf Ärzte nimmt zu NTV am 30. Oktober 2011
  • 50. Druck auf Ärzte nimmt zu NTV am 30. Oktober 2011
  • 51. die Gegenseitigkeit im sozialen Austausch - eine Hand wäscht die andere - gibst Du mir, gebe ich Dir
  • 52. Interessenkonflikte und medizinische Forschung – kann sich die Evidenzbasierte Medizin behaupten? David Klemperer in "Lobbyismus im Gesundheitswesen ", Berlin, 26. September 2011
  • 53. Viele Überzeugungsstrategen nutzen in ihren Argumentationen, Verhandlungen und Streitgesprächen das Prinzip der sozialen Bewährtheit, um Gesprächspartner von einem Sachverhalt zu überzeugen. Typische Beispiele dafür sind zum Beispiel Anzeigen im Format „20 Millionen Kunden können nicht irren“ oder „Von Hausfrauen auf der ganzen Welt empfohlen“. Es wird suggeriert, dass die Menge der Fürsprecher sozusagen für die Qualität und Richtigkeit der Sache bürgt. Das stimmt aber nicht. So ist es ein klassischer Spruch von Mathematiklehrern, dass die Mathematik nicht demokratisch wäre, also auch nicht die Mehrheit zwangsläufig Recht hat. Dies versucht „Soziale Bewährtheit“ jedoch zu suggerieren.
    Weil es unheimlich schwer ist, sich als Einzelner oder Minderheit gegen eine echte oder vermeintliche Mehrheit zu stellen, hat das Prinzip in der Praxis so viel Manipulations- und Überzeugungsmacht. So erfordert es sehr viel Reife und Selbstbewusstsein, um sich aktiv gegen eine scheinbar oder tatsächlich vorherrschende Meinung zu stellen.
    Soziale Bewährtheit wirkt besonders bei einer ungreifbaren Masse von Menschen. Beispielhaft sind dafür viele Werbeaussagen.
    Der Druck, der aus sozialer Bewährtheit erwächst, kann direkt greifbar und konkret sein. Wenn etwa alle Großmütter und Mütter einer Familie eine Mahlzeit auf eine bestimmte Art zubereiten und die Tochter es anders macht oder machen will, dann neigen die Älteren zum Einsatz „sozialer Bewährtheit“ und argumentieren, „das mache man so nicht“ oder „das muss man auf die folgende Art und Weise machen“ oder „richtig ist das so oder so“. Das unbestimmte Wort „man“ wirkt hier als Druckmittel der allgemeinen, breiten Masse
    (aus Soft Skills für Young Professionals - Moritz/Rimbach, GABAL)
  • 54. MONTGOMERY, J.H. et al.: Control. Clin. Trials 2004; 25: 598-612
  • 55. HERES, S. et al.: Am. J. Psychiatry 2006; 163: 185-94
  • 56. SAFER D.J.: J. Nerv. Ment. Dis. 2002; 190: 583-92
  • 57. (Arznei-Telegramm a-t 2005; 36: 98-100)
  • 58. Interessenkonflikte und medizinische Forschung – kann sich die Evidenzbasierte Medizin behaupten? David Klemperer in "Lobbyismus im Gesundheitswesen ", Berlin, 26. September 2011
  • 59. Kleine Geschenke erhalten die Freundschaft FAZ vom 23. März 2013
  • 60. Als Surrogatmarker (synonym: Surrogat-Parameter; von lat. surrogatum = Ersatz) bezeichnet man in klinischen Studien einen Messwert, dessen Beeinflussung die Wirkung einer Intervention, also z. B. einer Therapie, auf ein übergeordnetes medizinisches Phänomen, z. B. das Auftreten einer Krankheit oder eines Symptoms, anzeigen soll. Die Mindestvoraussetzung an einen Surrogatmarker ist die, dass zwischen ihm und dem Phänomen bereits ein statistisch signifikanter Zusammenhang besteht. Diese Voraussetzung ist jedoch nicht hinreichend. Dabei ist der Surrogat-Marker meist einfacher und schneller zu bestimmen als das Phänomen selbst, und wird daher oft aus Gründen der Wirtschaftlichkeit bevorzugt. Es kann auch vorkommen, dass das interessierende Phänomen überhaupt nicht messbar ist, sondern nur durch Surrogat-Marker erfasst werden kann (siehe Beispiele). Sowohl das Phänomen, als auch der Surrogat-Marker können als sogenannte Endpunkte der Studie definiert werden, also als Zielgrößen, anhand derer das Studienergebnis interpretiert und gewertet wird. Die Messbarmachung biologischer (und anderer) Phänomene bezeichnet man als Operationalisierung.
  • 61. Sismondo 2007
  • 62. Selektives Veröffentlichen und Beschönigen
  • 63. Turner et al. 2008
  • 64. Der große Grippekrach 2009 nahm ein Cochrane-Team den Roche-Blockbuster unter die Lupe und kam zu dem niederschmetternden Ergebnis, dass die frühzeitige Einnahme von Tamiflu eine Grippeerkrankung um wenige Tage verkürzt. Zudem hat das Medikament auf die im Zentrum der Pandemiedebatten stehenden gefährlichen Folgeerkrankungen keinen nennenswerten Einfluss.
    Für Roche sind solche Nachrichten eine PR-Katastrophe. Entscheidend für die Milliardenbestellungen vieler Regierungen zur Pandemievorsorge war die Eindämmung von Komplikationen wie Lungenentzündungen, die zum Tod führen können.
    Das Vertrauen der Regierungen in die Wirksamkeit von Tamiflu hatdem Pharmariesen Roche prima Erfolge beschert: Während der Schweine- und Vogelgrippe verkaufte der Konzern Tamiflu im Wert von 1,6 bis 2,1 Milliarden Euro. In normalen Grippe-Jahren sind es gerade einmal zwischen 230 und 470 Millionen Euro. Cochrane zufolge stützen sich praktisch alle Annahmen über die gute Wirksamkeit von Tamiflu auf nur eine Studie: die von Laurent Kaiser aus Genf. Von fünf Autoren standen vier auf der Gehaltsliste von Roche.
    Die Cochrane-Leute ermittelten, dass von zehn Studien, die Kaiser und sein Team auswerteten, lediglich zwei veröffentlicht waren. Besonders die Ergebnisse der nicht veröffentlichten klinischen Tests sollen die Resultate deutlich zum Positiven verzerrt haben. Lediglich in diesen acht Studien sei Tamiflu wirksamer als ein Placebo gewesen.

    Doch nur das, was öffentlich ist, lässt sich auch überprüfen. Die Pharmawächter vermerken entsprechend, dass es eine ganze Serie von Widersprüchen zwischen unveröffentlichten und veröffentlichten Versionen von klinischen Tests gibt. Der Basler Konzern habe sich klare "Verzerrungen" ("bias") zu Schulden kommen lassen, Daten unterdrückt, ein komplexes Netz von Ghostwritern eingesetzt, um Einfluss auf Publikationen zu nehmen.
    Es gibt eigentlich keinen Grund, Informationen über Studien nicht öffentlich zugänglich zu machen, außer es geht um den Schutz von Firmeninteressen. Dabei geht es aber immerhin um Menschenleben..

    Als 2009 in Deutschland wegen der Schweinegrippe bis zu 35.000 Tote befürchtet wurden, hatte die südliche Halbkugel ein halbes Jahr Vorlauf. In Australien hatte die Grippesaison insgesamt 169 Opfer gefordert, bei 22 Millionen Einwohnern ist das kein bemerkenswerter Wert. Die Politik ignoriert aber publiziertes Wissen. Es existiert eine Unfähigkeit, mit Fakten umzugehen. Oder es besteht ein Unwille dazu. Die regelmäßigen Impfaufrufe gegen die Grippe, die von den Ämtern ausgehen können mit einem kleinen finanziellen Details zusammenhängen: Solange die Impfstoffe nur gelagert sind, zahlen die Länder dafür - werden die Präparate jedoch verbraucht, dann steht die Krankenkasse in der Pflicht, zu bezahlen.

    Der große Grippekrach taz vom 14. Januar 2011

  • 65. Das Pharmaunternehmen Pfizer verschweigt Daten zur Wirkung eines Arzneimittels (Edronax® mit dem Wirkstoff Reboxetin) zur Behandlung von Depressionen. Pfizer weigerte sich trotz wiederholter Anfrage, dem Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) eine vollständige Liste aller veröffentlichten und unveröffentlichten Studien zu Reboxetin zur Verfügung zu stellen. Das Institut hat dann durch eigene Recherchen herausgefunden, dass dasin Deutschland zugelassene Arzneimittel in mindestens 16 Studien getestet wurde, wobei von 9 dieser 16 Studien Schlüsselinformationen fehlen, um beurteilen zu können, wie Reboxetin abgeschnitten hat.

    Durch das Verschweigen von Studiendaten nimmt der Hersteller Patienten und Medizinern die Möglichkeit, sich informiert zwischen verschiedenen Therapieoptionen zu entscheiden. Zudem wird dadurch die Arbeit von Institutionen wie dem IQWiG behindert. Aufgabe des IQWiG ist es, verlässliche Schlussfolgerungen über Nutzen und Schaden der Medikamente zu ziehen. Pfizer hält Studien unter Verschluss IQWIG vom 10. Juni 2009

  • 66. Die Geschichte vom schnellen Erfolg und jähen Fall eines Senkrechtstarters auf dem Pharma-Markt trägt den Namen Lipobay. Das cholesterinsenkende Medikament kam 1997 auf den Markt. In der Rangliste der meistverordneten Arzneien seiner Wirkstoffklasse eroberte sich Lipobay innerhalb von drei Jahren den dritten Platz. Der Wirkstoff Cerivastatin galt als besonders effektiv, weil er in viel geringerer Dosierung als vergleichbare Medikamente die gefährlichen Blutfettwerte senkt. Auch gehörten die Cerivastatin-Präparate zu den preisgünstigsten Vertretern ihrer Wirkstoffklasse. Was jedoch nur wenige Ärzte und kaum ein Patient wussten war, dass sich die Verdachtsmomente gegen Cerivastatin immer mehr mehrten. Zu dieser Arzneimittelgruppe gehören neben dem Bayer-Produkt Lipobay auch das Lizenzprodukt "Zenas" der Firma Fournier-Pharma in Sulzbach, das ebenfalls vom Markt genommen wurde. Lipobay wurde derzeit rund 270 000 Patienten in Deutschland verordnet, Zenas schluckten knapp 40 000 Patienten. Zunächst ging es um Muskelzellabbau als Nebenwirkung. Dann ging es um Todesopfer: 31 werden aus den USA gemeldet und in Deutschland sind möglicherweise vier Patienten gestorben. Cerivastatin wirkt auf Muskelzellen zerstörerisch. Wenn nun zu viele Zellabbauprodukte ins Blut geschwemmt werden, dann kann das die Nieren überfordern. Wenn diese nun ihren Dienst aufgeben, stirbt der Organismus an einem Übermaß an Giften. Das Risiko ist größer, wenn das Lipobay in höheren als den gewöhnlichen Dosen und an ältere Patienten verabreicht werde und wenn das Mittel in Kombination mit dem Wirkstoff Gemfibrozil (deutscher Handelsname: Gevilon) gegeben werde. Die Herstellerfirma Bayer hat ihr Medikament in Japan nicht vom Markt genommen
    Lipobay war eines der umsatzstärksten Produkte der Pharmasparte des Bayer-Konzerns. Eine Pille mit fatalen Nebenwirkungen Berliner Zeitung vom 10. August 2001
  • 67. Rofecoxib ist ein Arzneistoff. Das nichtsteroidale Antirheumatikum der Gruppe der selektiven COX-2-Hemmer (daher die Endung -coxib, vgl. Celecoxib) diente zur Behandlung rheumatischer Erkrankungen und Schmerzen. Es wurde vom US-Pharmakonzern MSD Sharp & Dohme unter dem Handelsnamen Vioxx® in Verkehr gebracht.
    In Deutschland war Vioxx das umsatzstärkste Produkt der Firma (mit etwa 20 % des nationalen Konzernumsatzes). Auch weltweit erreichte Merck mit Vioxx die Marktführerschaft unter den Coxiben und erzielte einen Gesamtumsatz von zuletzt 2,5 Milliarden US-Dollar.
    Am 30. September 2004 kündigte der Konzern an, Vioxx wegen einer neuen Langzeitstudie unverzüglich vom Markt zu nehmen. In dieser Studie zeigte sich nach 18 Monaten eine nahezu verdoppelte Rate an Herz-Kreislauferkrankung (insbesondere Herzinfarkten, instabiler Angina Pectoris und Schlaganfällen) im Vergleich zu einer Behandlung mit Placebo. Die Studie musste aus diesem Grund vorzeitig abgebrochen werden.
  • 68. Von GlaxoSmithKline (GSK) stammt das lukrative Diabetesmedikament Avandia, vor dem im renommierten Medizinfachblatt "British Medical Journal" und von der britischen Medikamentenaufsicht (MHRA) gewarnt wurde. Nach jahrelangen Auseinandersetzungen um die Gesundheitsrisiken des Diabetes-Blockbusters Rosiglitazon (Handelsname Avandia) wollte im Juli 2010 die US-Gesundheitsbehörde Food and Drug Administration (FDA) keine Verbotsempfehlung für die USA auszusprechen , obwohl die Beweislage über ein erhöhtes Risiko für Herzinfarkt durch Avandia geradezu erdrückend war.
    Das "British Medical Journal berichtete, dass, bereits während des Zulassungsprozesses für den europäischen Markt im Jahr 1999 Hinweise vorlagen, dass die Evidenz für den Nutzen des Medikaments nicht ausreichend gewesen sei. Dies gehe hervor aus den Dokumenten der europäischen Zulassungsbehörde Ema ("European Medicines Agency", ehemals Emea), die seinerzeit von den Ema-Beratern erstellt worden waren. Auch hätten darin einige Mitglieder des Ausschusses ihre Bedenken über die möglichen Langzeitrisiken geäußert.
    Bei einer Auswertung von 42 Studien, die im Juni 2007 im New England Journal of Medicine veröffentlicht wurde, wurde ein um 43 % erhöhtes Herzinfarktrisiko beobachtet. Der Hersteller des Medikamentes sowie die Europäische Arzneimittelagentur zweifelten die Aussagekraft der Metastudie an.
    Nach Aussage eines ehemaligen Mitarbeiters der Food and Drug Administration (FDA) hat der Avandia-Hersteller GlaxoSmithKline PLC Datenmaterial über das Risiko zurückgehalten. Eine Expertenrunde derselben Behörde hat mehrheitlich Bedenken gegen "Avandia" bekundet, ebenfalls eine Mehrheit derselben aber sich dafür ausgesprochen, das Medikament unter bestimmten Bedingungen auf dem Markt zu behalten.
    Aufgrund des erhöhten Risikos kardiovaskulärer Erkrankungen bei Einnahme von Rosiglitazon-Präparaten empfahl die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) schließlich im September 2010 die Aufhebung der Zulassung in Europa. Das deutsche Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) kam dieser Empfehlung nach, sodass Rosiglitazon seit November 2010 in Deutschland nicht mehr erhältlich sind.
    Seit 2000 war Avandia auf dem Markt - bis 2007 gehörte es zu den größten Umsatzbringern des britischen Unternehmens. Allein 2006 machte GSK damit noch einen Umsatz von drei Milliarden Dollar. Nach Bekanntgabe der negativen Ergebnisse aus 2007 machte der Konzern 2009 nur noch 1,2 Milliarden Dollar Umsatz damit.
    Jahrelang wurde das Medikament verschrieben, um die ernsten Komplikationen einer Typ-2-Diabetes zu reduzieren. Eine der wichtigsten Komplikationen für Diabetiker ist eben das erhöhte Herzinfarktrisiko - und genau das wird durch eine Rosiglitazon-Therapie offenbar auch gesteigert.
    Skandal-Medikament Avandia: Diabetes-Blockbuster droht das Aus Spiegel vom 07. September 2010
  • 69. Die neue Botschaft der Urologen lautete, dass auch bei Frauen eine Lustlosigkeit oder die Unfähigkeit, einen Orgasmus zu bekommen, durch eine mangelnde Durchblutung der Genitalien zustande kommt. Wenn nun beim Sex die Scheide trocken bleibt, Kitzler und Schamlippen sich nicht mit Blut füllen, ist den Fachleuten zufolge auch die Erregung gestört. Als Ursachen werden genannt: ein hoher Cholesterinspiegel, Bluthochdruck, Hormonmangel oder Diabetes. FSD als Krankheitsbild steht allerdings noch im Kreuzfeuer der Kritik.
  • 70. Als Hypogenitalismus bezeichnet man die Unterentwicklung der Geschlechtsorgane (infantile Entwicklung des Genitale), wozu meist auch die sekundären Geschlechtsmerkmale gerechnet werden. Die Ursache für Hypogenitalismus ist meist hormoneller Natur, beispielsweise als Folge einer Unterfunktion der Keimdrüsen (Hypogonadismus). Das Gegenteil von Hypogenitalismus ist eine übermäßige Geschlechtsentwicklung (Hypergenitalismus).. Hypogenitalismus lässt sich mittels der Hormontherapie behandeln. Bei männlichen Patienten wird beispielsweise Testosteron in Form von Injektionen oder als Pflaster (Testosteronpflaster) zugeführt. Bei weiblichen Patienten wird, je nach Alter und Grad des Hypogenitalismus, meist Ethinylestradiol, Estradiol oder Chlormadinon gegeben.
  • 71. Flibanserin ist ein experimenteller Arzneistoff, der von dem Pharmaunternehmen Boehringer Ingelheim zur Behandlung der hypoaktiven Sexualfunktionsstörung (HSDD) bei Frauen entwickelt wurde. Im Oktober 2010 gab Boehringer die Einstellung der Entwicklung bekannt.
  • 72. Vor allem bei den Zwangsstörungen der an Tic-Syndromen oder am Gilles-de-la-Tourette-Syndrom erkrankten Patienten spielt wahrscheinlich auch das Dopamin bzw. das dopaminerge Transmitter-System eine bedeutsame Rolle. Es gibt Hinweise, dass die Transmitterstörungen nicht Ursache der Zwangserkrankung sind, sondern Begleiterscheinung von „primären Störungen im orbitofronto/zingulostriatalen Projektionssystem, welches das Verhalten an eine sich verändernde äußere Umwelt und innere emotionale Zustände anpasst und auf die monoaminergen Kerne des Mittelhirns zurückwirft“ (Kapfhammer 2000, S. 1233).
  • 73. Ewart et. al., Annals of Family Medicine, 2009
  • 74. data ownership and transfer
  • 75. Spielmans und Parry (2010). From Evidence-based Medicine to Marketing-based Medicine: Evidence from Internal Industry Documents
  • 76. Erhöhung des Werts der jeweiligen Marke
  • 77. Supplemental New Drug Application
  • 78. Einreichung
  • 79. field force: Stab der Außendienstmitarbeiter
  • 80. Verbreitung von Daten zur Verwendung außerhalb der zugelassenen Anwendung

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