Psychose und Partnerschaft

Psychose und Partnerschaft

Dieser Teil der Homepage widmet sich dem Thema von Psychose und Partnerschaft. Soweit nicht anders vermerkt, wird Bezug genommen auf das Buch "Psychose und Partnerschaft" von Helene und Hubert Beitier aus dem Jahre 2000. Psychose meint hier alle seelischen Erkrankungen, die Veränderungen des Denkens, der Wahrnehmung und des Erlebens mit sich führen.

Dabei ist der Text nicht nur Paaren vorbehalten, die sich mit der psychotischen Krise zu Hause auseinandersetzen möchten, sondern auch geeignet für den Single, der sich nach einer Partnerschaft sehnt. Auch dem Angehörigen kann dieses Schriftstück dabei helfen, den Betroffenen besser zu verstehen und ihm auch hilfreich zur Seite zu stehen. Natürlich kann der Text auch Paaren weiterhelfen, die aus zwei Betroffenen bestehen, weil ja regelmäßig beide Partner nicht gleichzeitig krank sind, sondern zeitungleich und sich dann auch gegenseitig weiterhelfen können. Auch dient dieser Text dazu, alle Interessierten zu informieren, die mehr wissen möchten über den Umgang mit Menschen, die eine Psychose haben. Schließlich fällt es dem Betroffenen gerade in der Krise sehr schwer, seine Gedanken klar zu ordnen und sie nach außen in entsprechender Weise mitzuteilen.

Der Text widmet sich den Auswirkungen von psychotischen Krisen auf Partnerschaft und Familie und das gesamte Lebensumfeld der Psychoseerfahrenen und seiner Angehörigen. Die Sichtweisen des Betroffenen und der Angehörigen findet Berücksichtigung. Dieser Beitrag soll vieles von dem erhellen, was sich ansonsten hinter der geschlossenen Wohnungstür im Verborgenen abspielt. Dabei gibt die Lektüre nicht nur Verständnishilfen sondern auch konkrete Hinweise für den Umgang mit psychotischen Menschen in ihrem Umfeld. Zentral ist dabei das Motto "Ein erwachsener Mensch ist nicht wie ein Kind zu behandeln" - weder von den Angehörigen noch von den Profis. Damit wird Respekt gefordert vor der der Persönlichkeit des ja nur zeitweise beeinträchtigten Erwachsenen. Dem Text liegt die Meinung zugrunde, dass psychotisches Geschehen in seinen Konsequenzen für das Umfeld des Betroffenen kontrollierbar wird, wenn darüber mit allen Beteiligten offen und ohne Scheu gesprochen werden kann.

Beziehungen funktionieren nicht automatisch. Beide - der gesunde wie der kranke Partner können einen spezifischen Beitrag leisten für das Gelingen der Partnerschaft. Der gesunde Part benötigt dazu Krankheitsverständnis und Wissen über die Begleitung einer Krise sowie die Kommunikation mit dem psychotischen Partner. Und der kranke Part benötigt ein Konzept zur Bewältigung der Krise, Absprachen für den Fall des Eintritts einer Krise und Wissen um die individuell verschiedenen Frühwarnzeichen. Dies sind alles wichtige Punkte, die umso wichtiger sind, wenn die Beziehung durch die Erkrankung ohnehin schon belastet ist. Der Text soll Möglichkeiten aufzeigen, wie das Leben und die Partnerschaft trotz der Erkrankung gut bewältigt werden kann.

Der Umgang mit dem, was man versteht, ist einfacher, als wenn Unverständnis das eigene Handeln prägt. Und je besser ein Paar mit der Psychose des betroffenen Partners umgehen kann, umso tragfähiger ist auch die Partnerschaft. Auch der Single kann lernen, mit seiner Krankheit umzugehen und sie in den Griff zu bekommen, so dass er später eine gelingende Partnerschaft aufbauen kann. Das Verständnis der Krankheit und der Vorsorgemöglichkeiten kann überdies dazu führen, dass  die Erkrankung nicht mehr ausbricht oder aber, falls sie doch zum Ausbruch kommt, sich nicht mehr gar so schlimm auswirkt.

Fast alle Betroffenen leiden Höllenqualen unter ihrer Erkrankung. Das hat nicht nur mit deren Auswirkungen auf das eigene Leben zu tun, sondern auch damit, dass die Psychose nicht gesellschaftsfähig ist wie ein Beinbruch beim Skifahren auf der Zugspitze. Die Psychose löst oft Ängste aus, die in manchen Medien bewusst erzeugt wurden und werden, um einige spektakuläre Verbrechen von Betroffenen gut vermarkten zu können. Es ist jedoch so, dass der Anteil Krimineller unter der psychisch Kranken nicht höher ist als in der Durchschnittsbevölkerung. Hier hilft nur Transparenz weiter, die dieser Text zu vermitteln versucht. Schließlich soll sich keiner wegen seiner psychischen Krankheit verstecken müssen. Man muss dabei nicht die Krankheit wie ein Aushängeschild vor sich hertragen, doch kann man gerade in seinem Umfeld wertvolle Aufklärungsarbeit leisten. Die wenigsten Nichtbetroffenen sind dabei verschlossen und unzugänglich, wenn man ihnen die Erkrankung in vernünftigen Worten nahe bringt. Es muss Schluss sein mit all den Ränken und Mythen um die psychotische Erkrankung. Das Bild des psychisch Kranken hat sich im Laufe der Zeit ziemlich geändert. Galt der Betroffene im antiken Griechenland noch als Götterbote, wurde der Psychoseerfahrene im frühen Christentum als von Gott Geprüfter und Gesegneter, als Stigmatisierter verehrt. Dazu konträr ist die mittelalterliche Vorstellung vom vom Teufel Besessenen, der  im besten Falle bekehrt wurde oder aber gleich in der Folterkammer landete, um ihn dort zu quälen und später als Hexe oder Ketzer auf dem Scheiterhaufen hinzurichten.  Oft handelte es sich dabei um Menschen, die sich wegen ihrer Verletzbarkeit an den Rand der Gesellschaft zurückgezogen haben und ihrer Zeit weit voraus waren. Die Angst der angeblich Gesunden führte dann zu den Gräueltaten. Was man nicht erklären konnte oder was fremd warm, das schlug man einfach tot, um dieser Angst nicht weiterhin ausgesetzt zu sein. Später entsorgte man die Betroffenen ins Narrenhaus, wo sie sich selbst überlassen waren. Während des zweiten Weltkrieges fanden Gaskammern Anwendung als moderne Scheiterhaufen, um das sogenannte unwerte Leben auszurotten. Teilweise fand auch die Zwangssterilisation Anwendung. Heute gilt die psychische Krankheit als ein medizinisches Problem, dem man mit modernen Medikamenten und Mitteln der Psychotherapie zu beizukommen versucht. Doch selbst heute ist die Psychiatrie nicht frei von Missständen.

Jeden von uns kann eine Psychose treffen. Mehrere Prozent der Gesamtbevölkerung sind seelisch krank und jeder Dritte durchläuft in seinem Leben eine psychische Krise mit Krankheitswert.
Die Psychose hat oft ihre Wurzeln schon in der Kindheit. Der Betroffene wurde nicht erst als Erwachsener zu einer hoch sensiblen, verletzlichen Person, sondern war es schon als Kind. Dies spricht für einen besonderen Leidensdruck im Leben des Betroffenen, der mit vielen Verletzungen konfrontiert wurde, die sich aufschaukeln und dann, als das Fass überlüft, in einer akuten Psychose niederschlägt. Der Ausbruch der Krise wird dann erlebt wie ein Seeleninfarkt.

Falls dem hoch sensiblen Kind weitere belastende Faktoren begegnen in seinem Leben, dann läuft es Gefahr, eine Vulnerabilität zu entwickeln, die später als Psychose aufbrechen kann.
In diesem Text geht es also in der Hauptsache um die Besonderheiten des sehr sensiblen und verletzlichen Menschen, wobei selbst die Partnerschaft für diesen verletzbaren Menschen eine Belastung darstellen kann. Deshalb geht es auch darum, wo die Knackpunkte dieser Partnerschaft liegen können und wie diese gelöst werden können. Eine funktionierende Partnerschaft wirkt sich normalerweise als höchst stabilisierend aus.
Die Einleitung gibt einen kurzen Abriss des Lebens in einer Klinik wieder und kann dabei helfen, sich für oder gegen einen Aufenthalt in der Klinik zu entscheiden. Das gemeinsame Leben mit der akuten Krise wird in Leben mit der Krise abgehandelt. Dabei geht es um die Organisation des Umgangs mit psychotischen Phasen zu Hause oder mit Unterstützung anderer Dienste. Das gemeinsame Leben nach der Krise bzw. zwischen den Krisen wird in Leben nach der Krise diskutiert. Zum Abschluss geht es um den Sinn von Krisen. Dabei wird gezeigt, dass psychotische Krisen bei einem verständnisvollen und kooperierenden Umfeld auch zu Hause zu bewältigen sind. Dazu gehört natürlich auch, dass sich der Betroffene und seine Angehörigen den meist existenziellen Problemen öffnen und sich damit beschäftigen. Ein vertieftes Verständnis des subjektiven Sinns des psychotischen Geschehens muss man sich als Betroffener zusammen mit den Angehörigen und den Fachleuten mühsam erarbeiten.  Die Krise wird als Schnittpunkt zwischen biographischer Verletzbarkeit, Überforderungen durch den Lebensalltag und konstitutionellen Dispositionen abgehandelt.

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