Ein Appell zum Ehrenamt

Das Ehrenamt ist ja inzwischen leider in die Krise gekommen. Warum sollten sich auch Mitglieder eines kapitalistischen Gesellschaftssystems, welches auf dem Erwerb von Geld basiert, ehrenamtlich betätigen und sich ohne Geld dafür zu erhalten, entsprechend engagieren? Weil die ehrenamtliche Betätigung, die anderen etwas Gutes tut, sowohl den anderen als auch uns selbst hilft! Immerhin noch 10 bis 20 Millionen Menschen sollen in Deutschland ehrenamtlich im sozialen Bereich zugange sein.1 Dabei verfolgen die ehrenamtlichen Helfer ganz unterschiedliche Motive.

Die Ehrenämtler engagieren sich

  • aus Verantwortungsgefühl - es gibt immer noch Menschen, die hohe moralische Maßstäbe haben und Gutes tun, weil sie sich dazu moralisch verpflichtet fühlen.
  • zur Absicherung für die Zukunft - das Motiv ist die Hoffnung, dass einem, wenn man Gutes tut, in Notlagen auch Gutes von anderen widerfahren wird.
  • aus Mitleid und Nächstenliebe - manche Menschen versetzen sich so stark in andere Menschen hinein, dass sie "mit der Not der anderen mitleiden", und deshalb alles daran setzen, ihr Leid und das der anderen zu vermindern
  • aus Dankbarkeit - Hilfsbereitschaft kann auch daraus erwachsen, dass einem Gutes widerfahren ist und man sich aus Dankbarkeit revanchieren möchte.
  • im Streben nach Geselligkeit - wer anderen hilft, der kann dadurch die eigene Isolation überwinden und Einsamkeitsgefühlen entgehen
  • wegen der neuen Lebensaufgabe - das Helfen kann eine sinnvolle Form der Therapie sein, um dem eigenen Leben einen Sinn zu geben. Man weiß wieder, warum man morgens aufstehen soll.
  • wegen der Stärkung des Selbstwertgefühls - wer Gutes tut und anderen hilft, der stärkt damit sein Selbstwertgefühl und sein Ego.
  • aus Streben nach Anerkennung - natürlich kann sich hinter der Hilfsbereitschaft auch noch ein Showeffekt verbergen: Man tut Gutes, weil andere es auch tun und man nicht unangenehm auffallen möchte oder auf einen guten Marketing-Effekt aus ist.

Ganz egal welche Motive uns zur Hilfsbereitschaft antreiben, so wirkt sich die ehrenamtliche Betätigung auf unser seelisches und körperliches Befinden recht positiv aus. Anderen zu helfen wirkt sogar lebensverlängernd, und wenn wir uns für andere einsetzen, dann erhöht das unsere Zufriedenheit. Helfen macht also in einem gewissen Sinne auch glücklich.
Als lebensverlängernd wird angesehen, wenn wir uns einer festen Organisation oder Gruppe anschließen und/oder wenn wir andere unterstützen und auch selbst unterstützt werden. Die Amerikaner ermittelten einer Studie mit 1700 Frauen, dass Menschen, die anderen helfen, ruhiger und ausgeglichener werden und zusätzlich im Augenblick der Hilfeleistung ein Stimmungshoch erleben. Dieses Hochgefühl liegt daran, dass in unserem Körper sog. Endorphine, körpereigene Schmerzkiller und Stimmungsmacher, freigesetzt werden.
Ein Drittel der Frauen, die sich regelmäßig um das Wohl anderer Menschen kümmerten, berichteten, von einem starken Rückgang streßbedingter Magen- und Kopfschmerzen. Zudem stieg ihr Selbstwertgefühl an und sie erlebten, dass Einsamkeitsgefühle sowie Depressionen abnahmen.

Man fühlt sich sogar auch dann besser, wenn man sich an seine gute Tat erinnert. Das Hochgefühl entsteht allerdings nicht, wenn man nur Geld spendet oder anonym Hilfe leistet. Das gute Gefühl, welches aus der guten Tat erwächst, trägt auch dazu bei, dass unsere Abwehrkräfte steigen und wir eine zufriedene Ausstrahlung bekommen.

Doch gibt es auch viele Hindernisse dabei, anderen selbstlos zu helfen:

  • Schon als kleine Kinder lernen wir, wie wichtig später andere Menschen für uns sind und ob wir uns für andere Menschen einsetzen. Wir lernen auch, Ziele im Leben zu setzen und sie zu verfolgen.
  • Unser Verhalten bleibt nicht gleich, weil Krisen und Erfahrungen in unserem Leben es verändern können. So kann es sich aus der Enttäuschung von anderen Menschen ergeben, dass wir uns dazu entscheiden, nur noch an uns selbst zu denken. Solche Menschen haben Angst, wieder bis aufs Blut ausgenutzt zu werden und nochmals den Kürzeren zu ziehen. Auf der anderen Seite kann uns eine schwere Erkrankung daran erinnern, wie wichtig und hilfreich die Umwelt ist, sodass wir von diesem Zeitpunkt an für andere einsetzen.
  • Dann kann da noch die Angst im Raum stehen, sich zu überfordern, den Anforderungen nicht gewachsen zu sein oder für immer verpflichtet zu sein, wenn man einmal damit beginnt, für andere etwas Gutes zu tun. Diese Gefühle sollte man auch sehr ernst nehmen und erst einmal daraufhin überprüfen, ob es wirklich so ist. Natürlich sollen wir uns bei unseren Hilfeleistungen nicht überfordern, sondern unsere eigenen Kräfte berücksichtigen. Auf der anderen Seite gilt hier nicht ein Alles-oder-Nichts-Prinzip. Schon eine Stunde in der Woche oder im Monat kann vielen Mitmenschen helfen. Viewle Hilfeleistungen müssen gar nicht regelmäßig sein - so zum Beispiel, wenn die Nachbarin mal krank wird oder der Babysitter ausfällt. Letzten Endes zählt jede auch noch so kleine Hilfeleistung zählt und jeder Beitrag ist auch wichtig - selbst wenn wir vielleicht nicht garantieren können oder wollen, jede Woche gesund und aktiv zur Verfügung zu stehen.

Quellen:
- http://www.palverlag.de/helfen-ehrenamt.html

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